Friesoythe/Sedelsberg - Einblick in die vollständigen Antragsunterlagen für die Revis-Biogasanlage im C-Port gibt es derzeit im Rathaus in Friesoythe, Ramsloh und Oldenburg sowie online. So ist es zum ersten Mal möglich, die Größe der Anlage zu erfassen. Auf 13,5 Hektar am Ems-Dollart-Ring auf Friesoyther Stadtgebiet werden demnach 9,6 Hektar mit den Gebäuden, Anlagen und Wegen versiegelt.
Was wird angeliefert und produziert ?
Verarbeitet werden soll im 24-Stunden-Betrieb eine Million Tonnen Wirtschaftsdünger pro Jahr. Zu 75 Prozent wird es sich um festen Rinder-, Puten-, Pferde-, Hähnchen- und Entenmist sowie entwässerte Schweine- und Rindergülle handeln, zu 25 Prozent um flüssige Mastschwein- und Milchviehgülle. Produziert werden daraus Biomethan, verflüssigtes Methan (LNG), gasförmiges Ammoniak sowie Ammoniakwasser, gasförmiges Kohlendioxid (CO
Wie wird die Biogasanlage betrieben ?
Das trockene Material wird in zwei Hallen gelagert, die insgesamt 19 288 Quadratmeter Fläche haben. Der Güllebehälter fasst 3085 Kubikmeter. Es wird eine pumpfähige Masse gemischt und auf zehn parallelen Linien mit jeweils drei Fermentern und einem Nachgärer verteilt. Sie wird bei circa 40 Grad vergoren, organisches Material wird zu Methan (circa 55 Prozent) und Kohlendioxid (circa 45 Prozent) umgesetzt. Das Biogas sammelt sich in den Dachräumen der Fermenter und wird über Rohre zur Aufarbeitung geleitet. Dort werden Ammoniak und Schwefel entfernt. In Speichern, die 20 000 Kubikmeter fassen, wird Biogas zwischengelagert. „Sollten die Gasverbraucher ausfallen oder es zu sonstigen Störungen des Regelbetriebes kommen, stehen sechs Notfackeln zur Verfügung, die nicht nutzbares Gas kontrolliert verbrennen“, heißt es im Gutachten. In drei Linien wird das Biogas gereinigt, CO
Wie stark wird die Geruchsbelästigung ?
„Wesentliche Emissionsquellen“ seien die Schornsteine der Kesselanlagen, die Abluft der Hallen, sowie die beiden Nachverbrennungsanlagen, heißt es in der Umweltverträglichkeitsprüfung. Im Geruchsgutachten wird zudem darauf hingewiesen, dass die Kläranlage riechen werde. Die Anlage sei soweit möglich als „geschlossenes System mit angeschlossener Abluftbehandlung konzipiert“. So sollen die Lager- und Trocknerhallen nur für die Lkw geöffnet werden, die Hallenluft werde durch Biofilter geleitet. Aber die Fachleute schreiben auch, dass es erfahrungsgemäß „undefinierbare Geruchsquellen“ geben könne, eine Art „Platzgeruch“ entstehe.
Zur Berechnung, wie sich Gerüche auf die Umgebung ausbreiten, werden sehr viele Faktoren einbezogen. Zum Beispiel Windverhältnisse, Wetter und selbst die Art der Gülle oder des Mists. Rind stinkt anders als Schwein oder Huhn. Betrachtet wird im Radius von 1000 Metern, welche Auswirkungen die Revis-Anlage haben wird. Im Umkreis gibt es einen Viehbetrieb, die nächstgelegene Misch- und Wohnbebauung befinden sich 400 Meter nördlich, die Abfalldeponie Sedelsberg liegt 850 Meter westlich.
Eine Zusatzbelastung mit Gerüchen von null bis zwei Prozent errechnen die Gutachter für die schutzbedürftige Wohn-, Gewerbe- und Industrienutzung. „Es ist daher davon auszugehen, dass der Betrieb der geplanten Anlage die belästigende Wirkung der vorhandenen Belastung nicht relevant erhöht“, schreiben sie. Vorausgesetzt, dass die Anlage fehlerfrei betrieben wird.
Was passiert mit dem Wasser der Produktion ?
Das Abwasser wird einer biologischen Behandlungsstufe zugeführt, wie sie aus Kläranlagen bekannt ist. Vorab muss Nitrat entfernt werden. Am Ende muss es gegebenenfalls durch einen Filter laufen, bis das gereinigte Prozesswasser in die Sagter Ems bei Sedelsberg eingeleitet werden kann.
