Lindern - Jens Bahlmann kennt sich mit Kälbern aus. Seit vielen Jahren leitet er das Unternehmen Hubert Bahlmann GmbH in Lindern. Schon 1956 hatte Firmengründer Hubert Bahlmann in Ambühren die ersten Kälber gemästet. 1977 wurde in Lindern der Schlachthof erbaut, dann kam ein Mischfutterwerk hinzu. Mit 140 000 geschlachteten Kälbern ist das vom Sohn geführte Unternehmen heute Deutschlands größter Kalbfleischvermarkter.

Viele Kälbermäster hatten das für die Kälber geltende Kleingedruckte aus der neuen durch den Bundesrat verabschiedeten Nutztierhaltungs-Verordnung gar nicht gelesen; Jens Bahlmann allerdings hatte noch das Schlimmste verhindern wollen. Vergeblich. „Die neue Verordnung ist für alle Kälbermäster und für uns dramatisch“, meint der Unternehmer. Auf Kälbermäster kämen erhebliche und kaum zu stemmende Ausgaben zu, und die nur dreijährige Übergangsfrist sei eine „Frechheit“.

Worum geht es

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In der Öffentlichkeit bekannt wurden die Veränderungen in der Sauenhaltung, die eine Gruppenhaltung für Sauen mit einer Übergangsfrist von acht Jahren vorsieht. Die Umstellung auf Bewegungsbuchten im Abferkelbereich muss in spätestens 15 Jahren erfolgt sein.

Die Regelungen für die Kälber allerdings müssen bereits in drei Jahren umgesetzt sein. In der neuen Verordnung, die Ende des Jahres in Kraft treten könnte, müssen die Liegeflächen der Tiere „weich oder elastisch verformbar“ sein. Das könnten, so erklärt Heidi Meine-Schwenker von der Landwirtschaftskammer, beispielsweise nachgiebige Gummibodenbeläge oder weicher Einstreu sein. Dort, wo keine Spaltenböden vorhanden sind, müssten Gummiböden verlegt werden. Rund 100 Euro pro Quadratmeter koste das, errechnet die Fachreferentin Rindermast.

Was bedeutet das

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„Bei zwei Quadratmeter pro Kalb sind das dann 200 Euro pro Kalb“, hat Jens Bahlmann hochgerechnet. Das sei so nicht hinnehmbar, und er sei sich sicher, dass jetzt viele Kälbermäster „die Flinte ins Korn werfen“. Deutschland habe beim Kalbfleisch schon jetzt nur einen Selbstversorgungsgrad von 50 Prozent, der dann noch niedriger werde. Und der Anteil der Aufstallkälber, die nach Holland exportiert werden, werde größer. „Als fertiges Kalbfleisch kommt es dann nach Deutschland zurück“, befürchtet Bahlmann. Damit sei dem Tierschutz wahrlich nicht gedient.

82 0000 Kälber im Kreis Cloppenburg

Im Kreis Cloppenburg wurden am 31. Dezember 2019 immerhin noch 82 000 Kälber aufgezogen. In anderen Regionen sind das deutlich weniger – je ein Drittel der 2,4 Millionen Kälber in Deutschland stehen in Ställen in Bayern oder Niedersachsen. Nur ein Teil davon wird in jungen Jahren geschlachtet.

Schwarzbunte Nutzkälber kosten im Moment bis zu 80 Euro (über 50 kg). Es sei in letzter Zeit in Folge der Corona-Krise viel Fleisch eingelagert worden, meint Mathias Klahsen, Fachreferent der Landwirtschaftskammer. „Aber der Kälbermäster muss für ein gutes und gesundes Aufstallkalb im Einkauf ungefähr 140 Euro zahlen“, revidiert Jens Bahlmann die Mär, die von Kälberpreisen vergleichbar mit der von Meerschweinchen berichtet.

„Wir werden eine gewaltige Bruchlandung hinlegen“, meint ein Mäster aus Cloppenburg. In solch einer kurzen Zeit ließe sich die Tierhaltung mit den in 50 Jahren gewachsenen Strukturen nicht komplett neu ausrichten, „genauso wenig die Mobilität oder die Energieversorgung“. Alles, was die Politik mit solchen Beschlüssen erreiche, sei eine „unbändige Abhängigkeit vom Ausland“.

Jens Bahlmann verweist auch darauf, dass die Verbands-Vorgaben „schon der Politik weit voraus waren“. Die Kälbermäster hätten schon in den letzten Jahren bei Neu- und Umbauten die Ställe mit Gummiböden freiwillig ausgestattet. Aber jetzt sei im Bundesrat durch den „Kuhhandel“ Unausgegorenes entstanden. „Die Bayern wollten die Anbindehaltung bei den Kühen behalten, und dafür müssen die Kälber ins Stroh.“