Barßel - Es war wohl das am emotionalsten diskutierte Thema der vergangenen Jahre in der Gemeinde Barßel – der Rathaus-Neubau. Jetzt ist die Debatte um das in Bau befindliche Projekt in der Gemeinderatssitzung am Montagabend im Gasthof Herzog wieder hochgekocht. Zwar setzte sich wie zu erwarten die CDU/FDP-Fraktion mit ihrer Mehrheit durch, doch es gab noch einmal viel Gegenwind von SPD, Grünen und Bürgerfraktion.
Von 123 auf 152 m²
Zu Beginn der Sitzung stellte Architekt Christian Bär die Planungen für den Saal im neuen Bürgerhaus vor. Ursprünglich waren 123 Quadratmeter vorgesehen. Doch dann sei deutlich geworden, dass diese für eine Reihenbestuhlung für 150 Personen nicht ausreichen. „Es soll ja kein reiner Ratsaal werden, sondern ein Multifunktionsraum. Um dabei eine größtmögliche Flexibilität zu gewährleisten, würde ich auf jeden Fall empfehlen, den Saal in der Breite um zwei Meter zu verlängern. Damit würde die Grundfläche 152 Quadratmeter enthalten“, so Bär.
Zum Vergleich brachte die Verwaltung die öfter vom Rat genutzten Säle der Baptisten und der katholischen Kirchengemeinde ins Spiel. Diese sind beide über 150 Quadratmeter groß. Diese zwei Meter mehr gibt es aber natürlich nicht umsonst – es würden Mehrkosten in Höhe von 210 000 Euro entstehen.
Hochbau: 13,4 Millionen Euro
Abriss altes Rathaus: 156 000 Euro
Außenanlagen/Tiefbau: 1,6 Millionen Euro
Erwerb bewegliches Vermögen: 334 000 Euro
Städtebauförderung Außenanlagen: - 1,1 Mio. Euro
Städtebauförderung Bürgerhaus: - 2 Millionen Euro
Förderung KfW: - 549 000 Euro
Endsumme (inklusive Fördermittel): 11,8 Millionen Euro
Endsumme (ohne Fördermittel): 15,5 Millionen Euro
„Wir verrennen uns mit diesem Bau. Jedes Unternehmen würde jetzt Abstand nehmen von so einem Bau. Ich sehe nicht die Funktionalität, die die aktuell hohen Kosten rechtfertigt“, sagte Hannes Coners, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Ähnlich äußerte sich auch Hartmut Wrede von der SPD-Fraktion: „Die Kosten werden immer weiter steigen. Man spricht im Ort schon vom Schloss an der Soeste. Wir von der SPD sind ganz klar gegen diesen Bau.“ Eine Sanierung des alten Rathauses wäre der Bürgerfraktion lieber gewesen. „Mittlerweile stehen schon 15 Millionen Euro im Raum. Dafür hätten wir das bestehende Rathaus auf jeden Fall sanieren können. Und wir hätten schon mehr Straßen sanieren können“, sagte Hubert Niemeyer von der BfB.
Bürgermeister Nils Anhuth versicherte, dass man mit den Ratssitzungen auch weiter durch die Ortschaften ziehen werde. „Der Vergleich mit dem Straßenausbau hinkt, da es hier immer auf die Fördermittel ankommt, die vom Land fließen“, so der Bürgermeister. Im Punkt Fördermittel meldete sich SPD-Fraktionsvorsitzende Julia Thoben zu Wort: „Die Fördermittel für den Rathaus-Neubau sind ja immer noch nicht sicher. Das ist auch noch ein großer Punkt in der Rechnung“, sagte Thoben (siehe Infobox).
Kein späterer Anbau
In diesem Zusammenhang betonte Architekt Christian Bär noch einmal, dass eine Entscheidung für die Vergrößerung sehr wichtig sei. Ein späterer Anbau sei nicht möglich.
Die CDU/FDP-Fraktion konnte die Aufregung nicht ganz verstehen. „Man kann aktuell noch gut absehen, wohin kostentechnisch die Reise hingeht. Durch den politischen Gegner und das Bürgerbegehren haben wir bereits viel Zeit verloren. Für uns ist es sicher, dass hier mitten im Ort mit dem Bürgerhaus ein neues Juwel entsteht“, sagte Hans Geesen. Mit der Mehrheit der CDU/FDP-Fraktion wurde somit den vorgelegten Planungen zum 2. Bauabschnitt inklusive der Erweiterung des Saals um zwei Meter zugestimmt.
