Staatsforsten - Alle Scheiben zerschlagen, Sitzbänke und Toilette beschädigt und verschmutzt, Bodenbelag herausgerissen, Beleuchtung beschädigt, ein völlig zerstörter Glastresen: In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar und wohl auch noch vergangenen Freitag am helllichten Tag haben unbekannte Täter ihre Zerstörungswut so ungezügelt an der Museumseisenbahn Friesoythe-Cloppenburg ausgelassen, dass die vielen ehrenamtlichen Mitglieder des gleichnamigen Vereins überlegen, ob ihr Tun noch Sinn macht. „Als wir nach Staatsforsten gerufen wurden, mussten gestandene Eisenbahner ihre Tränen unterdrücken. So etwas hatten sie in den 17 Jahren des Vereinsbestehens noch nicht gesehen“, berichtet Pressewart Karl-Heinz Böhmer.

Mal abgesehen von Hunderten unbezahlter Stunden, die jetzt investiert werden müssen, um die Schäden zu beseitigen, ist es beispielsweise auch äußerst schwer, für die Fenster der historischen Waggons neue Dichtungen zu bekommen: Die Fachfirma, die hinter München sitze, müsse dafür erst die entsprechenden Formen und Werkzeuge herstellen. „Die fragen uns dann, wie viele tausend Meter wir denn haben wollen“, so Böhmer am Donnerstag auf Nachfrage. Ansonsten lohne sich der ganze Aufwand offenbar überhaupt nicht.

Der auf dem Umfahrgleis der Friesoyther Eisenbahn-Gesellschaft – in der Staatsforstener Ortsmitte – stehende Salonwagen (Baujahr 1923) und der Umbauwagen (Baujahr 1958), den die Museumsbahner mühevoll restauriert haben, sind innen völlig zerstört. Die kleine beleuchtete Weihnachtslok, vor der die Kinder bei den Nikolausfahrten staunend stehen und fragen „Ist das die Lok Klaus?, wurde heruntergerissen, zwei Reihen weiter auf den Sitz geworfen und mit einem Gegenstand völlig zerschlagen. Bei der Lok „Hendrik“ (Baujahr 1959) wurden Scheiben mit Pflastersteinen eingeworfen.

Den Sachschaden bezifferte der Vorsitzende der Museumseisenbahn Friesoythe-Cloppenburg, Karl-Heinz Scholz, auf 7000 bis 8000 Euro. Ein harter Schlag, der in Corona-Zeiten noch doppelte Wirkung hat. „Die Kosten laufen weiter für unsere Bahn und die Trasse. Keine Fahrten. Jetzt auch noch diese vorsätzliche, mutwillige Zerstörung der Fahrzeuge. Ersatzteile sind fraglich und teuer, alles sind Sonderanfertigungen und dann fehlt vielleicht noch unsere Manpower?“, gibt sich Scholz zerknirscht. Ob man das alles allein wiederherstellen könne, sei mit einem großen Fragezeichen versehen. „Man hat uns schon vieles zerschlagen und besprüht, wir sind wieder aufgestanden und haben weitergemacht.“ Doch nun brauchen man erstmalig Hilfe – vor allem finanzieller Art in Form einer Spende. „Macht uns damit Mut, damit wir erkennen, dass wir weitermachen sollen“, ruft Scholz die Bürger zur Solidarität auf.

Goldene und Silberne Hochzeiten, Trauungen und Geburtstagsfeiern, die erste Museumsbahnwallfahrt in Deutschland von Friesoythe nach Bethen: Fahrten aller Art fanden mit dem Zug statt. Besonders gefragt – so Scholz – seien immer die Nikolausfahrten für Kinder aus dem Kreis. „All’ dieses hat uns alle angetrieben, um weiterzumachen. Aber jetzt kommen die ersten Gedanken: Warum tun wir uns das alles an?“ so Scholz.

Die Polizei hat den Schaden aufgenommen – wie bei allen anderen Zerstörungen in Bösel, Garrel und Staatsforsten auch. „Wir haben Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt“, so Böhmer.

Ein Spendenkonto ist auf der Internetseite des Vereins zu finden.

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Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland