Friesoythe/Bollingen - Die Impfpflicht gegen das Corona-Virus tritt am 15. März in Kraft, auch wenn Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wieder Unruhe in die politische Debatte gebracht hat. Er will die Impfpflicht für sein Bundesland aussetzen. Deshalb sei die Grundstimmung bei den Pflegekräften schlecht, berichtet Gregor Hollenstein, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Wille und Partner, die das Seniorenzentrum Altenoythe betreibt. Das Aufweichen eines Gesetzes, das sei eine „Katastrophe für sich“ und führe zu Frust. So habe er eine Kollegin im Landkreis Leer, die sich aus persönlichen Gründen nicht impfen lassen wollte. „Sie hat sich schweren Herzens doch dazu entscheiden und ist nun traurig und verstimmt.“
Fehlende klare Linie
Die Impfquote im Seniorenheim in Altenoythe ist indes fast perfekt: Nur zwei von rund 70 Mitarbeitern seien ungeimpft, berichtet Hollenstein. Deshalb werde es nicht zu Problemen kommen, wenn die Impfpflicht in Kraft trete. Auch so gut wie alle Bewohner seien vollständig geimpft und geboostert. Zwar komme es immer mal wieder zu Corona-Infektionen, doch aufgrund der Impfungen hätten auch die Senioren diese gut überstanden.
Die fehlende klare Linie in der Politik vermisst auch Gunnar Evers, Leiter des Alten- und Pflegeheims St. Michael in Bollingen. „Und bis zum 16. März fließt noch viel Wasser die Sagter Ems hinunter.“ In seinem Haus sind 98 Prozent der gut 200 Mitarbeiter vollständig geimpft.
Schon jetzt melden die Pflegeeinrichtungen regelmäßig den Impfstatus ihrer Mitarbeiter beim Gesundheitsamt des Landkreises.
Ausschlaggebend für die Überprüfung der Impfpflicht ist die Meldung der Einrichtungen am 16. März.
Geplant sei, dass das Gesundheitsamt die ungeimpften Mitarbeiter zu einem Gespräch bitte, um dann zu entscheiden, ob es im Einzelfall legitime Gründe gebe, sich nicht gegen das Corona-Virus impfen zu lassen, berichtet Gunnar Evers, Heimleiter des Alten- und Pflegeheims St. Michael in Bollingen, und ergänzt: „Ich weiß aber nicht, wie die Gesundheitsämter das noch schaffen sollen. Die sind doch bereits jetzt völlig überlastet.“
In der St.-Marien-Stiftung und im St.-Elisabeth-Haus liege die Impfquote, beziehungsweise die Quote der geimpften und genesenen Mitarbeiter zum 15. März bei 100 Prozent, berichtet Geschäftsführerin Nadine Krefeld. Die Sozialstation habe eine Quote von 99,2 Prozent, das St.-Marien-Hospital von 99,4 Prozent, bei den Mitarbeitern der Service-Gesellschaft, die in der Reinigung, Küche und Ähnliches arbeiten, liege die Quote bei 93,2 Prozent.
Allerdings macht Krefeld aber eine klare Einschränkung: „Bei der Betrachtung der Zahlen darf man nicht vergessen, dass der Genesenen-Status nach drei Monaten verfällt.“
Falls also betroffene Mitarbeiter, die eine Corona-Infektion hatten, sich gegen eine Auffrischungsimpfung entscheiden, könne sich die Situation gegen Ende April deutlich verschärfen. „Es gibt durchaus ein paar Mitarbeiter, die eine Impfung entschieden ablehnen“, berichtet Krefeld.
Sorge vor Long-Covid
Sie selbst sehe die Impfpflicht mit gemischten Gefühlen. Sie selbst und ihre Familie hätten sich erleichtert gefühlt und sich jede Spritze so schnell wie möglich geholt. „Long-Covid ist mein persönlicher Albtraum. Es fällt mir persönlich auch schwer, das Misstrauen und die Argumentation einiger Impfverweigerer nachzuvollziehen“, sagt die Krankenhaus-Geschäftsführerin. „Aber man darf nicht vergessen, dass wir mittlerweile wissen, wie sich das Virus überträgt und wie man sich davor schützt.“
Es sei für Pflegekräfte möglich Corona-Patienten zu behandeln und sich dabei selbst vollständig zu schützen, mit korrekt getragenen FFP2-Masken und weiterer Schutzkleidung. „Deshalb finde ich eine Impfpflicht nur für einen Teil der versorgenden Gesellschaft sehr unglücklich“, sagt Nadine Krefeld.
