Bösel
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– Der Lockdown wird langsam gelockert. Nach dem akuten Krisenmanagement muss es jetzt neben dem weiteren Infektionsschutz auch um Zukunftsperspektiven gehen. Wir fragen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Nordwesten, welche Perspektiven und Visionen sie für Ihre Stadt/Ihre Gemeinde haben und wie sie die angekündigte kommunale Unterstützung aus dem Konjunkturpaket des Bundes am liebsten nutzen würden.
Heute: Hermann Block, Bürgermeister der Gemeinde Bösel
Auf welches laufende Projekt Ihrer Gemeinde möchten Sie auch unter Sparzwang auf keinen Fall verzichten?
Ich möchte auf keine Maßnahmen verzichten, weil wir derzeit zahlreiche Pflichtaufgaben erfüllen müssen. Wir haben im Finanzplanungszeitraum bis 2023 mit Investitionen von 33 Millionen Euro ein außergewöhnlich hohes Programm aufgestellt. Das kommt planmäßig ohne Neuverschuldung aus. Wir haben vor Jahren schon ganz gezielt in die Aufenthalts- und Lebensqualität der Gemeinde investiert und werden das mit dem Städtebaufördergramm auch fortsetzen. Insgesamt stehen derzeit ausreichend liquide Mittel zur Verfügung. Nach den angepassten Steuerschätzungen vom Mai 2020 werden aber insbesondere die Einkommenssteueranteile 2020 einbrechen. Für Bösel bedeutet dies nach ersten Schätzungen 300 000 Euro weniger in 2020.
In welche Entwicklungschance muss jetzt vorrangig investiert werden?
Wenn wir im ländlichen Raum attraktiv bleiben wollen, muss der Breitband- und Mobilfunkausbau beschleunigt werden. Dabei geht es nicht nur um das finanzielle Investment, sondern auch um Deregulierung der bürokratischen Ausschreibungsverfahren und vor allem um die zügige Umsetzung der beauftragten Maßnahmen. Was wir derzeit im Landkreis Cloppenburg hinsichtlich der eingetretenen Verzögerungen gerade bei der Erschließung von gewerblichen Betrieben erleben, ist abenteuerlich. Durch die Krise ist die Digitalisierung des Arbeits- und Schullebens vorangeschritten. Hier müssen Bund und Land am Ball bleiben. Die Krise hat darüber hinaus auch gezeigt, dass wir auf eine Fülle von Vorschriften und rechtlichen Bestimmungen verzichten können, die bisher nur vorübergehend außer Kraft gesetzt sind beziehungsweise gelockert wurden.
Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus der Corona-Krise?
Wir waren natürlich auf die Pandemie und ihre Auswirkungen nicht vorbereitet. Aus den Erfahrungen heraus muss es jetzt aber Konzepte für die Zukunft geben. Die Pandemie hat aber auch gezeigt, dass wir uns als Gesellschaft nach dem „Lockdown“ in den ersten Wochen – mal abgesehen von den Hamsterkäufen – insgesamt sehr diszipliniert verhalten haben, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Bewusst geworden ist uns auch noch einmal, dass die örtliche Gemeinschaft, das Ehrenamt, Vereine, aber auch Wirtschaft und Handel von persönlichen Kontakten, Begegnungen und Festlichkeiten leben und wir diese Stütze und diesen Zusammenhalt vermisst haben bzw. weiterhin vermissen werden. Gut getan hat die große Hilfsbereitschaft, insbesondere im ehrenamtlichen und nachbarschaftlichen Bereich. Ein großer Dank gilt der Corona-Hilfe in Bösel. Gezeigt hat die Pandemie aber auch, dass das Rathausteam und auch die örtliche Politik sich sehr flexibel gezeigt haben, um die Aufgabenwahrnehmung jederzeit zu gewährleisten.
Wie steht Ihre Gemeinde im Sommer 2021 da?
Wir halten unverändert an unserer millionenschweren Investitionsplanung fest. Im September 2021 wird der Rat neu gewählt. Bis dahin sollen die großen Maßnahmen wie beispielsweise der Kreisverkehrsplatz in der Ortsmitte, Städtebausanierung, Regenrückhaltebecken Bösel-Nord, Gewerbegebiet „Südkamper Ring“, Neuanschaffung eines zusätzlichen Feuerwehrfahrzeuges oder die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt Petersdorf umgesetzt werden. Darüber hinaus werden wir in dieser Wahlperiode auch noch den Umbau und die Erweiterung des Feuerwehrhauses und das Richtfest der neuen Kindertagesstätte feiern.
Und wie im Sommer 2025?
Die Entwicklung der Gemeinde, des Landkreises, ja insgesamt des Oldenburger Münsterlandes, war in den letzten Jahren unter anderem aufgrund der Einwohnerentwicklung, der gewerblichen und touristischen Wirtschaftskraft außergewöhnlich positiv. Die aktuelle virusbedingte Entwicklung wird ein Dämpfer für diesen Trend sein. Aber ich glaube, dass wir in der Region so gut aufgestellt sind, spätestens bis zum Jahr 2025 zu „alter“ Stärke zurückzufinden. Vielleicht kann der touristische Bereich sogar von der Krise profitieren, weil immer mehr Menschen Urlaub in Deutschland machen wollen. Mit diesem Potenzial müssen wir uns zeitnah beschäftigen. Auf die Gemeinde bezogen wird der Ortskern über die Städtebauförderung in ein „neues Gewand“ gekleidet sein, die Einwohnerzahl wird deutlich in Richtung 9000 Einwohner wachsen. Die Schul- und Kindertagesstättenlandschaft wird sich weiterentwickelt haben, ein neuer Sportpark für den SV Bösel ist auf den Weg gebracht worden.
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