Barßel - Wer eine gute Idee hat, die für viele Menschen das Leben erleichtert oder ein Problem löst, kann damit gutes Geld verdienen. Eigentlich. Das kann aber nur funktionieren, wenn man nachweisen kann, von wem eine Idee, eine Entwicklung, eine Erfindung stammt. Dafür gibt es Patente und Gebrauchsmuster. Auch im Nordkreis gibt es kreative Köpfe, Tüftler und Problemlöser. Hier ein erster Blick in die Geschichte der Barßeler Tüftler.
In Deutschland wurde 1877 das Kaiserliche Patentamt gegründet. Bis dahin hatten die 25 deutschen Kleinstaaten versucht, die Rechte der Erfinder durchzusetzen. „Das erste Reichs-Patentgesetz bedeutete einen enormen Fortschritt für das Patentwesen und bot denjenigen, die eine Erfindung erfolgreich zum Patent angemeldet hatten, auch erstmals eine gesicherte gewerbliche Anwendbarkeit ihrer Erfindung jenseits der Grenzen des eigenen Bundesstaates“, berichtet das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA). Der gewerbliche Rechtsschutz sei folgerichtig in der Hochindustrialisierung in Deutschland und in vielen Ländern Europas entstanden.
Die Patentschrift Nr.1 ist für das „Verfahren zur Herstellung einer rothen Ultramarinfarbe“ von Johann Zeltner aus Nürnberg am 2. Juli 1877 vergeben worden. Im selben Jahr wurde das Patent Nr. 1250 für die von Karl Linde aus München erfundene „Kälteerzeugungsmaschine“ angemeldet.
Das Deutsche Patent- und Markenamt mit seinen Dienststellen in München, Jena und Berlin prüft heute mit rund 2800 Mitarbeiterin Erfindungen, erteilt Patente, registriert Marken, Gebrauchsmuster und Designs, verwaltet Schutzrechte und informiert die Öffentlichkeit darüber. „Unser gesetzlicher Auftrag ist der Schutz des geistigen Eigentums“, sagt das DPMA über sich selbst. Mehr Infos gibt es unter www.dpma.de
Topfdeckel mit Pfiff
Tischlermeister Hans-Josef Raters aus Harkebrügge entwarf 1977 einen Bausatz für Kleinmöbel und ließ diesen patentieren. Aus vorgebohrten Holzträgern sowie Stangen und Brettern konnten Regale oder Stühle zusammengesteckt werden. Der Unternehmer Raters war auch in seiner Gemeinde engagiert, so war er Mitgründer des Aktivkreises und entwarf und zeichnete das Wappen für Harkebrügge, das den Junker Harke zeigt.
Weltweite Verbreitung
Eine „Maschine zur Fertigbearbeitung von Zahnrädern“ hat Günter Kehr 1963 zum Patent angemeldet, in Barßel gebaut und weltweit verkauft. Der Ingenieur und Chef der Maschinenfabrik Kehr und Wichmann wird in einem Artikel der NWZ von 1969 als „Selfmademan“ bezeichnet. „Er, ein gebürtiger Thüringer, der 1945 in einem Bremer Kohlenkeller als ehemaliger Obermechaniker der Reichsmarine alleine und mit leeren Händen inmitten der Trümmer des letzten Krieges eine bald gut florierenden Reparaturbetrieb gründetet“, habe 1964 den „Sprung auf die grüne Wiese“ gewagt. Dort gab es Arbeitskräfte. Weiter heißt es: „Das Unternehmen, in Norddeutschland führend auf dem Sektor der Herstellung von Entgratungsmaschinen – Maschinen, die zum Beispiel einem grob gefertigten Zahnrad in einem automatischen Arbeitsgang den letzten Schliff verpassen“ – exportiere seine hochwertigen Erzeugnisse bis nach Indien und Japan.
Weniger Handarbeit
Nach und nach kamen Automaten auf, die den Menschen in der Produktion viel Handarbeit abnahmen. So entwickelte der Bayer Josef Raschke 1974 für die Barßeler Firma Fopac Maschinenbau – heute Focke Packaging Solutions – eine „Vorrichtung zum maschinellen Auffalten von Kartons und Verschließen beziehungsweise Verkleben der Klappen der Böden“. Fopac ist Inhaber des Patents. Raschke hat später bei Siemens Dutzende weitere Entwicklungen auch im Bereich Verpackung und Logistik gemacht, die Siemens angemeldet hat. Denn das ist heutzutage häufig der Fall: Bei Patenten werden die Entwickler, die die Neuerungen in ihrer Arbeitszeit in den Werkstätten ihres Arbeitgebers ausgetüftelt haben, als Erfinder gelistet. Anmelder und Inhaber des Patents ist aber häufig die jeweilige Firma. Denn das Verfahren, für das es inzwischen spezialisierte Anwälte gibt, ist nicht unbedingt kostengünstig.
Mehr Sicherheit
So war es auch bei Udo Mielke aus Barßel und Bernd Schröer aus Edewecht: Sie entwickelten 1983 für die Ammerländer Fleischwarenfabrik Meica in Edewecht eine Maschine, die Würstchen in das Würstchenwasser drückt, bevor die Würstchendose verschlossen wird.
Denn bis dahin mussten die Würstchen, die in Lake hoch schwammen, von Hand wieder zurückgeschoben werden, um einen Deckel aufzusetzen. „Bei schnell laufenden Zudeckelmaschinen ist das Eindrücken der Würstchenenden von Hand schwierig und vor allem gefährlich“, heißt es in der Patentschrift.
Udo Mielke und Bernd Schröer lösten das Problem elegant durch eine drehbare, passend geformte Scheibe, die die Würstchen direkt vor der Zudeckelstation in die Dose eindrückt.
