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nordwest-zeitung

Schweinestau in den Schlachthöfen Diese Ideen haben Viehhändler aus dem Oldenburger Münsterland

Hermann Gerdes

Oldenburger Münsterland - Corona bestimmt die Schlachtkapazitäten, weniger die Vorgaben der Behörden. Und die Pandemie sorgt weiterhin für Schweineschlachtungen in einem Umfang, der den gemästeten Schweinen bei Weitem nicht entspricht. So wächst der Stau.

Montagmorgen waren besonders die Viehhändler der Region im Stress. Sie mussten umdisponieren, denn am Wochenende hatte sich wieder einmal viel verändert. Vion in Emstek schlachtete Montag geschätzt 6000 Schweine und damit eine reduzierte Anzahl. In der vergangenen Woche waren vor allem in der Zerlegung Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden, weitere Mitarbeiter sind vorsorglich in Quarantäne. „Die Zerlegung ist der Flaschenhals“, meinte einer der Viehhändler.

Fleisch zurückhalten

Aber es bleibt nicht nur bei Kritik, es werden auch konkrete Vorschläge für die Lösung vorgebracht. Die private Lagerhaltung (PLH) von Schweinefleisch favorisiert Geschäftsführer Ansgar Stärk vom gleichnamigen Viehgroßhandel in Damme, der jährlich rund 700 000 Schweine vermarktet. Dieser staatliche Eingriff sei derzeit – und nur in der Notlage – der einzig sinnvolle Weg, alles andere sei „ein Tropfen auf den heißen Steinen“. So könnten auch große Stückzahlen vom Markt kommen. In normalen Zeiten sei die PLH kein gutes Markt-Instrument.

Die Regionalisierung positiv zu verhandeln, fordert Christoph Hüsing, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft (EZG) für Qualitätsvieh im Oldenburger Münsterland mit Sitz in Bakum. Die Gespräche mit China müssten erfolgreich beendet werden. Es gebe auch eine Differenzierung bei den Regionalisierungen zwischen Wild- und Hausschwein. So lange die Afrikanische Schweinepest (ASP) auf Wildschweine beschränkt bleibe, dürften dann die anderen Regionen Schlachtschweine ausführen.

Werkverträge bleiben

Das Aussetzen des geplanten Werkvertragsverbots in der Schlachtbranche steht bei Jürgen Wendt von der Wendt-Viehhandlung in Löningen oben auf seinem To-Do-Zettel. Das gesamte Gesetzeswerk müsse um mindestens ein Jahr ausgesetzt werden. Gerade im Moment hätten die Schlachtereien große Personalprobleme. Das hänge nicht nur mit Corona- und Quarantäne-Fällen zusammen, sondern auch mit den Positionen der Werkvertragsunternehmen, die sich nicht leicht aus dem Markt drängen ließen.

Kapazitäten möchte Bernd Terhalle, Geschäftsführer der EZG in Lorup, ausgeweitet haben. Alle Beschränkungen – auch für eine gewisse Zeit die Sonntags-Schlachtungen, wenn das Personal nicht überfordert ist – müssten auf den Prüfstand. Dort, wo es möglich ist, müsse ein Tag oder mindestens eine Stunde zusätzlich geschlachtet werden. „Die Schlachtungen sind wie eine Autobahn. Von drei Spuren dürfen sie im Moment nur auf einer fahren“, meint der Emsländer, um eine plastische Sprache nicht verlegen.

Politik am Zug

Allen Ideen ist gemein, dass die Politik gefordert ist. So manche Agrarministerin habe noch nicht verinnerlicht, dass die Schlachtschweine erst nach einem monatelangen Zyklus abgeliefert werden.

„Es kommt im Moment mehr rein als raus“, meint Terhalle. Die ASP werde, merkt Stärk an, aber auch genutzt, um die von bestimmten Kreisen so bezeichneten „Schmuddelkinder“ zu schädigen. Gewisse Politikkreise wollten halt das Ende der Schlachtindustrie. Und nur so seien auch manche Mängel bei der Bekämpfung der ASP in Brandenburg zu erklären.

„Es tut sich was!“, ist allerdings Bernd Terhalle nach den Gesprächen etwas optimistisch.

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