Glaßdorf - Wo in Bösel die Thüler Straße in die Glaßdorfer Straße übergeht, lag an der linken Seite Jahrzehnte lang die Gaststätte Ronnebaum. Sie wurde erbaut von den Schwestern Anna und Maria Ronnebaum. Ursprünglich kommt die Familie aus Osterfeine im Landkreis Vechta. Ihr Vater Bernhard Ronnebaum übernahm aber im Jahr 1926 als Siedler das Kolonat 25 in Glaßdorf. Von diesem Kolonat wurde den beiden Töchtern ein Grundstück in der Größe von einem Hektar zugewiesen, auf dem sie 1952 ein Wohnhaus mit einer Schankstube und kleinen Stallungen errichteten. Zusätzlich betrieben sie in der Zeit von 1955 bis 1970 eine Tankstelle der Marke „Stinnes Fanal“. Anna kümmerte sich vornehmlich um das Lokal, Maria kümmerte sich um die Eltern sowie den gemeinsamen Hof mit ein paar Schweinen und Hühnern und einem großen Gemüsegarten.
Kontakt zur Außenwelt
Bei der Gaststätte, die im Dorf zunächst „Geschwister Ronnebaum“ und später „Gaststätte Ronnebaum“ genannt wurde, handelte es sich um eine sogenannte Tagesgaststätte, die durchgängig geöffnet war. Liegt die Bauerschaft Glaßdorf auch ein wenig abseits vom Ortskern, so sorgte die Wirtin schon früh für eine gute Verbindung zur „Außenwelt“, indem sie ein Fernsehgerät in der Gastwirtschaft aufstellte. So konnten sich die Gäste auch am Abend in der Gaststube über die Neuigkeiten in der Welt informieren oder ein Fußballspiel der Nationalmannschaft verfolgen.
Die Gastwirtschaft Ronnebaum in den 1960er-Jahren. Foto: Archiv Hans Werner
Im Jahr 1984 war die Gastwirtschaft Wiegestätte des „Bezirks Glaßdorf“ im Böseler Heimatverein. Gern erinnern sich die ehemaligen Fußballkicker von „Torpedo Glaßdorf“ an ihre Spielanalysen an der Theke. Ende der 1990er-Jahre entstand aus einer Damenrunde der monatliche Treff mit dem Namen „Der heiße Draht“. Ebenso hielten die Waidmänner des Jagdbezirks 5 Glaßdorf ihre jährlichen Versammlungen hier ab. Selbst aus dem benachbarten Garrel kamen die Mitglieder des Hundevereins, um sich in dieser urigen Kneipe auszutauschen. Als Kompanielokal der 6. Kompanie Glaßdorf fanden nicht nur die Versammlungen hier statt, sondern auch die Frühschoppen am Schützenfestmontag. Ein besonderes Stelldichein gaben sich einige Glaßdorfer Männer am Donnerstag. Dann war der sogenannte „Tabakabend“.
Gaststube erweitert
Anna Ronnebaum führte die Gastwirtschaft bis ins hohe Alter, erhielt aber Hilfe durch die Familie ihres Neffen Heinrich, der das Anwesen später erbte und die Gaststätte weiterführte. Beide Geschwister verstarben im November des Jahres 1997 im Abstand von drei Wochen. Nach dem Tod der „Tanten“ – wie sie liebevoll hießen – wurde das Haus umgebaut und die Gaststube auch erweitert und verschönert. Heinrich erhielt bei der Führung des Lokals viel Unterstützung durch seine Ehefrau Hildegard, da er tagsüber noch seinem regulären Beruf nachging. Das Wirtshaus erhielt weiteren Zulauf, denn immer mehr Familienfeiern und Zusammenkünfte wurden hier abgehalten. Für die ältere Generation Glaßdorfs fand auch der Seniorenkaffee hier statt. Einen besonderen Höhepunkt gab es jeweils am Gründonnerstag, wenn die Männer des Kegelclubs der “Böseler Sieben“ sich hier zum legendären Heringsessen versammelten.
Nachdem feststand, dass sich für die Nachfolge niemand fand, entschloss sich das Ehepaar im Jahr 2011, die Gastwirtschaft aufzugeben und verabschiedete sich mit einem großzügigen Umtrunk für seine Stammgäste und Freunde aus der Reihe der Böseler Wirtshäuser.
