Kreis Cloppenburg/Berlin - Angesichts hoher Infektionszahlen wollen Bund und Länder die Corona-Regeln vor allem für Ungeimpfte deutlich verschärfen. Wer weder vollständig geimpft noch nach einer Covid-19-Erkrankung genesen ist, hat künftig bundesweit und unabhängig von den Fallzahlen keinen Zugang mehr zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen, wie die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Berlin nach Beratungen mit ihrem designierten Nachfolger Olaf Scholz (SPD) und den Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder sagte. Die 2G-Regel gilt ihren Worten zufolge dann auch im Einzelhandel, ausgenommen sei der tägliche Bedarf.
Entscheidung „Katastrophe“
Für die Kaufmannschaft im stationären Handel sei die Entscheidung eine Katastrophe, kommentierte der Geschäftsführer des Cloppenburg Marketings (CM) Hubert Kulgemeyer die Entscheidung aus Berlin. Nur weil sie keine Weihnachtsgeschenke mehr vor Ort kaufen könnten, würden sich Ungeimpfte nicht gleich impfen lassen, sondern eher auf den Online-Handel ausweichen. Zudem sei es vor dem Hintergrund der Personalknappheit vor allem für größere Geschäfte problematisch, extra einen Mitarbeiter am Eingang zwecks Kontrolle zu platzieren.
„Die Restriktionen kommen zu spät. Wir hätten den Druck auf Ungeimpfte früher erhöhen müssen“, findet hingegen Claus Frye-Büssing, 1. Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins und Chef zweier Läden in Emstek. Wenn man schon im Oktober mehr Leute mit der 2G-Regel zum Impfen bekommen hätte, wäre die Situation jetzt mit den hohen Zahlen vermeidbar gewesen, so der Emsteker.
Online Handel stärker
Der Einzelhandel könne mit 2G „klarkommen“. Er ist froh, dass es nicht die schärfere 2G-plus-Regel geworden ist. „Das wäre de facto ein Lockdown.“ Aber auch ohne die neue Corona-Regeln seien in den vergangenen zehn Tagen weniger Kunden in die beiden Läden gekommen. „Die Kunden sind vorsichtig, die Frequenz geht runter. Das bewirkt schon die Diskussion um solche Regeln“, sagt Frye-Büssing. Verstärkte Zugriffe stellt er auf seine Online-Shops fest. „Ein entspannter Weihnachtsbummel findet so nicht statt.“
Zwei Herzen schlagen in der Brust von Michael Niemeyer, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Barßel. Einerseits finde er es gut, dass der Druck auf Ungeimpfte erhöht werde. Andererseits geht auch er davon aus, dass 2G den Einzelhandel schwächen und den Onlinehandel stärken werde. „Wir können nur an die Leute appellieren, in den lokalen Läden zu kaufen“, sagt Niemeyer. Diese könnten mit Kundenservice punkten.


