Friesoythe/Bösel/Barßel - Viele Erzieherinnen in den Kindergärten fühlen sich in den Corona-Diskussionen übersehen. „Der Schutz der Erzieherinnen kommt zu kurz. Von den Schulen wird öfter mal gesprochen“, sagt Margret Gelhaus, Leiterin der städtischen Kita Grüner Hof. „Wir fühlen uns allein gelassen.“

Ihre Kollegin Helga Hespe, Leiterin der Kita St. Raphael in Bösel sagt: „Das Gefühl habe ich auch. In den Medien wird von Erzieherinnen gar nicht gesprochen.“ Schulen und Lehrer seien Thema, „aber wir sind auch jeden Tag mit den Kindern zusammen.“

Es sei ihm bewusst, welchen Belastungen die Erzieherinnen ausgesetzt seien, sagt auch Pfarrer Stefan Jasper-Bruns von der Cäcilia-Gemeinde Bösel. Er spüre, dass es für sie und die Eltern sehr mühsam sei. „Risiken versuchen wir so gut wie möglich auszuschließen.“

Gesetzliche Bestimmungen

Kindergärten und Kindertagesstätten sind derzeit im Notbetrieb, im Szenario C, wie es das Bildungsministerium nennt. Das heißt, dass in Regelgruppen maximal die Hälfte der Kinder (13 Kinder) und in den Krippengruppen maximal acht Kinder betreut werden dürfen.

Vorrang bei der Betreuung haben Familien, in denen beide Eltern arbeiten.

Die Kindergruppen bleiben unter sich in ihren Gruppenräumen. Damit sich die Kinder auf dem Spielplatz nicht zu nahe kommen, sind die Gelände unterteilt.

So folgen allen Träger – kommunale wie kirchliche – den gesetzlichen Vorgaben. Eltern müssen ihre Kinder am Eingang abgeben. Die Gruppen nutzen unterschiedliche Eingänge. Außerhalb tragen die Erzieherinnen Maske, sobald sie ihre Gruppenräume verlassen. Im direkten Kontakt mit den Kindern sieht das anders aus. „Gerade bei den Krippenkindern geht ganz viel über Mimik“, erläutert Helga Hespe.

Alois Bojer, Rechnungsführer der St.-Marien-Gemeinde Friesoythe sagt: „Ich muss den Mitarbeiterinnen die Entscheidung überlassen, wie sie damit umgehen. Wir können nur sagen, dass sie auf sich aufpassen müssen“, sagt Bojer.

Er sieht die aktuelle Situation kritisch: Eigentlich seien die Kitas geschlossen. „Wir haben aber eine Notbetreuung mit maximal 50 Prozent der Kinder. Das ist ein Widerspruch in sich. Aber die Eltern sind auf die Betreuung angewiesen.“

„Erzieherinnen sind in besonderem Maße herausgefordert“, sagt Pfarrer Ludger Becker, von St. Ansgar Barßel. „Ich würde mir wünschen, dass die Politik die Schließung der Kindergärten angeht. Ich kann die Sorgen unserer Erzieherinnen verstehen.“

Kita-Leiterin Margret Gelhaus wünscht sich mehr Schutz für die Erzieherinnen. Etwa durch Schnelltests, denn die Gefahr, sich bei symptomfreien Kindern anzustecken bleibt: „Wir sind noch nie getestet worden. Wir haben auch ältere Angehörige zuhause“, sagt Gelhaus. Ähnlich ihr Blick auf die Impfreihenfolge: „Ich hätte mir für meine Kolleginnen gewünscht, dass sie schneller dran kommen.“ Sie selbst wird bald 60 und springt damit eine Impfgruppe nach vorne.

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland