Landkreis Cloppenburg - „Eigentlich war es verrückt, was wir da vor hatten. 15.000 Impfungen in sieben Tagen mit zwei Tagen Vorlauf“, resümiert Prof. Dr. Joachim Schrader am Donnerstag im Cloppenburger Kreishaus. Gemeint ist das Weihnachtsimpfen, das er gemeinsam mit dem DRK und unter Federführung der Cloppenburger Kreisverwaltung am vergangenen Freitag gestartet hat. Am Ende der Aktion traf man sich, um Bilanz zu ziehen.
Neue Teams aufgebaut
Und die fällt trotz der „verrückten“ Vorzeichen sehr positiv aus, wie Schrader, Landrat Johann Wimberg und DRK-Kreisgeschäftsführer Jan Hoffmann betonen. Über 11.000 Impfdosen wurden bis Donnerstagabend verabreicht. Involviert waren nicht nur die drei Impfstandorte in Bethen, Altenoythe und Löningen sondern auch die mobilen Teams des Landkreises. Außerdem wurden dezentrale Impfmöglichkeiten in den 13 Städten und Gemeinden aufgebaut. „90 Prozent der Leute haben vorher noch nie geimpft. Eine Einarbeitungszeit gab es nicht“, blickt Schrader zurück. Trotzdem hätten die Krankenschwestern, die beispielsweise nach ihrer Schicht im Krankenhaus noch beim Impfen halfen, gewusst, was zu tun sein. „Emotional spannend“ fand Schrader auch das Zusammenfinden der Teams, die sich vorher nicht kannten. „Es hat gut funktioniert“, ist das Fazit nach sieben Tagen der Zusammenarbeit. Alle drei dankten den beteiligten Personen für die enorme Kraftanstrengung, die die Impfaktion zum Erfolg geführt habe.
Dabei sah es zeitweise gar nicht so rosig aus, blickt Wimberg zurück. Nach einem erfolgreichen Auftaktwochenende mit 4700 Impfungen habe es am Montag einen „Einbruch bei der Nachfrage“ gegeben. Das habe sich am Dienstag relativiert, als auch der Impfstoff von Biontech für die Gruppe der unter 30-Jährigen zur Verfügung stand. So konnte schon am Donnerstagmittag gemeldet werden, dass die angepeilte Zielmarke von 10.000 Impfungen erreicht war.
Allerdings sind unter den verabreichten Dosen weniger als zwei Prozent für Erstimpfungen zu verzeichnen, bedauert Wimberg. Schrader betont aber, dass sich die Menge der geboosterten Personen durch diese Aktion um 25 Prozent erhöht habe. 66,17 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner haben eine Erstimpfung, 64,47 sind vollständig immunisiert. Zu wenig, konstatieren alle drei. Landrat Wimberg sprach sich deswegen noch einmal für eine Impfpflicht aus.
Weitere Immunisierung
Eine Lehre aus der Aktion sei, dass es möglich sei, die Strukturen zum Impfen schnell aufzubauen und auch, dass genügend Impfstoff da sei, resümiert Jan Hoffmann. Denn mit Blick auf Omikron und auf weitere an Varianten angepasste Impfstoffe würden die Experten in Cloppenburg schon eine vierte Impfdosis ins Visier nehmen. Diese sollte laut Schrader idealerweise bis zum Sommer verabreicht werden, um vor dem Herbst 2022 eine höhere Impfquote als jetzt zu schaffen und so weitere Infektionswellen zu verhindern. Es könnte also sein, dass diese großangelegte Impfaktion nur ein kleiner Auftakt für eine viel größere Immunisierung im kommenden Jahr war.
