Bösel - Viele Jahre gab es in Osterloh nur eine Gastwirtschaft, die „Alte Wache“. Es war nämlich früher so geregelt, dass eine Konzession nur ausgegeben wurde, wenn eine Bedürftigkeit und ein genügender Abstand zur nächsten Gaststätte vorlagen. Diese Regel musste Johannes Hempen hinnehmen, als er am 14. Dezember 1932 den Antrag auf eine Wirtschaftskonzession stellte. Mit einem Schreiben vom 10. Januar 1933 vom Amt Friesoythe wurde eine Ablehnung mit der Begründung ausgesprochen, „dass ein Bedürfnis nach einer weiteren Wirtschaft nicht vorliegt“. Der Abstand zur Wirtschaft von „Wachgerd“ betrug nämlich nur gute hundert Meter.
Somit musste das Ehepaar Johannes und Henriette Hempen das 1922 gegründete Kolonialwarengeschäft an der Garreler Straße ohne Schankerlaubnis weiterführen. Johannes Hempen, Jahrgang 1895, erlernte zunächst das Schuhmacherhandwerk. Der Beiname „Hempen-Schauster“ resultiert aus dieser Tätigkeit. Neben dieser Arbeit hatte sich das junge Ehepaar entschlossen, ein Geschäft mit Waren des täglichen Bedarfs zu eröffnen. Hieraus bestritt das Ehepaar seine Einkünfte. Außerdem sorgte sich Johannes Hempen um den landwirtschaftlichen Betrieb. Ehefrau Henriette kümmerte sich um das Geschäft und um die Erziehung der acht Kinder. Sie galt als eine sehr fürsorgliche Frau, die sich für ihre Familie aufopferte. Es waren für die Eheleute Hempen schwere Zeiten, denn ein Sohn starb im Lazarett kurz nach dem Krieg, ein weiterer Sohn starb im Alter von 14 Jahren, außerdem brannte Mitte der 1940er Jahre ihr Haus ab.
Nächste Generation
Das Jahr 1955 war dann aber ein gutes Jahr, denn die Gemeinde Bösel hatte seinen erneuten Antrag auf Erteilung einer Wirtschaftskonzession genehmigt. Die notwendigen Umbauarbeiten waren schnell erledigt und Osterloh verfügte über eine zweite Gaststätte, die von der Bevölkerung gut angenommen wurde. Mittlerweile war die damals noch ledige Tochter Erna 1954 in das Geschäft eingestiegen. Im Jahr 1961 heiratete sie Joseph Höffmann, gut bekannt unter dem Namen „Spät-Job“. Der Beiname ergibt sich aus der Lage des Elternhauses, es lag nämlich in Osterloh in den „Späten“. Er stieg 1961 als Kaufmann und Wirt in das Geschäftsleben ein.
Mit zunehmendem Wohlstand in der Gesellschaft ging auch ein höherer Getränkekonsum einher. Joseph Höffmann erkannte das und gründete 1974 den „Getränkevertrieb Höffmann“. Man konnte jetzt nicht nur Bier und Erfrischungsgetränke dort abholen, sondern er lieferte mit einem VW-Bus auch kistenweise Getränke aus. In der Gastwirtschaft war derweil immer etwas los: Arbeiter aus dem Moor genossen ein Feierabendbier, Osterloher Männer trafen sich zum Kartenspiel, Fahrradfahrer kehrten zum Verschnaufen ein, Kirchgänger hielten ihren Frühschoppen ab oder die Petri-Jünger tischten hier ihre Fangerlebnisse auf.
Saalbetrieb
Nach dem Tod von Johannes Hempen im Jahr 1969 und seiner Ehefrau Henriette 1975 mussten der Lebensmittelladen, die Gastwirtschaft und der Getränkevertrieb von dem jungen Ehepaar allein bewältigt werden. Sie bauten ein vorhandenes Gebäude zu einem Saal aus. Dieser wurde vielfach für Familien- und Vereinsfeiern genutzt. Der Musikverein nutzte den Saal häufig als Übungsraum und die Freizeitkicker von „Feucht-Froh-Osterloh“ kehrten nach jedem Spiel ein und genossen das frisch gezapfte Germania-Pils. Für die 4. Kompanie des Bürgerschützenvereins Bösels war die Gaststätte Hempen-Höffmann auch das Vereinslokal. Als leidenschaftlicher Waidmann stellte der Wirt seine Räumlichkeiten den Jägern gern zur Verfügung. Die Jagdhornbläser, zu deren Gründungsmitgliedern „Job“ gehörte, trafen sich hier regelmäßig zu den Übungsstunden, ebenso tagten die Jagdgenossen vom Bezirk 4 (Neuland).
Im Jahr 1999 wurde der Saalbetrieb eingestellt und zu Wohnräumen umgebaut. Dies war bereits mit dem Lebensmittelladen der Union-Kette, der 1988 aufgegeben wurde, auch geschehen. Mit dem Erreichen des Rentenalters zog sich das Ehepaar allmählich aus dem gastronomischen Gewerbe zurück. Beide verstarben im Herbst 2016 nach kurzer Krankheit.
