Bösel - Eine wichtige Mitarbeiterin der Oberschule Bösel geht zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand: Schulhündin Hedwig. Der Border-Collie-Mix wird zehn Jahre alt und ist damit schon in einem gesetzten Hundealter.
„Sie hat Rückenprobleme“, sagt Hedwigs Frauchen, Schulsozialarbeiterin Manuela Herbst. „Es muss nicht so weit kommen, dass sie Schmerzen hat, wenn sie am Rücken gestreichelt wird.“ Das ist nachvollziehbar, trotzdem sind alle an der Schule ein bisschen traurig. Immerhin haben Hedwig und Manuela Herbst schon eine Nachfolgerin eingearbeitet: Golden Retriever Flooke.
Menschenfreundin
Zum ersten Mal zum Einsatz kam Hedwig vor neun Jahren, als es in der OBS einen Schüler mit Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Störung (ADHS) gab, der Schwierigkeiten hatte, ruhig dem Unterricht zu folgen. Doch schnell besuchte Herbst mit Hedwig auch die angrenzende St.-Martin-Grundschule. Als dort ein Schüler der vierten Klasse große Angst vor seinem Wechsel zur Oberschule hatte, fand Herbst eine Lösung. Der Junge kam in der Pause um 9.20 Uhr in die OBS, um mit Hedwig spazieren zu gehen. So lernte er das Gebäude und die Schüler kennen. Und es blieb dabei: Jeden Schultag um 9.20 Uhr holte er Hedwig zu einem Spaziergang ab, bis er in diesem Jahr seinen Abschluss machte.
Die gelernte Tierarzthelferin Manuela Herbst ist mit Hunden aufgewachsen, hat ihre Diplom-Arbeit im Studium Soziale Arbeit über „Hunde in der Sozialen Arbeit“ geschrieben und ihre erste eigene Hündin auch schon zur Arbeit in Wohngruppen mitgenommen. Hedwig und Flooke sind ausgebildete Begleithunde, keine Therapiehunde. „Ein Schulhund muss Menschen zugewandt und relativ stressresistent sein, darf kein Revierverhalten haben. Die Rasse ist egal, jeder Hund ist geeignet, wenn er das Wesen mitbringt“, sagt Herbst.
Wichtig: Alle Menschen in der Schule müssen sich an die Regeln halten. Niemand füttert die Schulhunde unkontrolliert. Wenn Manuela Herbst mit den Tieren in ein Klassenzimmer kommt, versuchen die Schüler ruhig zu sein, achten darauf, dass nichts rumliegt, was sich die Hündin schnappen könnte. In Hedwigs ersten Jahren an der Schule sind ihr nämlich einige Tafelschwämme zum Opfer gefallen. „Alle wissen, wenn das nicht klappt, kann ich nicht wiederkommen mit dem Hund“, sagt Herbst.
Hedwig diente im Bio-Unterricht als Anschauungsobjekt, unterstützte die Kennlerntage der fünften Klassen, war auch mal Streitschlichter. „Trösten ist ein ganz großes Thema. Hedwig ist ein ganz sensibles Tier“, sagt Herbst. Schule sei für sie Arbeit, hier seien die Schüler wichtig für Hedwig, die zuhause ganz anders sei: „Sie geht hier zu dem, der in der Ecke steht, nicht zu denen, die sie als erstes streicheln. Anschließend ist sie platt und pennt.“
Türöffnerin
Der Schulhund habe auch als Türöffner fungiert. „Früher kannte ich nur die 20 auffälligsten Schüler. Als ich den Hund mitbrachte, kannte ich auf einmal 90 Prozent der Schüler. Die Hemmschwelle, mit mir zu sprechen, wird abgebaut“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Für Lehrer und Eltern sei ein Schulhund wie Hedwig ein Ruhepool. Als mit der Flüchtlingswelle 2015 viele Flüchtlingskinder aus dem arabischen Raum an die Schule kamen, habe Hedwig ihnen gezeigt, dass man vor Hunden keine Angst haben müsse. Und für die ukrainischen Kinder sind die Schulhunde ein bisschen Ersatz für die eigenen Haustiere, die sie zurücklassen mussten.
