Neuscharrel - Sechs Personen aus maximal zwei Haushalten: Das ist die Regel, die aktuell im Landkreis Cloppenburg bei einem privaten Treffen oder in der Öffentlichkeit gilt. Eine Veranstaltung mit 100 Personen kann sich in dieser Zeit wohl kaum noch einer vorstellen. Nicht schlecht gestaunt haben müssen also die Polizeibeamten des Kommissariats Friesoythe, die am Samstagmittag gegen 13 Uhr durch einen Hinweis nach Neuscharrel gerufen wurden. Dort fand eine Reitveranstaltung mit rund 100 Personen statt.
Kein Abstand
„Vor Ort stellten die Beamten fest, dass die Teilnehmenden nur zum Teil eine Mund-Nasen-Bedeckung trugen und die Abstände nicht einhielten“, teilte Nadine Luttmann von der Pressestelle der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Doch die Beamten stellten noch mehr Verstöße fest: Die ganze Reitveranstaltung hatte keinen sportlichen Charakter und war auch kein Turnier – es wurden nur Personen auf Pferden geführt oder alleine geritten. Die Atmosphäre glich laut Polizei eher einer Party – auch Getränkestand, DJ und ein Grillstand waren vor Ort.
Polizei beendet Party
Die Polizei beendete die Veranstaltung sofort. Die Polizisten blieben vor Ort, bis alle Teilnehmenden den Veranstaltungsplatz geräumt hatten. Gegen den 36-Jährigen Veranstalter hat die Polizei Friesoythe nun ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Doch das ist nicht alles – das Verfahren wurde nun an den Landkreis Cloppenburg weitergeleitet. „Jetzt muss überprüft werden, wie sich die Sachlage genau darstellt und wer neben dem Veranstalter auch mit einem Bußgeld rechnen muss“, sagte Landkreis-Sprecher Frank Beumker auf Nachfrage unserer Redaktion. So könnte auch die Teilnahme an der Veranstaltung teuer werden. „Insgesamt sind Bußgelder bis zu einer Höhe von 25 000 Euro möglich“, teilt Beumker weiter mit.
Die Planung der Veranstaltung war dem Landkreis bereits Anfang September mitgeteilt worden. „Das Organisationsteam aus Neuscharrel hatte beim Ordnungsamt des Landkreises Cloppenburg lediglich bezüglich der Durchführung eines Reitturniers angefragt“, so Beumker. Damals galten natürlich noch andere Beschränkungen als heute. „Der Landkreis hatte den Verantwortlichen die für die Durchführung einer Reitveranstaltung – als Ausübung einer kontaktlosen Sportart – gültigen Vorschriften am 10. September mitgeteilt und deutlich darauf hingewiesen, dass je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens auch weitergehende Verschärfungen bis hin zum Sport- oder Zuschauerverbot möglich sind. Die Durchführung einer Feier oder Party ist hier nicht beantragt worden“, so Beumker weiter. Ausdrücklich nicht erlaubt war auch der Ausschank von alkoholischen Getränken.
Warnungen ignoriert
Nach Informationen unserer Redaktion soll der Organisator, gegen den jetzt das Ordnungswidrigkeitenverfahren läuft, bereits im Vorfeld der Veranstaltung gewarnt worden sein – ohne Erfolg.
