Barßel - Der Name „Seemannsdorf Barßel“ kommt nicht von ungefähr. Gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert war der Ort Heimat vieler Kapitäne, die auf zahlreichen Schiffen die Welt umsegelten. Zu diesen Schiffen, auf denen unter anderem Barßeler Seemänner am Steuer standen, zählt auch die „Meta von Brake“. Sie lief 1911 in Brake vom Stapel und war als großes Segelschiff in der Nord- und Ostseefahrt der Braker Reederei Oltmann eingesetzt. Jetzt soll die Meta unter ihrem neuen Namen „Brigantes“ eine ganz besondere Mission bekommen – und die führte die Familie Hülper jetzt zum Bürger- und Heimatverein Barßel (BHV).
Drittes Leben für Schiff
„Es ist ein ganz besonderes Schiff, das jetzt sogar noch ein drittes Leben erhält“, sagt Mareike Hülper-Gertjegerdes. Sie ist eine Urenkelin von Burchard Hülper, der ab 1914 Kapitän auf der Meta war, der sich auch mit Anteilen an dem Schiff beteiligte. Sie steht in Kontakt mit Oskar Kravina, der jetzt mit dem Schiff unter neuem Namen ein ganz besonderes Projekt starten will. Die jetzige „Brigantes“, zwischendurch hieß die alte „Meta“ auch mal „Onice“, soll als klimaneutrales Segelschiff Güter wie Kaffee über den Atlantik nach Europa bringen. Da Kravina sehr an der Geschichte des über 100 Jahre alten Schiffes interessiert ist, hat er zusammen mit Mareike Hülper den Bürger- und Heimatverein Barßel um Hilfe gebeten. „Auch wir sind sehr an der Geschichte dieses Schiffes interessiert, das zu Anfang fest in Barßeler Hand war“, sagte Otto Elsen, Vorsitzender des BHV Barßel, beim Treffen am vergangenen Mittwoch. Der Verein konnte Mareike und ihrem Vater Burchard Hülper zahlreiche Bilder des alten Schiffes zeigen.
Per Videoanruf wurde auch Oskar Kravina in Sizilien zugeschaltet. Er berichtete den BHV-Mitgliedern und der Familie Hülper über sein ambitioniertes Projekt, das schon seit rund acht Jahren läuft und im Frühjahr 2023 endlich starten soll. „Immer mehr Produzenten organischer Fairtrade-Produkte suchen nach ökologisch vertretbaren Transportwegen. Wir möchten dazu beitragen, diese Lücke zu schließen“, so Kravina. Neben dem ökologisch nachhaltigen Warentransport sollen zehn Passagiere an Bord Platz finden, die aktiv am traditionellen Segelbetrieb teilnehmen. Das Finanzierungskonzept orientiert sich an den früher weit verbreiteten „Partenreedereien“ und sieht 800 Teilhaber-Anteile zu je 1000 Euro vor. Das Schiff liegt zur Zeit in Trapani an der Westküste Siziliens vor Anker und wird dort aufwendig umgebaut.
Die Route führt das komplett generalüberholte Schiff unter anderem von Honduras aus über die Azoren nach Rotterdam. „So eine Reise dauert natürlich mehrere Monate. Das ist schon etwas anderes als mit einem Kreuzfahrtschiff“, sagt Projektleiter Kravina.
Legende war an Bord
Neben dem Vorfahren der Hülpers war auch eine echte Barßeler Legende ab 1911 am Steuer der Meta. Kapitän Heinrich Deters, der auch „Käpten Wind“ in Barßel genannt wurde, führte den Zweimaster zu Anfang.
Mehr als 40 Jahre stand er auf mehreren Schiffen auf der Brücke und erlebte in dieser Zeit den Übergang von der Segel- zur Dampfschifffahrt. Geboren wurde der Seemann 1883 in Barßel.
