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Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine Warum Preise für Futtermittel deutlich steigen

Hermann Gerdes
Futtermittel ist deutlich teurer geworden.

Futtermittel ist deutlich teurer geworden.

dpa

Garrel - Hunderttausende sind in der Ukraine auf der Flucht. Die Auswirkungen der russischen Invasion in die Ukraine hat auch Auswirkungen auf die europäische Agrarpolitik – bis hinunter zum Futtermittelproduzenten in Garrel. Die Ukraine ist die Kornkammer Europas – das zeigt sich schon in der Flagge: ein gelbes Getreidefeld und ein blauer Himmel.

Die Landwirte müssen deutlich höhere Preise für Futtermittel zahlen. Von „Marktverwerfungen“ spricht Josef Abeling, Geschäftsführer bei Fleming + Wendeln in Garrel. Futtermittel sind das Hauptgeschäft des Garreler Unternehmens, das neben den ursprünglichen seit 1986 zusammengeschlossenen Landhandelsbetrieben in Nikolausdorf und Garrel an drei weiteren Standorten in Essen, Hemmelte und Leipzig produziert und in Bösel ein Auslieferungslager hat. Seit drei Monaten gibt es zudem eine strategische Allianz mit GS agri (Schneiderkrug).

Globaler Handel

Während andere Futtermittelhändler im Westen vor allem Geflügelfutter produzieren, stehen bei Fleming + Wendeln immer noch die Futtermittel für Schweine im Mittelpunkt des Handelns. „Da gehören wir zu den zehn größten Futtermittelherstellern Deutschlands“. Weitere Details verrät Josef Abeling allerdings nicht. Rund zwei Drittel dürften es sein. Der Rest ist Geflügelfutter und Rinderfutter mit einem sinkenden Anteil.

Nicht mehr in Kraftstoffen

Getreide sollte nicht mehr zu Kraftstoffen verarbeitet werden. Das fordern alle Branchenverbände rund um die Geflügelwirtschaft angesichts der Verknappung. Weizen und Mais dürfe nicht zu Ethanol verarbeitet werden, solange die Versorgung der Nutztiere mit Futter gefährdet sei. Auch die Verfütterung von gentechnisch verändertem Mais und Soja müsse erlaubt werden. Der Vorrang für Gaslieferung an die Agrarbetriebe ist eine weitere Forderung. Sonst sei die Versorgung mit Fleisch und Eiern nicht mehr gewährleistet und es drohten leere Regale in den Supermärkten.

Abeling beobachtet aufmerksam das Marktgeschehen. Es reiche nicht, den deutschen Markt im Blick zu haben. Global wird gehandelt, Grundlage ist dabei die Weizenbörse in Paris. „Und da ging es heute schon wieder ein paar Euro nach oben“, stellt Josef Abeling mit Blick aufs Handy schnell fest. 220 Euro kostet der Weizen pro Tonne in der Ernte, 290 Euro lag die Tonne kurz vor der Krise, jetzt sind es schon über 400 Euro pro Tonne. „Das ist eine sehr deutliche Verteuerung.“

Die Ware aus der Ukraine, die per Zug oder per Schiff – dann verladen in Brake – bei Fleming + Wendeln in Garrel ankommt, bleibt aus, denn der Hafen Odessa ist vermint und gesperrt. Schwierig sei es schon jetzt, an Raps, bei Mais und bei Sonnenblumenprodukten, insbesondere beim Sonnnenblumenöl, zu kommen. Und auch Weizen könnte knapp werden. „Aber wir erfüllen unsere Verträge“, verspricht Josef Abeling. Auf der anderen Seite gebe es schon die ersten Vorverträge für die kommende Ernte. Und diese sähen natürlich auch deutlich gestiegene Abnahmepreise vor. Auch der Dünger steigt im Preis. Der Gaspreis geht durch die Decke, die Energiepreise bleiben hoch. Die Verbraucher werden sich auf höhere Preise einstellen müssen.

Stilllegungsflächen

So werde diskutiert, die Stilllegungsflächen zu reduzieren. Auch im Garreler Unternehmen sieht man solche Pläne mit Wohlwollen. Ab 2023 gibt es diese Pflicht für vier Prozent der landwirtschaftlichen Flächen.

2008 wurde angesichts hoher Getreidepreise schon einmal die Stilllegungspflicht in der EU ausgesetzt. Auch gehört nach Meinung vieler Agrarexperten der gesamte Green Deal der EU im Licht der Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft und der neuen weltpolitischen Lage auf den Prüfstand.

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