Friesoythe - Häuslebauer und Eigentümer, die sich heute für eine Wärmepumpe entscheiden, müssen viel Geduld mitbringen. Die Lieferzeiten liegen derzeit bei neun Monaten oder sogar einem Jahr. Das berichten örtliche Heizungsbauer, bei denen die Nachfrage nach dieser Heizungsart gerade extrem hoch ist. „Wir bauen nur noch Wärmepumpen ein“, sagt Werner Block, Geschäftsführer der Firma Theo Block Heizungsbau aus Gehlenberg. In Neubauten würden nur noch Wärmepumpen verbaut, manche neuen Baugebiete würden bereits ohne Gasleitung geplant. Und im Zusammenspiel mit einer Photovoltaikanlage seinen Wärmepumpen die ideale Lösung, sagt Block.
Ausgereifte Technik
„Das ist die Zukunft“, sagt auch Heizungsbauer Alexander Pflaum aus Friesoythe, der nicht nur seit zwölf Jahren Wärmepumpen verbaut, sondern auch privat damit heizt. „In der Übergangszeit ist man in Kombination mit einer PV-Anlage autark. Im Winter braucht man etwas zusätzlichen Strom vom Versorger. In den skandinavischen Ländern hat das jeder. Wir arbeiten mit einem schwedischen Hersteller zusammen, der hat 50 Jahre Erfahrung.“ Dementsprechend ausgereift und zuverlässig sei die Technik.
Doch egal ob Wärmepumpe oder Gasheizung – alle Hersteller können derzeit kaum die Liefertermine für Anlagen halten, die vor Monaten bestellt worden sind. „Es hängt an den elektrischen Teilen, es fehlen die Chips“, sagt Pflaum. „Da ist Improvisieren angesagt. Manchmal müssen wir halbfertige Anlagen einbauen, nur um den Kunden weiterzuhelfen.“ Die Holzkrise in der Bauindustrie Anfang des Jahres sei nichts im Vergleich zu der jetzigen Situation. Denn selbst einige Ersatzteile für defekte Gasheizungen, zum Beispiel Umwälzpumpen, seien nicht zu bekommen. „Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll“, sagt Pflaum. Es könnte sein, dass sich die Kunden in einigen Fällen mit Heizlüftern behelfen müssten. Aber auch die seien bei den Großhändlern vergriffen.
Auch viele Altbaubesitzer interessieren sich angesichts der Energiekrise und der steigenden Kosten für Wärmepumpen. Werner Block kommt das bekannt vor: „Die Leute haben sich auch dafür interessiert, als es die Ölkrise gab.“ Doch dann seien die Brennstoffe wieder günstiger geworden, die deutlich teurerer Wärmepumpentechnik war nicht mehr attraktiv. Während man heute eine moderne Gasheizung für circa 7000 Euro bekomme, müsse man für eine Wärmepumpe 30 000 bis 35 000 Euro rechnen.
Energie sparen
Mit einer gewissen Skepsis schaut Heizungsbauer Stefan Ewen aus Neuscharrel auf dem Boom. „Es ist relativ teures Heizen, weil wir mit Strom heizen.“ Für einen modernen Neubau, der sehr gut gedämmt sei, seien die Kostenersparnisse im Vergleich zu einer Gasheizung nicht besonders groß. Natürlich gelte das nur, solange es Gas gebe. Allen Altbau-Eigentümern rät er: Erstmal schauen, ob man nicht energetisch sanieren könne, die Fenster austauschen, die Haushülle dämmen. Eine PV-Anlage und Solarthermie, also heißes Wasser vom Dach, lohne sich immer. Dann könne die Gasheizung ein paar Wochen länger aus bleiben. „Energie einsparen macht mehr Sinn!“, sagt Ewen. Und: Immer erstmal einen Energieberater fragen, bevor die neue Heizung bestellt wird.
