Scharrel - Die Corona-Krise hat viele Unternehmen hart getroffen, so auch die Baumschule Saterplant aus Scharrel. „Der Beginn der Corona-Krise Mitte März traf uns am absoluten Höhepunkt der Hauptsaison für Heckenpflanzen und brachte das Geschäft fast vollständig zum Erliegen“, berichtet Geschäftsführer Jan Schlangen. Grenzen schlossen sich, Käufer aus ganz Europa zogen Aufträge zurück. Auch, als erste Geschäfte wie Baumärkte in Deutschland wieder öffneten, hätten sich Einkäufer aus Angst vor erneuten Geschäftsschließungen mit Bestellungen extrem zurückgehalten, so Schlangen.

„Nach den zeitversetzten, ungleichmäßigen Öffnungen der Verkaufsflächen nach Ostern wurde unsere Ware traditionell durch Beet und Balkon verdrängt. Dort wurden dann sehr gute Absätze erzielt – in unserem Marktsegment sieht die Situation jedoch gänzlich anders aus“, erklärte der Geschäftsführer. „Die Krux dabei: Nicht abverkaufte Ware wird bei uns umgehend zu Kompost. Jede verfügbare Fläche auf unseren gut 50 Hektar wird direkt für das Anlegen von Folgekulturen für die kommenden Jahre benötigt.“

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Und so wurde in den vergangenen Monaten aus Pflanzen im Großhandelswert von 1,4 Millionen Euro ein Kompostberg von gut 40 Metern Länge und sechs Metern Höhe. Schlangen hatte den 1975 gegründeten Betrieb, der sich auf die Produktionen von Heckenpflanzen in Töpfen spezialisiert hat, erst im Januar 2020 von seinem Vaters übernommen. Erste Investitionen sollten sich in diesem Jahr auszahlen – doch daraus wird wegen der Corona-Krise erstmal nichts.

Über die coronabedingten Probleme für seinen Betrieb hatte Schlangen auch die CDU-Bungestagsabgeordnete Silvia Breher, Mitglieder des Zentralverbands Gartenbau, des Bundes deutscher Baumschulen und weitere Fachvertreter bei einem Termin in Scharrel informiert. Denn: „Die diversen aufgelegten Hilfsprogramme verfehlen uns. Das deutsche Programm für Überbrückungshilfen vom 3. Juni 2020 greift erst ab einem Umsatzausfall von mehr als 50 Prozent, woran wir Gott sei Dank vorbeigeschrammt sind. Stünde mein Betrieb jedoch ein paar Kilometer weiter westlich – in den Niederlanden – wären immerhin 223 000 Euro als Hilfe in Sicht. Hier blicke ich auf eine für mich nicht nachvollziehbare Wettbewerbsverzerrung für deutsche Baumschulen.“

Für sein Unternehmen habe sich allein für die Zeit von Mitte März bis heute ein Umsatzausfall von rund 1,14 Millionen Euro ergeben, der über Kredite in fast gleicher Höhe abgefedert werden musste. Die Optionen, einen Betrieb mit rund achtzig Mitarbeitern mit solchen finanziellen Sonderbelastungen durch weitere Investitionen in Technologien und Maschinen wettbewerbsfähig halten zu können, seien dadurch kleiner geworden. „Es muss daher bei den Förderprogrammen nachgebessert werden“, so Schlangen.

Ein Lichtblick ergab sich für seinen Betrieb derweil an anderer Stelle. Die Baumschule arbeitet mit Studenten aus der Ukraine zusammen. Wegen der Corona-Krise konnten diese lange Zeit nicht einreisen. Am Montag sei nun wieder ein Flieger aus der Ukraine mit 47 Studenten in Deutschland gelandet, berichtet Seb Bley, Assistent der Geschäftsführung. Nach einer Quarantäne-Zeit sollen sie in der Baumschule eingesetzt werden, denn die letzten Hilfskräfte, die Ende April eingestellt wurden, haben an diesem Dienstag ihren letzten Arbeitstag. Damals war die Baumschule auf der Suche nach Arbeitskräften neue Wege gegangen und hatte über das Internet Neulinge auf dem Gebiet angeworben.