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NWZ Halloween-Serie Friesoythe Auf Bombenfund folgen sechs Stunden Angst

So berichtete die NWZ am 24. August 1978 über den Bombenfund in Friesoythe.

So berichtete die NWZ am 24. August 1978 über den Bombenfund in Friesoythe.

Ulf Middendorf

Friesoythe - 2500 evakuierte Menschen und mehr als sechs Stunden Bangen: Nervenaufreibende Szenen haben sich 1978 in Friesoythe ereignet, nachdem am 22. August gegen 17 Uhr eine fast fünf Zentner schwere englische Fliegerbombe bei Baggerarbeiten auf einer Baustelle hinter dem Ratshotel bei der Kirche St. Marien gefunden worden war.

Schreckliche Erinnerung

Dieses Krieg-Überbleibsel versetzte viele Einwohner wieder zurück in die schrecklichen Tage, an denen die Stadt im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört worden war. So erinnerte Bürgermeister Cloppenburg an dem Abend an das damalige Ausmaß der Zerstörung: „Über Mühlen- und Lange Straße konnte man hinwegschauen – es stand nichts mehr“, wurde er im NWZ-Artikel über den Bombenfund vom 24. August 1978 zitiert.

Und genau diese Erinnerung habe laut Artikel dazu geführt, dass die Innenstadt rund um St. Marien geräumt wurde. Eineinhalb Meter tief unter der Erdoberfläche lag die Bombe in einem Baggerloch. Das Aufgebot an helfenden Händen war groß. „Wie gut, daß von den Verantwortlichen – Polizeidirektor Schnupp, Abschnittsleiter Kruse, seine Mitarbeiter Graf, Hammann und Dornieden, Bürgermeister Cloppenburg, Stadtdirektor Habrock, Oberamtsrat Schulte, die gesamte Polizei, Friesoythes Feuerwehr und Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk – ein Sicherheitsbezirk mit einem Radius von 500 Metern geschaffen wurde“, hieß es im Artikel.

Zeitgenaue Aufzeichnung

Die NWZ dokumentierte zu Beginn des Artikels vom 24. August 1978 die Geschehnisse des Abends zeitgenau.

17 Uhr: Ein verhängnisvolles Überbleibsel des Krieges, eine fast fünf Zentner schwere englische Fliegerbombe wird in Friesoythe gefunden.

17.10 Uhr: Friesoythes Polizei-Hauptkommissar Dornieden und seine Mitarbeiter haben die Meldung über den Fund der Bombe erhalten.

18 Uhr: In Oldenburg weiß Direktor Günther Schnupp, Kommandeur der Schutzpolizei, von der eine Stadt bedrohende Bombe.

19.05 Uhr: Die Sprengmeister Hans Schwarz und Artur Fink vom Kampfmittelbeseitigungstrupp Hannover treffen in Friesoythe ein.

20 Uhr: Die große Lagebesprechung beginnt; dann fahren Lautsprecherwagen durch die Innenstadt, Beamte zu Fuß durchkämmen die gefährdeten Straßen und Häuser.

22.45 Uhr: 2500 Menschen sind evakuiert.

23 Uhr: Hans Schwarz und Artur Fink gehen an ihre gefährliche Arbeit.

23.12 Uhr: Die befreiende Meldung kommt: „Die Bombe ist entschärft!“

2500 evakuierte Friesoyther, die im Dorfgemeinschaftshaus Altenoythe, in der Sporthalle, der Elisabethschule und der Schule an der Dr.-Niermann-Straße ausharrten, warteten darauf, dass die Bombe von den Sprengmeistern Hans Schwarz und Artur Fink vom Kampfmittelbeseitigungstrupp aus Hannover entschärft wird.

Was wäre, wenn

Um 23.12 Uhr hatten sie es geschafft. Nicht auszudenken, das Szenario, wenn die Fliegerbombe explodiert wäre. Schwarz hatte darauf eine Antwort: „Die umliegenden Häuser und auch die Kirche wären sicherlich in sich zusammengefallen“, wurde er zitiert. Laut seines Kollegen Fink wäre zudem der weitere Umkreis gefährdet gewesen.

Bürgermeister Cloppenburg und Polizeidirektor Schnupp bedankten sich bei den Einwohnern für ihre Besonnenheit und Disziplin und bei den vielen Helfern für die „funktionierende Absperrung und die Evakuierung“. Auch für das DRK gab es Dankesworte. Denn auch die Einwohner, die schnell ihre Häuser verlassen mussten, aber nicht laufen konnten, wurden in Sicherheit gebracht.

Tanja Mikulski
Tanja Mikulski Redaktion Münsterland
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