Cloppenburg - Es mufft nach Kneipe, Heinz Rudolf Kunze schmettert im Hintergrund hingebungsvoll „Du bist mein ganzes Herz“, die grün-roten Polsterbänke erinnern an lange Abende in geselligen Runden. Eine Zeitreise erlebt jeder Besucher der Disco „Zum Sonnenstein“, die früher in Harpstedt stand und mittlerweile im Cloppenburger Museumsdorf wiederaufgebaut wird. Und da es nicht nur eine Zeitreise in die 80er Jahre ist, sondern auch in die Zeit vor der Corona-Krise, ist die Disco derzeit noch geschlossen und noch nicht offiziell eröffnet.
„Das holen wir 2021 aber ganz bestimmt nach“, sagt Dr. Julia Schulte to Bühne, die Museumsdirektorin, die sich ganz selbstverständlich hinter die dunkle Theke der Disco stellt. Dass die Disco noch nicht eröffnet ist, ist nicht die einzige versäumte Veranstaltung im Corona-Jahr 2020. Eigentlich hätte es Jubiläen „geregnet“: 20 Jahre Gartenpartie, zehn Jahre Nikolausmarkt und Historische Dorfkirmes. Doch nichts konnte so stattfinden, wie es geplant war, bedauert die Chefin des Museumsdorfes.
Mehrere Monate war das Museum zu und bleibt es aktuell auch – mindestens bis zum 10. Januar. So konnte auch nur ein Viertel bis ein Drittel der Besucher willkommen geheißen werden – im Jahr 2019 passierten noch 280 000 Personen die Kassenhäuschen am Eingang. Im Sommer jedoch wurde der „Dorfsommer“ mit vielen Führungen und Angeboten für Kinder gut angenommen. Insgesamt soll das Museumsdorf 2021 lebendiger werden – beispielsweise durch Tierfütterungen und Treckerfahrten. So steckt in jeder Krise eine Chance, sagt Schulte to Bühne, die sich mit dem gesamten Team aktuell in Kurzarbeit befindet.
Die finanzielle Basis ist derweil gesichert, dank vieler Förderer. So hat beispielsweise der Bund eine Förderung über 3 Millionen Euro zugesagt. Auch viele Unternehmen und Privatpersonen hätten gespendet.
Wie wichtig kulturelle Angebote sind, hat die Museums-Chefin im Sommer gemerkt. Unter dem Motto „Kultur im Sommer“ wurden Theater und Konzerte auf den Brink des Museumsdorfes verlegt. „Ich habe richtig gemerkt, wie glücklich die Leute waren, dass sie wieder Kultur erleben dürfen. Das ist eben nicht nur das Sahnehäubchen im Alltag, sondern Daseins-Vorsorge“, ist sich Schulte to Bühne sicher.
Das Erleben, Fühlen und Mittendrin-Sein bei Kultur-Veranstaltungen könne auch nicht durch digitale Angebote ersetzt werden. Neue Aktionen im Museum sind deswegen erst ab April geplant. So steht unter anderem die Eröffnung der Ausstellungen „Neuland: Konsum – Mobilität – und Freizeitkultur in der Nachkriegszeit“ und „Wie Jugendliche feiern“ auf dem Programm. Außerdem soll das Haus Elfert weiter in das Museum eingebunden werden. Geplant ist außerdem ein Klimapfad zwischen Disco und Museumsgelände auf der anderen Straßenseite. Dort soll aufgezeigt werden, wie sich das Klima und unsere Gewohnheiten gewandelt haben.
Auch die Gartenpartie im Mai wird weiter geplant. Allerdings mit weniger Besuchern – 2500 täglich statt fast 50.000 Menschen am langen Himmelfahrtswochenende. Ob und wie die Museumschefin im neuen Jahr anstoßen kann, bleibt abzuwarten.
