Altenoythe - Gespannt, geschockt und durchweg kalt – so müssen sich viele Altenoytherinnen und Altenoyther am Donnerstagabend in der Dreifaltigkeitskirche gefühlt haben. Seit zwei Jahren funktioniert dort die Heizung nicht, ein Notgerät schafft nur wenig Abhilfe. Aber das ist nur der Anfang: rund eine Million Euro würde eine Sanierung des Gebäudes von 1972 kosten. Bei der St.-Vitus-Kirche sind es inklusive Kirchenmauer sogar 1,6 Millionen. Das waren die Zahlen, die die Pfarrei St. Marien in ihren beiden Sanierungskonzepten für die Gotteshäuser den Gemeindemitgliedern vorstellte. Altenoythe braucht zum Erhalt der Kirchen also rund 2,6 Millionen Euro.
Dreifaltigkeitskirche
Als die Dreifaltigkeitskirche 1972 erbaut wurde, plante man noch ganz anders. Das wurde in dem Sanierungskonzept deutlich, welches Edith Hemmen-Glup im Auftrag der Kirchengemeinde erarbeitet hatte und am Donnerstagabend vorstellte. Die Liste der Mängel ist lang. Der Sanierungsbedarf an der Hülle: Verblender und Stahlbetonskelett, Fugarbeiten, Dackdeckerarbeiten, Leckagen und Notüberläufe, zusätzliche Fallrohre, Eingangstüren, Barrierefreiheit herstellen und Erneuerung der Fenster. Gerade der letzte Punkt bereitet große Schwierigkeiten. „In dieser Kirche sind vier verschiedene Fenstertypen verbaut – Waben, Buntglas, Blei und Holz“, sagte die Friesoyther Architektin. Gerade die charakteristischen Wabenfenster seien fast nicht zu dämmen und müssten eigentlich ausgetauscht werden. „Dann würde der eigentliche Charakter des Gebäudes natürlich gänzlich verloren gehen“, so Hemmen-Glup.
Innen sieht es nicht besser aus. Neu muss: Elektrik, Zuleitung, Lautsprechertechnik und vor allem die Heizung. „So eine Warmluftheizung wird heute gar nicht mehr verbaut“, sagte die Architektin. Da es sich um einen sehr großen Kirchenraum handelt, muss die Heizung auch leistungsstark sein. „Wurde bei der Planung auch über eine energetische Sanierung nachgedacht? Ich denke an eine Photovoltaikanlage oder neue Dämmung?“, fragte der Altenoyther Heinz Lübbers. Hemmen-Glup verneinte dies. „Es geht hier erst einmal um den Erhalt des Gebäudes. Energetische Maßnahmen würden dann noch dazukommen“, sagte sie.
Vituskirche
Mehr als eine Million muss für die St.-Vitus-Kirche aufgebracht werden. Beim denkmalgeschützten Bau aus dem 9. Jahrhundert muss der Dachstuhl, das Fundament, das Mauerwerk und der Turm instand gesetzt werden. Die Liste der Innensanierung ist noch deutlich länger. Insbesondere muss die Ausstattung überarbeitet und der Putz erneuert werden. Die Elektrik ist auch hier veraltet und die Heizungsanlage bedarf einer Renovierung. „Wir müssen hier im denkmalgeschützten Bereich ganz anders arbeiten. Man macht nur so viel wie nötig, um den historischen Charakter und die alten Züge der Kirche zu erhalten“, sagte Gerd Janssen aus Völlenerkönigsfehn, der die Sanierung von St. Vitus geplant hat.
Auch die St.-Vitus-Kirche in Altenoythe muss in Zukunft saniert werden.
Im Außenbereich der Kirche wurde auch die historische Mauer mit in die Planungen einbezogen. Für die Sanierung der alten Steine sind rund 255.000 Euro veranschlagt worden. Viele Gäste der Veranstaltung waren erstaunt, wie die Sanierung einer schlichten Mauer so viel Geld kosten kann.
Zukunft
„Wer soll das bezahlen?“ war eine der Hauptfragen am Donnerstagabend. „Man kann davon ausgehen, dass durch Fördermittel ungefähr die Hälfte der Kosten gedeckt sind“, versicherte Kirchenprovisor Alois Bojer. Beim Bischöflich Münsterschen Offizialat (BMO) hat er bereits angefragt, mit welchen Fördermitteln die Gemeinde rechnen könne. „Ich habe leider keine Antwort erhalten“, sagte er ernüchternd. 2018 wurde bereits ein innovatives Raumkonzept für die Dreifaltigkeitskirche für rund 1,3 Millionen Euro erstellt. Dies wurde 2020 aber vom BMO abgelehnt.
Die Kirchenmauer an der St.-Vitus-Kirche ist ebenfalls in einem schlechten Zustand.
Angesprochen wurde auch die mögliche Schließung oder Veräußerung der Dreifaltigkeitskirche. „Sicher ist, dass wir uns in Zukunft neu aufstellen müssen, denn die Zahl der Gottesdienstbesucher geht weiter zurück. Aber noch ist nichts entschieden“, sagte Pfarrer Christoph Winkeler. Entscheiden soll jetzt der Kirchenausschuss in einer der nächsten Sitzungen. Die Zeit drängt bereits, da manche Fördermittel befristet sind. Gleichzeitig machte der Geistliche aber auch klar, dass die Kirchengemeinde keinen Plan B hat, falls das Geld nicht aufgebracht werden kann.
