Friesoythe - Sie blätterten sich durch zig Alben und schauten Hunderte Fotos an. Stefan Kühling und Walter Beckmann tauchten ein in das Leben von Hermann Stuke, das er in Bildern hinterlassen hat. Eine spannende Zeitreise mit privaten Aufnahmen, aber vor allem mit Motiven rund um seine Heimatstadt Friesoythe. Der 2011 im Alter von 86 Jahren verstorbene Malermeister war bei Festen und Veranstaltungen stets mit seiner Kamera unterwegs und verfügte über einen reichhaltigen Fundus, der unversehrt in seinem Haus an der Lange Straße lagerte. Die beiden Vorstandsmitglieder des Friesoyther Heimatvereins, die das Material mit dem Einverständnis des neuen Eigentümers sichteten, hofften jedoch darauf, zwischen „den vielen Schätzen“ noch etwas ganz Bestimmtes zu finden: Den Film anlässlich des 650-jährigen Bestehens der Stadt Friesoythe, der seit fast 70 Jahren als verschollen galt.
Fund in der Wäschewanne
Als sie schon kaum noch damit rechneten, fiel ihr Blick auf eine Wäschewanne in der eine Kameratasche lag. Darunter entdeckten sie vier Filmdosen. Sollte er das tatsächlich sein? „Das war schon ein aufregender Moment“, gesteht Beckmann (auch Leiter des Stadtarchivs) als sie die grauen Kunststoffbehälter öffneten und den ersten Super-8-Schmalfilm heraus- und im wahrsten Sinne unter die Lupe nahmen. „Erinnern Sie sich?“, lasen sie zu ihrer besonderen Freude als Titel. Und danach: „Im Jahre 1955 ließ der Männergesangverein Friesoythe von 1880 über die Einwohner und über das Leben in unserer Stadt einen Heimatfilm drehen…“ Er ist also wieder da, mittlerweile von einer Kölner Firma digitalisiert worden und soll nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
1955 und zum Jubiläum 1958 war ein Team des Deutschen Heimatfilm-Dienst aus Hamburg im Auftrag nach Friesoythe gereist, um zu drehen. Entstanden ist ein rund zweistündiges Werk ohne Ton. „Da die Bilder für sich sprechen, vermisst man den aber eigentlich nicht“, betonte Kühling, der zur privaten Filmpremiere neben Beckmann auch Ehrenbürger und Heimatexperten Ferdinand Cloppenburg einlud. Der 92-Jährige kann sich noch daran erinnern, den Film damals gesehen zu haben, kommentierte nun ebenso wie Walter Beckmann das Geschehen auf dem Bildschirm und kannte viele Personen.
Viele Generationen festgehalten
Unzählige Einwohner aller Generationen hielt die Kamera fest. Das Filmteam besuchte Kindergärten, Schulen und Hochzeiten, stellte zahlreiche bekannte Geschäfte und Betriebe vor. Darunter Traditionshäuser wie Schepers, Thien, Gamers, Wulfers, Roter, Jannink, Kuhlmann, Haßkamp, Hanneken, Warnken oder Stuke. Die Zuschauer erleben außerdem die Arbeit in der alten Molkerei, einen Feuerwehr-Einsatz, Tierschau mit Wettmelken, Springreiter des Reit- und Fahrvereins und ein Fußballspiel, bei dem die Elf von Hansa Friesoythe in Blau-Weiß spielte.
„Ah, liebe Seele“, amüsierte sich Cloppenburg, als er den Polizisten Kuprat auf dem Fahrrad fahren sieht, der alle Sünder zunächst einmal mit „liebe Seele“ angesprochen habe und somit zu seinem Spitznamen gekommen sei. „Hans Nolte und Bürgermeister Gerhard Block“, erkennt Walter Beckmann Kämmerer und Verwaltungschef, die sich im Rathaus besprechen. Derweil steht Heino von Garrel senior (Frischehof) als Junge an der Soeste und angelt, während die Thüler Straße als eine Allee besticht und die Marienkirche noch ohne Turm dasteht.
120 Minuten Film
Herausgeputzt hatte sich die Stadt zum Jubiläum, das mit einem kreativ gestalteten Umzug, vielen kostümierten Teilnehmern und aufwändig gebauten Festwagen verbunden war.
„Das ging schnell“, zeigen sich die drei Heimatforscher überrascht, als sie nach 120 Minuten „Ende“ lesen. „Film ab“ plant der Heimatverein jetzt für die breite Öffentlichkeit. Wann und wo, gilt es noch festzulegen und soll dann über verschiedene Medien mitgeteilt werden. „Lange wird es aber nicht mehr dauern und auf Interesse wird das Werk sicher stoßen“, zeigt sich Kühling überzeugt.
