Nordkreis - In der mobilen Pflege ist der Kontakt mit Patienten unvermeidbar, die zur Risikogruppe gehören. Der Beginn der Corona-Pandemie war ein Einschnitt. Wie ist die Situation inzwischen, wie geht es Mitarbeitenden und Patienten? Drei Anbieter aus dem Nordkreis berichten.
Wie hat sich die Arbeit in der Pandemie verändert?
Die Pandemie habe die Anforderungen an die Mitarbeitenden erhöht, sagt Melanie Marks, Inhaberin des „Pflegeteams Garrel“, das auch in der Gemeinde Bösel tätig ist. Die verschärften Hygienemaßnahmen seien aufwendig, die Touren würden länger dauern. Das berichtet auch Carsten Huslage, Geschäftsführer der Caritas Barßel-Saterland.
Marks kritisiert, dass anfangs kaum Informationen zu Hygienemaßnahmen und Quarantäneregeln verfügbar gewesen seien. Auch Martin Reiners, Mitinhaber des Pflegedienstes Reiners aus Sedelsberg, berichtet von Kommunikationsschwierigkeiten mit den Behörden. Das hat Huslage nicht beobachtet. Er sagt aber: die Regelungen der Landesregierung wurden freitags bekanntgegeben und mussten montags umgesetzt werden. „Das ist schon sportlich.“
Wie ist die Stimmung unter den Pflegekräften?
„Jeder wünscht sich, dass bald Besserung einkehrt“, sagt Marks. Huslage berichtet, dass der Zusammenhalt im Team sehr stark sei. Die Pflegekräfte würden in der Pandemie viel Wertschätzung erfahren. „Ich hoffe, dass das anhält.“
Wie geht es den Patienten in der Pandemie?
Anfangs hätten viele Patienten aus Sorge vor Ansteckung auf die häusliche Pflege verzichtet, berichten die drei Dienste übereinstimmend. Heute sei nur bei der hauswirtschaftlichen Versorgung die Nachfrage noch verhalten.
Die Patienten würden unter der sozialen Isolation leiden, sagt Marks. Einsamkeit sei gerade auf dem Land ein großes Thema. Huslage merkt an: „Es ist nicht zu unterschätzen, wie wichtig der soziale Kontakt zu den Pflegekräften ist.“ Reiners sagt, es sei auffallend, dass während der Pandemie Patienten, die krank geworden sind (kein Covid-19), relativ schnell verstorben seien. Das habe er in den 14 Jahren, die der Pflegedienst besteht, noch nicht erlebt. Als Laie habe er die Vermutung, dass die Isolation der Grund sein könnte.
Gab es Infektionen?
Bei der Caritas gab es weder bei Patienten noch beim Personal Corona-Fälle. Der Pflegedienst Reiners berichtet von zwei Fällen bei Patienten, die wieder genesen seien. Beim Pflegeteam Garrel habe sich eine Mitarbeiterin im privaten Bereich angesteckt, was aber rechtzeitig erkannt worden sei, sagt Marks. Drei Patienten seien nach einer – ebenfalls im privaten Bereich erfolgten – Infektion mit dem Corona-Virus verstorben. Sie wurden, bevor sie ins Krankenhaus kamen, von einer geimpften Pflegekraft versorgt.
Ist das Personal geimpft?
Den hauswirtschaftlichen Mitarbeitenden fehlt die zweite Impfdosis. Die Pflegekräfte bei der Caritas sind durchgeimpft, beim Pflegeteam Garrel und Pflegedienst Reiners stehen noch Zweitimpfungen aus.
Marks kritisiert den Zeitpunkt der Impfungen als „unheimlich spät“. Reiners bezeichnet die Organisation der Impfungen sogar als „blanke Katastrophe“. Huslage weist darauf hin, dass die Pflegekräfte in den stationären Einrichtungen bereits in der ersten Kategorie geimpft wurden. Die Mitarbeitenden aus dem mobilen Team würden sich ungleich behandelt fühlen.
Gibt es genügend Schutz-Material?
Die drei Dienste berichten, dass es anfangs schwierig war, an ausreichend FFP2-Masken und Desinfektionsmittel zu kommen. Das habe sich gebessert. Engpässe gebe es noch bei den Einweg-Handschuhen. Hier sei auch der Preis problematisch. Kostete ein Päckchen vor Corona drei bis vier Euro, seien es jetzt fast 20 Euro.
