Vechta - Welche heute gebräuchlichen Namen gibt es schon länger in unserer Region? Und wie lange genau? Diese und mehr Fragen zur Namens- und Familienforschung können jetzt ein Stückchen besser beantwortet werden. Denn Peter Sieve hat die Register der so genannten Willkommschatzung von 1498/1499 für eine Veröffentlichung bearbeitet, die der Heimatbund Oldenburger Münsterland gemeinsam mit seinem Familienkunde-Ausschuss als Band 22 seiner „Roten Reihe“ herausbringt. Vorgestellt haben die Verantwortlichen das Buch „Die Register der Willkommschatzung von 1498 und 1499 im Niederstift Münster (Ämter Meppen, Cloppenburg und Vechta)“ jetzt in der Heimatbibliothek Oldenburger Münsterland in Vechta.
Alte Steuerlisten
Bei den Registern handelt es sich um alte Steuerlisten aus den damaligen Ämtern Cloppenburg, Vechta und Meppen. Und die sind so besonders, da es sich um die ältesten erhaltenen flächendeckenden Namenverzeichnisse der Einwohner im Alter über zwölf Jahren des damaligen Niederstifts Münster handelt. Peter Sieve betont: „Für die Landesgeschichte, Topographie, Genealogie und Namenkunde des Emslandes und des Oldenburger Münsterlandes haben diese Quellen unschätzbaren Wert. Viele heute noch vorhandene Familiennamen dieses Raumes sind hier erstmals urkundlich nachweisbar.“
Aber wieso eigentlich Willkommschatzung? Dies war, so Sieve, eine einmalige Steuer als Begrüßung, also „Willkommen“, des neu gewählten Fürstbischofs von Münster, Konrad von Rietberg. Der damalige Landtag des Fürstbistums Münster, bestehend aus Adel und Geistlichen, musste diese Steuererhebung genehmigen, damit der neue Bischof mit diesen Einnahmen seine Ausgaben für die Amtseinführung und die zu zahlenden Abgaben an Kaiser und Papst decken konnte. Erstellt haben die detaillierten Listen damals die Pfarrer vor Ort.
Interessant ist auch, dass die Register jetzt zum ersten Mal zeitlich richtig eingeordnet veröffentlicht werden. Denn Sieve selbst hat schon als 16-Jähriger 1981 die Listen aus Cloppenburg und Vechta als Personenschatzungsregister von 1473 veröffentlicht, da die Originale mit keinem Datum versehen waren und 1473 erwiesenermaßen eine Steuererhebung stattgefunden hat.
In einer Publikation
Die jetzt erfolgte, zeitlich richtige Einordnung der Listen aus Cloppenburg und Vechta konnte Sieve unter Abgleichung mit bei den Kommunen vorhandenen Urkunden und den darin aufgeführten Namen vornehmen. Zum wirklich ersten Mal sind die Listen aus dem Amt Meppen in einer Publikation der Öffentlichkeit zugänglich.
Sehr freut sich der Heimatbund OM, den neuesten Band der „Roten Reihe“ gemeinsam mit Peter Sieve und Dr. Josef Mählmann, dem Vorsitzenden des Familienkundeausschusses im Heimatbund OM, verlegt zu haben. Mit einem kleinen Druckkostenzuschuss hat der Emsländische Heimatbund die Veröffentlichung unterstützt, und das Buch ist in die Reihe der Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalen als Folge 85 aufgenommen worden.
Erhältlich ist die „Rote Reihe 22“ (ISBN 978-3-941073-36-4) zum Preis von 16 Euro in allen Buchhandlungen und im Internet unter www.buchladen/heimatbund-om.de.
