Cloppenburg - In Zeiten von immer weniger, dafür aber umso heftigeren Regenfällen fordert der Cloppenburger Bernd Tabeling eine bessere Speicherung und Nutzung von Regenwasser auch in der Stadt Cloppenburg. Unsere Redaktion hat sich auf eine Radtour durch die Kreisstadt mit dem Leiter der 2022 gegründeten Sparte „Umwelt-Boden-Wasser“ gemacht – diese ist Teil des Cloppenburger Heimatvereins. Nachdem der 81-Jährige uns zum Auftakt am Bahnhof Bäume gezeigt hat, bei denen kaum Wasser ankommt, geht es nun zur neu gestalteten Allee des Clemens-August-Gymnasiums an der Bahnhofstraße 53.
Kooperation
Für Tabeling ist die Anlage ein gelungenes Beispiel dafür, wie künftig in der Stadt mit wertvollen Niederschlägen umgegangen werden muss. Mit seiner Hilfe haben der Landkreis Cloppenburg als Schulträger und der Science-Shop der Universität Vechta (der im benachbarten alten Finanzamt untergebracht ist) in einer Kooperation für eine gelungene Bewässerung der Anpflanzungen gesorgt. Unter anderem wird das auf den Dachflächen des Alten Finanzamts gesammelte Regenwasser über die Fallrohre direkt an die neu gepflanzten Bäume geführt – hier sorgen entsprechende Anlagen für eine langsame Verrieselung.
Ein modernes Regenwassermanagement im ganz großes Stil – so Tabeling weiter – gebe es unter dem neuen Lidl-Zentrallager in Emstekerfeld. Auf dem Weg dorthin steigen wir noch zweimal ab und zwar an der Museumstraße und am Jammertal. Hier seien – so der Fischwirtschaftsmeister im Ruhestand – bereits vor vielen Jahrzehnten beim Straßenbau die feien Kapillarwurzeln des alten Baumbestandes so nachhaltig geschädigt worden, das auch dieser inzwischen keinen gesunden Eindruck mehr mache. Besonders bei den zunehmenden Sommerstürmen würden immer häufiger nicht mehr ganz so vitale Äste abbrechen und auf die parkenden Autos fallen.
Zehntausende Quadratmeter sind auf den Flächen von Gewerbebetrieben und Speditionen an der Boschstraße versiegelt. Zum Leidwesen Tabelings ohne unterirdische Wasserspeicher oder Bäume dazwischen.
Carsten Mensing
Zehntausende Quadratmeter sind auf den Flächen von Gewerbebetrieben und Speditionen an der Boschstraße versiegelt. Zum Leidwesen Tabelings ohne unterirdische Wasserspeicher oder Bäume dazwischen.
Carsten Mensing
Unter dem Gebäude und dem Parkplatz des vor sechs Jahren eröffneten neuen Lidl-Zentrallager befindet sich ein riesiger unterirdischer Wasserspeicher.
Carsten Mensing
Das Regenrückhaltebecken neben dem Lidl-Zentrallager am Brookweg 90
Carsten Mensing
Den ehemaligen Hof Hackmann am Brookweg – hinter dem neuen Lidl-Zentrallager gelegen – hat nach Angaben Tabelings die Stadt Cloppenburg gekauft, um hier weitere Gewerbeflächen vorhalten zu können.
Carsten Mensing
Die Ackerflächen im Bereich Brookweg an der Grenze zur Gemeinde Emstek seien einmal die nassesten Flächen Cloppenburgs gewesen, so Tabeling.
Carsten Mensing
Unter dem alten Lidl-Zentrallager - jetzt Amazon - gibt es keinen modernen Wasserspeicher.
Carsten MensingTraurig machen Tabeling auf dem Weg zu Lidl auch die großflächig versiegelten Flächen von Gewerbebetrieben/Speditionen an der Boschstraße. Hier hätte die Stadt viel häufiger steuernd eingreifen müssen, meint er. Von Zehntausenden Quadratmetern Pflasterfläche, auf denen kein einziger Baum stehe, würde das Regenwasser völlig ungenutzt in die unterirdischen Kanäle rauschen.
Mais profitiert
Wie es besser gehe, zeige das vor sechs Jahren neu gebaute Lidl-Zentrallager am Brookweg 90. Dort – so Tabeling – habe der Discount-Riese auf einer Grundstücksfläche von 13,7 Hektar einen unterirdischen Wasserspeicher mittels so genannter Rigolen erbaut. Ein Beispiel: Bei einem angenommenen Starkregen mit einer Niederschlagsmenge 20 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde kämen auf der gesamten Fläche inklusive des fünf Hektar großen Dachs rund 2,7 Millionen Liter Wasser zusammen. Und dieses könne anschließend mit Hilfe des Speichers kontrolliert an die Umgebung abgegeben werden. Tabeling zeigt auf den saftig-grünen Mais auf der anderen Straßenseite: „Der profitiert davon.“
Mit einem unterirdischen Wasserspeicher arbeite im Übrigen auch der Lidl-Konkurrent Aldi unter seinem kürzlich eröffneten Neubau an der Anemonenstraße 2. Und auch der noch relativ neue Soestepolder hinter dem Carré Cloppenburg und die Renaturierung der Piske auf dem Pieper-Gelände seien positive Beispiele. „Die Verwaltung und der Bauhof haben hier viel geleistet“, lobt Tabeling.
Kritik der Stadt übt er aber auch: Großflächige Versiegelungen an der Soeste durch den Bau des Carrés sowie durch ein geplantes, neues Gewerbegebiet am Brookweg auf nassen Ackerböden seien Katastrophen für den Wasserhaushalt in Cloppenburg. Das gleiche gelte auch für das Amazon-Verteilzentrum (früher Lidl) am Brookweg 55. Auch hier gebe es keinen modernen Wasserspeicher unter dem Gebäude. Das Regenwasser werde – kontaminiert unter anderem durch den Reifen-Abrieb der zahlreichen Boten-Fahrzeuge – in die Kanalisation gespült. Oder in ein benachbartes Regenrückhaltebecken – laut Tabeling inzwischen eine Kloake. Eine Floraentwicklung sei hier nicht möglich, eben ein totes Gewässer ohne Leben. „Wir müssen begreifen, dass wir die Folgen dieses Handelns in Form von Starkregen und sporadischen Stürmen wieder zu spüren bekommen.“
