Oldenburger Land/Vechta - Manchmal schüttelt sie selbst den Kopf, wenn sie daran denkt, was sie alles getrunken hat: Wein, Cognac mit und ohne Orangensaft, Wodka. Die Liste lässt sich kaum mitschreiben. Elisabeth, ist Mitte 50 und kommt irgendwo aus dem Oldenburger Land. Elisabeth heißt sie nicht wirklich, die verheiratete Frau und Mutter. Aber ihr echten Namen soll nicht in der Zeitung stehen. Und der Name Elisabeth gefällt ihr. „Aber das habe ich alles nur abends getrunken“, sagt sie mit großer innerer Klarheit. „Tagsüber musste ich funktionieren.“
Weitere Informationen zu den Kreuzbundgruppen des Landes-Caritasverband für Oldenburg gibt Monika Gerhards,
Selbsthilfegruppen für Menschen und Angehörige von Menschen mit Suchterkrankungen treffen sich beispielsweise am Montag, 30. August, um 19.30 Uhr im Karl Borromäus Haus (Am Glockenturm) in Altenoythe. Die Selbsthilfegruppe „Freundeskreis“ für Menschen mit Suchterkrankungen kommt am Dienstag, 31. August, um 19.30 Uhr im Konferenzraum des Cloppenburger Krankenhauses zusammen. Der Kreuzbund St. Marien trifft sich am Mittwoch, 1. September um 19.30 Uhr im Franziskushaus Friesoythe.
Den 27. April 2020 vergisst sie nicht, erzählt sie in der Gesprächsrunde mit der Leiterin ihrer Kreuzbund-Gruppe. Corona war gerade sechs Wochen alt. Sie trug einen Gips. Angelangt war sie bei einer halben Flasche Wodka am Tag. „Was tust Du eigentlich?“, habe sie sich gefragt. „Was tue ich mir an? Meinem Mann, meiner Familie?“
Brauche meine Ruhe
Vorausgegangen war ein Gespräch mit dem Hausarzt, bei dem es auch um ihren Alkoholkonsum ging. Dann die Bitte an ihren Mann, ihr ein paar Sachen zusammenzupacken: „Ich brauche mal meine Ruhe. Ich muss was für mich klären“, sagt sie zu ihm. Es folgt eine Übernachtung im privaten Umfeld, der erneute Besuch beim Hausarzt und dessen Rat: „Gehen Sie zur Beratungsstelle der Caritas.“
Die Caritas-Suchtberaterin schiebt sie am nächsten Tag dazwischen. Zwei Gespräche haben sie fortan pro Woche bis Mitte Juli der Aufenthalt in einer Suchtklinik beginnt.
„Die Gespräche waren mein Halt“, sagt die Frau, die nach zwölf Wochen Klinikaufenthalt trocken lebt und sich gut erinnert, wie es vorher war. Die ganze Familie leidet unter der Alkoholsucht, weiß sie heute. Heute empfindet sie eine fast unendliche Dankbarkeit, nicht mehr ständige an Alkohol denken zu müssen: „Ich kann gar nicht sagen, wie schön das ist.“
Fünf Flaschen Wein
Den Satz kann auch Onno unterschreiben. Auch das ist nicht der richtige Name des circa 50-Jährigen. Weinschorle hat er getrunken, härtere Sachen nicht. immer nach der Arbeit am Feierabend. „Ist ja mehr Wasser als Wein!“, hat er es sich schöngeredet. Es wurde immer mehr. An einem Abend im vergangenen Frühjahr sind es schließlich fünf Flaschen Wein. Zittern am nächsten Morgen, Krämpfe, Anruf beim Hausarzt. Auch hier der Rat: „Gehen sie zur Suchtberatungsstelle der Caritas.“
Es folgen zwölf Wochen Aufenthalt in einer Suchtklinik. „Das fasst Du nie wieder an“, habe er sich gesagt. „Nie wieder.“ Den restlichen Alkohol habe er zu Hause ins Waschbecken gekippt und „als eklig empfunden“. „Wie Gülle hat das gerochen“, sagt der verheiratete Mann.
Über vier bis fünf Jahre habe so viel Alkohol getrunken. Ein Todesfall in der Familie habe die Situation verschlimmert. Und auch für ihn galt: „Getrunken habe ich nur abends, zum Runterkommen.“
Mit zwei weiteren Personen sind sie in der Corona-Zeit in eine Kreuzbund-Gruppe gegangen. Der Selbsthilfe-Organisation, in der sich suchtkranke Menschen regelmäßig treffen. Solche, die ernsthaft ohne Alkohol leben wollen. Aber eines ist sowohl Elisabeth als auch Onno klar: „Ein Zuckerschlecken wird die Zukunft nicht.“
