Neuscharrel/Gehlenberg - Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Ortsgruppe Friesoythe, appelliert noch mal an den Landkreis Cloppenburg, die bis zu 100 Jahre alte Baumallee an der Kreisstraße 147 zwischen Neuscharrel und Gehlenberg zu erhalten. „Die 153 Bäume müssen unbedingt erhalten bleiben“, verlangt Nabu-Vorsitzender Konrad Thoben in einer Mitteilung. Die zu einem großen Teil aus Eichen bestehende Allee habe nicht nur einen stark ortsbildprägenden Charakter, sondern sei darüber hinaus für die Natur und Umwelt in der Region von großer Bedeutung.
„Keine Argumente“
Der Landkreis Cloppenburg will noch in diesem Februar die Bäume fällen lassen. Sie stünden einer vorgesehenen Verbreiterung der Straße und eines neben der Fahrbahn verlaufenden Radweges im Wege, begründet die Kreisverwaltung die geplante Beseitigung der Bäume. Der Landkreis will die Straße auf einer Länge von knapp drei Kilometern mit einem Kostenaufwand von mehr als zwei Millionen Euro verbreitern. Der Kreis begründe die Notwendigkeit mit einem gestiegenen Verkehrsaufkommen und einer notwendigen Verbesserung der Verkehrssicherheit. Anfragen der Nabu-Ortsgruppe Friesoythe nach den konkreten Ergebnissen von Verkehrszählungen ließen die zuständigen Behörden unbeantwortet, ärgert sich der Naturschutzverein. „Nach unserem Wissen handelt es sich bei dem Straßenabschnitt nicht um eine Strecke mit einem erhöhten Unfallaufkommen. Das Argument einer zu verbessernden Verkehrssicherheit zieht also nicht“, sagte der stellvertretende Nabu-Vorsitzende Norbert Rehring.
„Raubbau an Natur“
Die Nabu-Ortsgruppe appelliert auch an die rot-grüne Niedersächsische Landesregierung in Hannover, diesen ihrer Meinung nach „unsinnigen Straßenausbau“ nicht mit einem Millionen-Betrag zu fördern. Das Land will rund 1,3 Millionen Euro der mit 2,2 Millionen Euro veranschlagten Kosten übernehmen. Für den Ausbau des Radweges an der Strecke erhält der Landkreis Cloppenburg vom Land weitere 512 000 Euro der Kosten von 683 000 Euro. Die Gelder stammen wie berichtet überwiegend aus Mitteln des Niedersächsischen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (NGFVG) für den kommunalen Straßenbau. „Die Landesregierung und ihr Verkehrsminister Olaf Lies leisten damit einen Beitrag zum Raubbau an Natur und Landschaft“, heißt es in der Mitteilung. Die Nabu-Ortsgruppe hat sich nach eigenen Angaben deshalb an den Niedersächsischen Bund der Steuerzahler gewandt. Er bittet um eine Überprüfung der geplanten Landesausgaben vor dem Hintergrund einer möglichen Verschwendung von Steuergeldern.
Ärger über „Ignoranz“
Verärgert ist die Nabu-Ortsgruppe Friesoythe über die Reaktion des Landkreises Cloppenburg auf eine Petition zum Erhalt der Straßenbäume. 800 Bürger hätten in den letzten Wochen diese Petition unterschrieben, die der Nabu kürzlich an die Kreisverwaltung übergeben habe. Dabei habe der Vertreter des Landkreises lediglich darauf hingewiesen, dass der Landkreis Cloppenburg unverändert an seinen Planungen zum Ausbau der Kreisstraße und zur Fällung der Bäume festhalte. „Wir haben eine solche Ignoranz gegenüber unserem berechtigten Anliegen nicht erwartet“, heißt es abschließend in der Stellungnahme des Nabu.
