Bösel - Die Schulleiterinnen der St.-Martin-Grundschule kommen aus dem Schwärmen beinahe nicht mehr raus: Rita Schorling und ihre Stellvertreterin Susanne Michalik-Quent freuen sich sehr über einen Anbau für die Ganztagsbetreuung. Das Kollegium habe mit alkoholfreiem Sekt sogar schon den Raum „bewundert“. Dieser hat eine halbautomatische Trennwand, mit dem sich das klassenraumgroße Zimmer in zwei kleinere Räume teilen lässt. Es gibt eine interaktive Tafel, die auch für Präsentationen und Teambesprechungen zum Einsatz kommen kann. Davon werden auch die Lehrerinnen profitieren, wenn sie mit kleinen Gruppen für Besprechungen aus dem Lehrerzimmer ausweichen können. „Oberste Priorität“ bei der Nutzung habe aber die Lese- und Sprachförderung für die Kinder, betonen die Schulleiterinnen. Hierzu machten gerade alle Lehrkräfte eine Fortbildung.
Sprachförderung
Aus gutem Grund: Der Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache nimmt zu, fast ein Drittel der Kinder sind es inzwischen, berichtet Schorling. Nicht wenige Kinder von rumänischen Mitarbeitern aus der Fleischindustrie gingen in Bösel zur Schule. Diese würden auch mitten im Halbjahr angemeldet. So hätten erst am Montag wieder drei Familien mit neuen Schülern vor der Tür gestanden. Oft könnten die Kinder noch kein Wort Deutsch. „Eine große Herausforderung. Was uns hilft, ist, dass wir einige rumänische Kinder haben, die schon länger da sind“, sagt Schorling. Das und eine für Sprachförderung geschulte Kollegin seien aber nicht ausreichend. Daher habe sie darauf gedrängt, dass sich alle weiterbilden.
Neben Förderunterricht können in den beiden neuen Räumen, die im Schulgarten gebaut wurden, auch Betreuungsangebote gemacht werden: Die Sozialpädagogin will sich mit einzelnen Schülern oder kleinen Gruppen für Gespräche hierhin zurückziehen. Sie sollen Orte zum Basteln sein oder für Sitzungen des Schülerrates.
Das Erdbeerbeet des Schulgartens musste für den Anbau weichen. Und eine Zeitlang habe das Gelände ganz schön chaotisch ausgesehen, berichtet Schorling. Aber dann hätten die Mitarbeiter des Bauhofes alles vorbereitet, damit die Gärtner und Schüler wieder starten können. Ein Gewächshaus, auf das sich alle besonders freuen, soll in den kommenden Wochen noch aufgestellt werden. Die Chor-Kinder, die schon lange nicht mehr singen durften, hätten die große, überdachte Terrasse genutzt, um vor Weihnachten ein wenig zu singen, sagt die Schulleiterin.
Lob an Gemeinde
Besonders Lob gehe an die Gemeinde Bösel: Als die Gelder aus einem Fördertopf für den Ganztagesausbau im Frühjahr plötzlich zur Verfügung standen, habe die Martin-Grundschule innerhalb von vier Tagen ihr Ganztagskonzept überarbeitet und einen Antrag gestellt. Als die Zusage kam, schaffte die Gemeindeverwaltung es, das Projekt zwischen April und Dezember komplett umzusetzen. „Wir sind darüber richtig glücklich und verwundert“, sagt Schorling. Es sei schließlich bekannt, wie schwer es derzeit sei, Handwerker und Baumaterial zu bekommen.
