Landkreis Cloppenburg - Waren beim ersten Lockdown im März 2020 noch viele Familien froh darüber, mehr Zeit füreinander zu haben, wachsen die Unsicherheiten und Nöte vor allem jünger Mütter im zweiten Lockdown. Das beobachten die Mitarbeiterinnen des Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Cloppenburg vor allem im Bezug auf die Schwangerschaftsberatung und das Angebot der Babylotsen.
„Die Probleme kommen näher, die Kinder sind viel Zuhause, soziale Kontakte werden eingeschränkt. Auch die finanziellen Nöte werden größer, viele Mini-Jobs in den Familien fallen weg. Und die Kinder werden unzufrieden, da müssen die Eltern präsent sein“, erläutert Martina Janhsen, die in der Schwangerschaftsberatung und bei den Babylotsen arbeitet. Deswegen freue es viele Schwangere, dass der SkF weiterhin telefonisch und auch online berät, so die Erfahrung von Janhsen.
Das Beratungsaufkommen im Lockdown ist nicht höher, stellt Ines Luthmann vom Familienhebammendienst des SkF fest. Aber: „Gerade für Erstgebärende ist die Situation aktuell schwierig“, findet die Hebamme. Das Reinschlüpfen in die Mama-Rolle, die Herausforderungen mit dem Baby, die emotionale Ausnahmesituation – all dies geschehe im Lockdown mit seinen Kontaktbeschränkungen. „Der begrenzte Austausch ist schon belastend. Wir versuchen die Frauen dort aufzufangen, wo es geht. Bei uns können sie Hilfe, Antworten und Rat bekommen“, so Luthmann.
„Der Kontakt zu anderen Müttern und Frauen fehlt vielen“, beobachtet Andrea Thiering-Moormann in der Beratung. Eine ihrer Klientinnen ist gerade neu nach Cloppenburg gezogen, erwartet ihr erstes Kind. Sie lernt niemanden kennen, es fehlt an Austausch. „Viele Frauen sind angespannt und froh über die telefonische Beratung. Wir sind gut erreichbar und können uns beispielsweise auch bei Behördengängen dazwischen klinken.“
Denn so manche Notlage kann sich aktuell verschlimmern. „Eine zusätzliche Belastung ist, dass die Behörden aktuell zum Großteil nicht für Publikumsverkehr geöffnet sind. So wird es mit dem Einreichen von Anträgen schwieriger und da können Notlagen entstehen, wenn das mit den Anträgen nicht geregelt ist“, so Luthmann.
Vermehrt Nachfragen zum Kindergeld, zum Elterngeld oder auch rund um das Thema Fehlgeburt bekommt auch die Sozialpädagogin Janhsen. „Der Zugang zu Ärzten und Behörden ist aktuell schwer. Viele Schwangere würden sich ein persönliches Gespräch wünschen.“
Zwischenzeitlich konnten die Mitarbeiterinnen des SkF direkte Beratungen anbieten, mittlerweile muss wieder auf die digitalen Möglichkeiten oder das Telefonieren zurückgegriffen werden. „Es bleibt schon einiges auf der Strecke, wenn man Mimik und Gestik in Telefongesprächen nicht sieht“, findet Martina Janhsen. „Das direkte Miteinander ist schon wichtig, gerade in der helfenden Arbeit. Da geht es auch darum, die Feinzeichen der Babys zu erkennen. Wenn es Stress hat, ist die Haut beispielsweise marmoriert“, ergänzt Ines Luthmann.
Deswegen gibt es im Mehrgenerationenhaus in Cloppenburg mittwochs eine Sprechstunde. Im Wechsel sitzt dort eine Ansprechpartnerin der Frühen Hilfen oder eine Familienhebamme zwischen 9 und 11 Uhr.
Ein offenes Ohr haben die Mitarbeiterinnen der Schwangerschaftsberatung auch bei finanziellen Notlagen. Der SkF gibt Gutscheine für Lebensmittelmärkte oder Drogerien aus, kann Hilfen zu Baby-Kleidung, Erstausstattung oder zu nötigen Renovierungen vermitteln. In den SkF-Läden können kleine Päckchen mit Kleidung geschnürt werden, so Thiering-Moormann. Dank der verschiedenen Hilfsangebote bleibt so keine Schwangere und keine junge Familie auf der Strecke.
