Cloppenburg - Zu wenige Frauen in den Führungspositionen – das will und muss die Cloppenburger Stadtverwaltung ändern. Denn bis 2025 gilt per Gesetz für den öffentlichen Dienst die Ziellinie der „annähernden Parität“ auf allen Führungsebenen – bedeutet: etwa 50 Prozent Frauen in Führungspositionen. Um dieses Ziel zu erreichen und zu schauen, woran es bei der Stadt Cloppenburg hakt, wurde ein Fragebogen erstellt und die Arbeit der Stadtverwaltung genauer unter die Lupe genommen. Betreut wurde diese Arbeit von der Universität Vechta und der Technischen Universität Berlin.
Sicht der Verwaltung
Vorgestellt wurden die Auswertungen am Montagabend in der Ratssitzung von Constanze Connearn und Celina Besmer von der TU Berlin. Dabei wurde als eine wichtige Handlungsempfehlung herausgearbeitet, dass die Stadtverwaltung ihre Position zur Gleichstellung stärker herausstellen solle. Das solle unter anderem durch ein Leitbild geschehen, das durch einen Gleichstellungsplan erweitert wird. Hier sollen konkrete Ziele und eine konkrete Strategie erarbeitet werden. Auch könnte nach Angaben von Connearn und Besmer die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten eine Vollzeit-Stelle werden.
Mehr Sicherheit
Außerdem sollen sich Frauen bei der Stadt sicherer fühlen. So sollen Maßnahmen erarbeitet werden, die auf sexistisches Verhalten erfolgen. Eine Empfehlung ist auch ein Anti-Diskriminierungstraining für alle Mitarbeitenden. Eine Sprechstunde für Frauen könnte in diesem Zusammenhang das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen erhöhen. Dabei haben 52 Prozent der Mitarbeiterinnen, die sich an der Umfrage beteiligten, nicht das Gefühl, dass Frauen bei der Stadtverwaltung wegen ihres Geschlechts negative Erfahrungen machen. Allerdings glauben 36 Prozent, dass Frauen weniger ernst genommen werden oder ihnen weniger Respekt entgegen gebracht wird. 16 Prozent sagen außerdem, dass sich weniger nach den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen gerichtet wird.
Bewerbungsprozesse
Zwar bewerben sich Frauen für Führungspositionen, aber sie werden nicht eingestellt oder befördert, heißt es in der Auswertung. Laut der Befragten würde die Auswahl der Bewerber dafür sorgen, dass Frauen in Führungsposition fehlen. Auch mögliche Gründe lieferten die Studentinnen der TU Berlin mit: Frauen werden tendenziell mit zweierlei Maß gemessen und häufig würden Männer für Führung ausgewählt.
Um hier gegenzusteuern soll der Verwaltungsausschuss paritätisch besetzt werden, außerdem wird eine Schulung für Entscheidungsträger in der gendersensiblen Auswahl von Führungskräften vorgeschlagen. Online-Tools können Neutralität in der Vorauswahl erhöhen und potentielle Führungskräfte sollten gendersensibel angesprochen werden. Das kann zum Beispiel durch die Veröffentlichung der Ausschreibung in spezifischen Netzwerken geschehen. Ob es hier Fortschritte gibt, kann über die Anzahl der Bewerberinnen auf Führungspositionen überprüft werden.
Die Umfrage hat zudem ergeben, dass Frauen vor allem dann gern eine Führungsposition übernehmen, wenn der Job mit dem Privatleben vereinbar ist und die Fähigkeiten akzeptiert und anerkannt werden. Deswegen sollen bestehende Maßnahmen zur Frauenförderung – wie Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Teilzeit bei Pflege Angehöriger – bekannter gemacht werden. Vorgeschlagen wird auch ein Talentmanagement für Frauen, auch könnten Mentorenprogramme oder Netzwerke unter Frauen helfen und bestärken.
Die Reaktionen
„Wir hätten uns um das Thema schon viel früher kümmern müssen. Eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte reicht nicht“, kommentierte Jutta Klaus (UWG). Teilzeit ist für Klaus der „Karrierekiller“, dies dürfe so nicht bleiben. „Ich stehe bei der Cloppenburger Stadtverwaltung für Frauen in Führungspositionen. Ich habe nicht das Gefühl, dass der Aufstieg von Frauen in Führungspositionen hier verhindert wird“, sagte Stadträtin Stefanie Lübbers. Sie lehnt eine 50-Prozent-Quote für Frauen ab und will einen Spitzenjob auf Grund ihres Könnens und nicht auf Grund einer Quote bekommen. Sie betonte, dass Frauen in jüngster Zeit häufig qualifizierter als ihre männlichen Mitbewerber seien und die Verwaltung so automatisch immer weiblicher werde.
