Ramsloh - Für Germanistik-Dozent Malven Mambo (32) und seine Frau Mirandah Nkala (26), die Krankenhaus-Rezeption war, beginnt in dieser Woche ein ganz anderes Leben: Mambo startet in eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker und Nkala arbeitet als Pflegehelferin in einem Altenheim.
Mit Hilfe einer befreundeten Familie aus Friesoythe fand das Paar sowohl ihre Stellen in Ramsloh als auch eine kleine Wohnung in der Nähe. „Wir sind sehr dankbar“, sagt Malven Mambo. „Sie haben die Arbeit gemacht, die die Sozialarbeiter nicht gemacht haben.“
Politisch engagiert
Im März 2019 waren Mambo und Nkala aus Simbabwe nach Deutschland geflohen. Sie hatten sich politisch engagiert. Daraufhin wurden sie bedroht, Malven Mambo war zwei Mal verhaftet worden: „Wir haben die Regierung kritisiert. Wir haben Fragen zu Demokratie, Menschenrechten und Frauenrechten gestellt. In Simbabwe sieht die Regierung das als Verbrechen.“
Das Land Simbabwe erlangte 1980 Unabhängigkeit vom Großbritannien. Zunächst entwickelte sich das Land gut. Doch die soziale und politische Lage verschlechterte sich ab den 90er Jahren.
Schon ab 1980 war Robert Mugabe Regierungschef. Er regierte autokratisch. Dazu setzte er den Geheimdienst ein und ließ Oppositionelle verschwinden. Eine Verfassungsänderung 1988 machte Simbabwe zur Präsidialrepublik. Mugabe wurde Präsident mit den Befugnissen eines Regierungschefs.
Ab 2008 wurde erwartet, dass Mugabe sich zurückziehen werde. Tat er aber nicht. Bei den Wahlen traten massive Unregelmäßigkeiten auf, Mugabe gewann. Ebenso gab es 2013 Wahlbetrugsvorwürfe. 2017 wurde der Über-90-Jährige zum Rückzug gedrängt. Nur kurz hätten die Simbabwer Hoffnung geschöpft, berichtet Malven Mambo. Doch Nachfolger Emmerson Mnangagwa, ein Parteifreund Mugabes, sei nicht besser. Im Gegenteil. Mnangagwa war Mugabes Staatssicherheitsminister und soll für das Verschwinden von Tausenden von Oppositionellen verantwortlich sein.
Auch die jüngsten Wahlen 2018 sollen nicht sauber gelaufen sein. Im Januar 2019 löste die Polizei Demonstrationen mit Waffengewalt auf, bei denen Simbabwer gegen Benzinpreiserhöhungen demonstriert hatten.
Doch im Asylverfahren gab es Probleme, weil sie ein Visum für Großbritannien hatten. Das Bundesamt für Migration versuchte, sie dorthin abzugeben. „Am 2. September kam es zu einem Abschiebungsversuch nach Großbritannien“, berichtet Mambo. Die Polizei kam in der Nacht ins Flüchtlingsheim in Bösel und brachte sie zum Hamburger Flughafen.
Doch das Paar sprach mit dem Piloten und berichtete von der politischen Situation in seinem Heimat und dass Großbritannien ein Abschiebe-Abkommen mit Simbabwe habe. Der Pilot habe ihnen geglaubt und sich geweigert, sie mitzunehmen. Deutschland war dadurch gezwungen, sich um das Asylverfahren zu kümmern. Im April dieses Jahres hatten Mambo und Nkala ihre Anhörung.
„Jetzt warten wir auf den Asylbescheid“, sagt Mambo. „Aber in der Wartezeit haben wir gedacht: Es ist besser, dass wir hier was machen.“ Warten sei das Schlimmste. „Wenn man im Flüchtlingsheim sitzt und auf den Bescheid wartet, ist das Leben auf Pause. Ich will kein Geld vom Staat nehmen. Meine Frau und ich haben in Simbabwe fleißig gearbeitet.“
Arbeiten und Lernen
Die Anerkennung seiner Bachelor-Abschlüsse in Germanistik und Linguistik und sein Master in Germanistik würde mindestens 1000 Euro kosten. Eine Stelle zu bekommen, ist dann immer noch nicht garantiert. „Ich kann arbeiten, ich kann was Neues machen, was Handwerkliches“, sagt Mambo. Wieder mit 16- oder 18-Jährigen zur Berufsschule zu gehen als 32-jähriger Uni-Dozent – das werde sicher eine neue Erfahrung.
Auch Mirandah Nkala, die ohne Deutschkenntnisse angekommen ist, hat bereits eine Deutschprüfung bestanden. Die Arbeit als Pflegehelferin ist auch für sie ein erster Schritt. Sie würde gerne eine Ausbildung als Krankenschwester machen, doch dafür muss sie erst Deutsch auf dem Level B2 nachweisen.
Eine zusätzliche Hoffnung hat das Ehepaar: „Wenn andere Flüchtlinge von unserer Geschichte erfahren, fassen sie vielleicht auch Mut, eine Ausbildung zu machen“, sagt Malven Mambo.
