Ramsloh - Die zahlreichen Bauern-Demos in den letzten Monaten haben es gezeigt – die Schere zwischen Landwirten und Lebensmitteleinzelhändlern (LEH) wird größer. Jetzt sorgt Deutschlands größter Lebensmittelhändler für mehr Aufruhr in der Milchbranche. Edeka fordert in einem Brief an die Molkereien spezielle Tierwohlkriterien in der Milchproduktion. „Der Druck auf uns Milchviehhalter wird immer größer. Der Lebensmitteleinzelhandel stellt immer mehr Forderungen“, sagt Gerhard Kramer, Landwirt und Milchviehhalter aus Ramsloh.
Vier Forderungen
Edeka hat vier Forderungen gestellt: Keine Fütterung von gentechnisch verändertem Soja, fristgerechte Meldung von Schlachtbefunddaten, Antibiotika-Monitoring und keine Schlachtung trächtiger Milchkühe. „Eigentlich machen wir das alles jetzt schon. Die Milch ist frei von Gentechnik, die Dokumentationspflicht ist schon sehr hoch, jeder Medikamenteneinsatz wird festgehalten und trächtige Kühe schlachten wir nicht, es sei denn es ist eine Notschlachtung“, sagt Kramer, der den Betrieb seines Vaters übernommen hat. Er möchte auch nicht bewerten, ob diese Forderungen jetzt richtig oder falsch sind. „Aber es wird zurzeit nur noch mit unterschiedlichen Standards gearbeitet – das sollte so nicht weiter gehen“, sagt der Junglandwirt.
Damit spielt Kramer, als Beispiel, auf die kürzlichen Engpässe in der Milchlieferung an, die unter anderem dazu führten, dass Milch aus Tschechien in Supermarkt-Regalen in unserer Region landete. „Klar es gibt EU-Standards, aber komischerweise wird in Deutschland zurzeit noch einmal 100 Prozent mehr verlangt“, so Kramer. Er sieht dafür nicht unbedingt die Politik sondern vor allem den Lebensmittelhandel in der Pflicht. „Wir erfüllen schon so viele Forderungen, jetzt muss auch mal etwas von den Händlern kommen“, ärgert sich Kramer. Dabei denkt er auch an den Kunden, der bei Eigenmarken nur an einer kleinen Identitätskennzeichnung sehen kann, woher die Milch wirklich kommt: „Wer die Milch zu einem gewissen Preis kauft, sollte sich auch sicher sein, dass diese Milch den Standard erfüllt. Der Verbraucher muss sich in dieser Sache sicher seien können.“
33 Cent für den Liter
Zurzeit bekommt Kramer für einen Liter Milch 33,5 Cent pro Liter. Die Milch seiner rund 200 Kühe wird in der Molkerei Ammerland bei Wiefelstede weiterverarbeitet. Doch einfach nur füttern und melken reicht heute nicht mehr aus. „Alle drei Jahre wird der Betrieb geprüft“, sagt Kramer und zeigt unserer Redaktion sogenanntes „QM-Milch-Audit“. Darin werden zahlreiche Prüfkriterien aufgestellt und dokumentiert. Unter anderem geht es dabei um den tierärztlichen Betreuungsvertrag, Klauenpflege, Bestandsregister, Reinigung und Desinfektion der Melkanlage oder auch um Notstromaggregate.
