Garrel - Rudi Bley kann sich noch gut erinnern. „Ein richtiger Brocken“ wäre das gewesen, eine „interessante Angelegenheit“, sagt der ehemalige Garreler Bürgermeister nordisch euphorisch. Die Zahlen jedenfalls waren beeindruckend: 120 Millionen Mark wollte ein Investor in Garrel in einen Tropenpark investieren. 80 Vollzeit und 75 Teilzeitkräfte sollten beschäftigt werden. Zahlen, bei denen sich mancher in der Gemeinde schon die Hände rieb.
Das Projekt
Der Investor, dessen Name Rudi Bley auch 25 Jahre später nicht nennt, hatte Großes auf einer rund 25 Hektar großen Fläche am Beverbrucher Damm vor. Direkt mit ihm hatte es der damalige Bürgermeister aber gar nicht zu tun, sondern mit einem Planer. Und der präsentierte grobe Pläne von einem Tropenpark mit Erlebnisbad, Hotel, Bungalowpark. „Für ihn stand die Diskothek immer an erster Stelle“, erinnert sich Bley: 5000 Gäste pro Wochenende sollte die nach Garrel locken, diese sollten auf einer Fläche von 3500 Quadratmetern feiern.
Das Projekt war gewaltig: In einer mit 60 Metern Seitenlänge konzipierten Glaspyramide sollte das Erlebnisbad entstehen. Zwei weitere Glaspyramiden mit Grundflächen von 900 Quadratmetern sollten Platz für Kinderbetreuung und Saunabereiche bieten. Das viergeschossige Hotel sollte 144 Betten und Kongressräume haben. 16 Geschäfte sollten vermietet werden. 122 Bungalows sollten gebaut werden. 800 Stellplätze waren für den Großraumparkplatz vorgesehen. Auf 600.000 bis 700.000 Besucher hofften die Investoren, ab 500.000 würden sich die Pläne rechnen.
Die Gespräche
Lange Zeit konnte die Verwaltungsspitze die vagen Pläne aus der Öffentlichkeit heraushalten. Und das war offenbar ganz im Sinne des Investors. Immer wieder forderte der Bürgermeister vom Planer konkretere Zahlen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Entwürfe – „ein enormer Informationsbedarf, der aber nicht erfüllt wurde“, blickt Bley zurück. Denn davon hingen auch Berechnungen zur Ver- und Entsorgung oder zur Umweltverträglichkeit ab. Auch Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der Gemeinde oder die Vereinbarkeit mit der örtlichen Landwirtschaft hätten auf dieser Grundlage erstellt werden müssen. Erst auf Druck wurde dann ein Modell der Anlage vorgestellt. „Das ging schon kaputt, als der Planer es auspackte“, erinnert sich Bley mit einem Lachen. Weitere Zeichnungen habe er nicht gesehen.
Den Standort an der Beverbrucher Straße im Bereich Tweel hatten die Investoren auch wegen der verkehrsgünstigen Anbindung an die Autobahn in Betracht gezogen, erinnert sich Bley. Er hatte vor allzu großer Euphorie gewarnt, weil sich auch nach drei Jahren wenig bewegte und die Skepsis wuchs.
Das Ende
In Garrel wurde das Projekt schließlich begraben. Wie sich zeigte, hatte der Planer zeitgleich mit der Stadt Friesoythe verhandelt. Der Planer hatte der Gemeinde vorgeworfen, zu früh an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. „Davon konnte nach drei Jahren ja wohl nicht die Rede sein“, kommentiert Bley im Rückblick. Seinen Unmut über die seitens des Planers geübte Kritik habe er ihm auch sehr deutlich gemacht. „Wir haben alles richtig gemacht“, sagt Alt-Bürgermeister Rudi Bley mit Blick auf hochtrabende Investorenpläne, die wie Seifenblasen zerplatzten.
