Bad Wildungen/Garrel - Holz ist Johannes Kühling (20) und Mark Diekwessels (22) in die Wiege gelegt: In ihren elterlichen Betrieben haben sie früh mit angepackt. Die Ausbildung zu Holzbearbeitungsmechanikern in der Fachrichtung Sägeindustrie war dann fast folgerichtig. „Ich hatte da Bock drauf“, sagt Johannes Kühling, Spross der Sägerei Hans Kühling in Garrel in der vierten Generation. Mit Mark Diekwessels tritt bereits die fünfte Generation in das Sägewerk F. J. Diekwessels in Damme ein.
Dass die frisch gebackenen Sägewerker etwas von ihrem Fach verstehen, haben sie bei der Abschlussprüfung eindrucksvoll bewiesen: Johannes Kühling, der seine Ausbildung bei der Heinrich Holtmeyer und Sohn GmbH (Ottersberg) absolvierte, erreichte mit einem Notendurchschnitt von 1,0 den besten Abschluss, Mark Diekwessels, der bei der Sägerei Kühling in Garrel ausgebildet wurde, kam auf einen Schnitt von 1,8 und war damit – gemeinsam mit einem weiteren Auszubildenden – zweitbester Auszubildender des Jahrgangs mit insgesamt 24 Azubis.
Neue Eindrücke
Beide haben die eigentlich dreijährige Ausbildung um ein Jahr verkürzen können: Johannes Kühling wegen seines Abiturs, Mark Diekwessels wegen seiner Tischler-Ausbildung. Neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln – das hatte sie dazu veranlasst, sich nicht im elterlichen Betrieb ausbilden zu lassen. Zum Blockunterricht – sechs jeweils fünf- bis sechswöchige Einheiten – ging es an die Holzfachschule nach Bad Wildungen.
Den gesamten Weg der Verarbeitungskette vom Rohstoff bis zum Produkt lernten sie während der Ausbildung kennen. Von der Palette bis zum Unterlegholz, stellt ein Sägewerker in seinem Job für die Industrie her. Holzkunde, Holzqualität, Anlagen- und Maschinentechnik oder Holztrocknung waren Unterrichtsfächer, daneben auch Mathe oder Politik.
Spielturm berechnen
Einen Teil davon mussten sie in der Prüfung, die aus einem theoretischen und einem praktischen Teil bestand, zeigen. In der Theorie sollten sie etwa am Beispiel eines Spielturms berechnen, welche Kanthölzer mit welcher Länge sie dafür benötigen würden. Auch die Preiskalkulation zählte zur Aufgabe.
Im praktischen Teil ging es darum, Rundhölzer einzuteilen, nach DIN-Normen zu sortieren oder zu besäumen – also die Baumrinde abzutrennen – und Werkzeuge instandzusetzen.
„Sehr vielseitig“ finden Johannes Kühling und Mark Diekwessels die Ausbildung – und gleichzeitig schade, dass nicht mehr junge Menschen den Weg wählen.
Das spürt auch Firmenchef Hans-Jürgen Kühling. „Auszubildende zu finden, ist wirklich schwer.“ Der Beruf sei zu unbekannt, kaum jemand wisse, wie vielseitig die Ausbildung sei. „Alle paar Jahre“ findet Kühling einen Auszubildenden. Durch Zufall startet aber im August schon ein neuer Azubi bei ihm.
Borkenkäfer und Klimawandel setzen den Wäldern arg zu. Das spüren auch die Sägereien. „Holz gibt es derzeit im Überfluss“, sagt Hans-Jürgen Kühling – „vor allem Fichten.“ Noch. Auch der Umbau der Wälder – weg von Fichten, hin zu widerstandsfähigeren Mischwäldern – hat Auswirkungen auf die Branche.
Ihre Zukunft packen auch Johannes Kühling und Mark Diekwessels an: Kühling will nach der Lehre studieren: Wirtschaftsingenieurwesen, voraussichtlich in Münster. Diekwessels will erst einmal Berufserfahrung sammeln und dann den Meisterkursus besuchen. Und wohl dann auch selbst ausbilden.
