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Zahlen und Aussagen im Kreis Cloppenburg Wahlplakate – zielführend oder überflüssig?

Über 7500 Wahlplakate haben die größeren Parteien im Landkreis Cloppenburg aufhängen lassen.

Über 7500 Wahlplakate haben die größeren Parteien im Landkreis Cloppenburg aufhängen lassen.

Landkreis Cloppenburg - Wohin man aktuell auf den Straßen im Landkreis Cloppenburg schaut – ein Wahlplakat sieht der Beobachter immer. Wir haben die etablierten Parteien im Kreis deswegen mal gefragt, wie viel Plakatwerbung sie in diesem Jahr für die Kommunal- und die Bundestagswahl aufgehängt haben. Außerdem wollten wir wissen, wie wichtig für die Politiker diese Art der Werbung ist und ob sie sie noch als zielführend erachten. Würden sie auf Plakate verzichten wollen? Und ein Thema – was auch auf den Straßen zu beobachten ist – ist der Vandalismus an der Wahlwerbung. Auch dazu haben wir die Parteien gefragt.

Die Grünen

„Wir wissen aus der Forschung, dass Plakate im Schnitt nur zwei Sekunden angesehen werden. Wir beschränken uns daher thematisch auf starke Bildmotive aus der Bundestagswahlkampagne und eine kurze inhaltliche Aussage zu unseren Kernthemen“, sagt Stephan Christ, Kreisvorsitzender der Grünen. Nur für die Bundestagskandidatin habe man deswegen Kopfplakate aufgehängt. Der Großteil des Grünen-Angebots sind Laternen-Plakate, die in diesem Jahr so häufig ersetzt werden mussten, wie bisher noch nie. Die Partei stellt eine „zuvor nicht bekannte Zerstörungswut“ bei ihren Plakaten fest, sagt Grünen-Geschäftsführer Michael Jäger: „Das ist kein Kavaliersdelikt mehr, uns ist erheblicher Sachschaden entstanden. Wir haben in mehreren Fällen Anzeige erstattet und werden das auch künftig tun.“ Laut Christ beträgt die Reserve etwa 20 Prozent. Man habe Plakate aus Pappe, statt aus Kunststoff verwendet, so Christ. In diesem Jahr werde ein besonderer Fokus auf die sozialen Medien gelegt. Denn in manchen Teilen werde die Materialschlacht an Plakaten ins „Absurde“ geführt. „Wir Grüne können uns künftige Absprachen unter den Parteien und Gruppierungen mit dem Ziel einer sparsamen und angemessenen Wahlwerbung vorstellen“, so Christ.

Die SPD

In der Gemeinde Garrel hängen 286 SPD-Plakate: Das sind die meisten im kreisweiten sozialdemokratischen Vergleich. Davon sind 216 für die Kommunalwahl, berichtet Detlef Kolde, SPD-Kreisvorsitzender. In Friesoythe beispielsweise wird nach der Kommunalwahl erneut für die Wahl am 26. September plakatiert. Gerade in Cloppenburg sei zu beobachten, dass viele Plakate beschädigt oder entfernt worden seien. Der SPD-Kreisvorstand hat auf eigene Personen- und Themenplakate angesichts der Flut von Plakaten verzichtet. „Natürlich gehört eine Plakatierung zu Wahlzwecken einfach zum politischen Werben demokratischer Parteien, aber wir dürfen es auch nicht überstrapazieren“, so Kolde weiter. „Sehr erschrocken sind wir auch über die Vielzahl an beschädigten Wahlplakaten und verurteilen diese Taten von Vandalen.“

Die CDU

1518 Bundestagsplakate, 1070 Plakate für die Landratswahl sowie 87 beziehungsweise 33 Bauzaunplakate für die Bundestags- und Landratswahl hat der Kreisverband der CDU geordert. Das Plakatieren in den Gemeinden und Städten werde den Ortsverbänden überlassen, so Kreisgeschäftsführer Bernhard Hackstedt. Deswegen könnten zu Plakaten für die Bürgermeister-, Rats- und Kreistagswahlen keine Aussagen gemacht werden. Außerdem werben die Christdemokraten per Social Media, Homepages, Anzeigen und Flyer. „Ob durch die Plakate eine Wahlentscheidung getroffen wird, mag dahingestellt sein. Die Menschen werden aber immer wieder darauf hingewiesen, dass Wahlen sind“, so Hackstedt. Eine Reduzierung der Plakatwerbung kann nach Angaben der CDU nur parteiübergreifend und gemeinsam entschieden werden.

DIE UWG Cloppenburg

Als Bürgerbündnis Landkreis Cloppenburg (BLC) treten die Unabhängigen im Landkreis zur Kommunalwahl an. Die UWG Cloppenburg hat beispielsweise 450 Kopfplakate – jeweils 30 Plakate von jedem der 15 Bewerber als Großporträts – und 120 Themenplakate anfertigen lassen. Da die Kommunalwahl eine Personenwahl sei, habe man sich für die Kopfplakate mit großem Bild entschieden, teilt Jutta Klaus von der UWG Cloppenburg mit. Falls die Plakate zerstört werden, hat die Partei eine Reserve, die auch schon angezapft werden musste. Man kontrolliere regelmäßig die Standorte. „Für uns ist die Plakatierung die einzige Möglichkeit, neben den etablierten Parteien wahrgenommen zu werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass zeitnah eine Bundestagswahl stattfindet. Insofern glauben wir, dass sich diese Art der Wahlwerbung für uns auf jeden Fall lohnt“, so Klaus.

FDP

Der Großteil der FDP-Plakate – nämlich 550 Themenplakate – steht für die Kommunalwahl zur Verfügung. Die genauen Mengen der Ortsverbände sind kreisweit nicht erfasst. In Lastrup und Löningen gibt es keine Kandidatenplakate, da die dortigen Kandidaten das Geld an die Flutopfer in Westdeutschland spendeten. Wahlwerbung ist aus Sicht von Karsten Boll, Geschäftsführer des FDP-Kreisverbands, nötig, um ins Gespräch zu kommen. „Allerdings können wir uns unter Umständen eine deutliche Reduzierung der Plakate vorstellen, wenn hier alle mitmachen. Beispielsweise durch feste Plakatwände“, sagt Boll. Dort gebe es dann vordefinierte Flächen für jede Partei.

Die Linke

Von den 450 Plakaten der Linken hat etwa die Hälfte einen Bezug zur Kommunalwahl. Die meisten Plakate hängen dort, wo es entsprechende Kandidaten gibt – in Löningen, Lastrup, Cloppenburg, Saterland und Friesoythe. Eine Reserve für zerstörte Plakate im Kreis Cloppenburg gibt es laut Tom Dobrowolski, Kreisvorsitzender der Linke, nicht. „Ungenutzte Plakate widersprechen unserem ökologischen Anspruch. Dieser ist ohnehin zu hinterfragen, was wir auch tun.“Auf die Frage, ob sich diese Art der Werbung für die Partei lohne, sagt Dobrowolski: „Kaum, nach wissenschaftlicher Auswertung macht diese Art der Wahlwerbung maximal ein bis zwei Prozent bei der Wahl aus.“

DIE AFD

20 Prozent der AfD-Plakate haben einen Kommunalwahlbezug, berichtet Iris Hermes vom AfD-Kreisverband Cloppenburg-Vechta. Man habe mit der Plakatierung in den umliegenden Dörfern begonnen, weil die Partei nach eigenen Angaben positive Rückmeldung erhalten habe, dass die AfD so auch Präsenz zeigen könne. Leider seien alle Plakate – bis auf eines – nach kurzer Zeit weg gewesen. „Um vorzeitiger Zerstörung zu entgehen, sind wir dieses Mal etwas später gestartet. Eine kleine Reserve wird noch vorgehalten“, so Hermes. Die Plakatwerbung bezeichnet sie als „wahnsinnigen Kraftakt“ für die Partei, der sich nur bedingt auszahle. „Mit trivialen Wahlparolen wird man den informierten Wähler nur noch schwerlich erreichen“, so Hermes.

Mareike Fangmann
Mareike Fangmann Redaktion Münsterland
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