Kreis Cloppenburg/Vechta - In etwa eineinhalb Wochen geht im Kreißsaal des Friesoyther St.-Marien-Hospitals das letzte Mal das Licht aus. Dann wird die Geburtsstation geschlossen. Mitte September wurde die Entscheidung bekanntgegeben. Die Gründe sind unter anderem fehlendes Fachpersonal sowie erschöpfende Dienste. Welche Folgen hat die Schließung auf die Krankenhäuser in Cloppenburg und Vechta? Wir haben nachgefragt.
Gibt es viele Anfragen von Schwangeren in anderen Krankenhäusern ?
Nur vereinzelte Anfragen von werdenden Müttern an die Geburtsstation im Cloppenburger Krankenhaus hat es nach Aussagen von Ulrich Pelster, Vorstand der Schwester-Euthymia-Stiftung (Träger der Krankenhäuser Lohne, Vechta, Damme und Cloppenburg) gegeben. Er kann beruhigen: „Im Krankenhaus Cloppenburg sind Kapazitäten vorhanden, weitere Geburten zu versorgen. Wir sehen unsere Verantwortung als zukünftig einzige geburtshilfliche Abteilung im Landkreis selbstverständlich auch für Schwangere aus dem Großraum oder dem Einzugsgebiet Friesoythe.“
Nur hin und wieder melden sich werdende Mütter aktuell bei der Schwangerschaftsberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen Cloppenburg (SkF) aufgrund der Schließung, erklärt Martina Janhsen. „Es ist auch sonst mal Thema in den Beratungen, gerade hier im ländlichen Raum, ob die Frauen die Klinik rechtzeitig erreichen, ob der Partner pünktlich da sein kann, ob ein Rettungswagen immer verfügbar ist“, sagt die Beraterin. Die große Sorge der Frauen, wo sie unterkommen, spürt der SkF im Landkreis Cloppenburg aber nicht.
Welche Herausforderungen gibt es ?
Insgesamt sei festzustellen, dass bundesweit eine Geburtsklinik nach der anderen aufgebe oder aufgegeben werden müsse, sagt Vorstand Pelster. Außerdem gebe es kaum ein Landkrankenhaus in Deutschland, das nicht in irgendeiner Form vom Fachkräftemangel betroffen sei.
Die Schwester-Euthymia- Stiftung kooperiere mit der Hochschule Osnabrück in der Ausbildung von Hebammen. Auch an der Bekämpfung des Ärztemangels arbeiten die drei Krankenhäuser nach eigenen Angaben mit einem Projekt, das kurz vor der Umsetzung stehe.
„Eine weitere Herausforderung im Bereich der Geburtshilfe ist die geringe Vergütung der Leistungen. Auch diesem Punkt müssen wir uns stellen“, sagt Pelster. Es sei schon bemerkenswert, dass eine Entbindung so niedrig vergütet werde, dass Geburtskliniken in sehr vielen Krankenhäusern defizitär seien. Ein weiteres Problem seien die Prämien für Haftpflichtversicherungen der Hebammen.
Die Bemühungen um Personal für die Geburtsstation in Friesoythe hat auch Martina Janhsen am Rande mitbekommen. „Die Frauen verlieren etwas Vertrautes“, sagt Janhsen zur Schließung. Denn Schwangere würden sich vorher über den Kreißsaal informieren, kennten ihn vielleicht von vorherigen Geburten. Sie würden sich dort aufgehoben und sicher fühlen, kennten vielleicht die Hebammen, Mediziner und Ärztinnen. Auf der anderen Seite sieht Janhsen die hohe Belastung des Personals. „Wenn Ärztinnen und Ärzte ständig in Bereitschaft zu ihren sonstigen Diensten sind, kann das keine gute Situation für die Schwangeren sein.“
Ist die Versorgung in den beiden Landkreisen gesichert ?
Im Landkreis Vechta sei die Versorgung mit drei Geburtskliniken und einer Neonatologie ausgezeichnet, erklärt Pelster. Im Landkreis versorge das St.-Josefs-Hospital „sehr gut“. Ob sich für die medizinische Versorgung von Schwangeren Probleme ergeben würden, prüft die Schwester-Euthymia- Stiftung gerade. Ein Kriterium ist die maximale Anfahrtszeit von 40 Minuten. „Ohne Friesoythe könnte diese Maßgabe nicht mehr für alle Schwangeren erfüllbar sein. Das berechnen wir derzeit“, so der Stiftungs-Vorstand.
