Schneiderkrug - Teebeutel vergaben für die Wissenschaft – unter diesem Motto haben Mitarbeiter von GS agri am Standort Schneiderkrug Mitte Juli zwölf Teebeutel vergraben. Jetzt – 90 Tage später – wurden die Exemplare wieder ausgegraben. An zwei Standorten gräbt Frank Pelk, bei GS als Fachberater Ackerbau tätig, am Dienstagmorgen mit seinem Spaten. Das Experiment ist Teil der „Expedition Erdreich“, dabei handelt es sich um ein Citizen-Science-Projekt, bei dem bundesweit an 9000 Standorten der Boden mithilfe von Teebeuteln untersucht wird. Standort eins auf dem GS-agri-Gelände liegt zwischen Beet und Rasen.
Standort 1
Beim Auseinandernehmen der Erdmasse wird deutlich, dass sich viele Wurzeln durch den Boden ziehen. Auch einige Regenwürmer haben es sich dort gemütlich gemacht. Die Teebeutel sind relativ feucht und haben einige Löcher. Beim Aufschneiden wird klar, dass sich Pflanzen durch den Beutel gebohrt haben. „Die Wurzeln geben die Ausscheidungen der Pflanzen ab und das zieht beispielsweise Pilze an“, erklärt Pelk. Und die haben – ebenso wie wahrscheinlich einige Bodenbakterien – mit der Zersetzung des Tees im Inneren angefangen. Von diesen Teeblättern ist nämlich nicht mehr viel zu erkennen. Tiere haben sich aber nicht durch den Teebeutel gegraben.
Standort 2
Ganz anders sehen die sechs Teebeutel am zweiten Standort aus. „Die sehen aus wie frisch aus der Verpackung“, kommentiert Dr. Lina von Fricken die zweite Fundstelle. Diese liegt – extra ausgewählt – unter einer Linde. Der Boden ist sandiger und hier finden sich keine Tiere. Die Teebeutel sind deutlich trockener. Wurzeln haben sich über die Stelle gelegt, sind aber nicht durch die Beutel mit grünem Tee und Roiboos-Tee gewachsen. Beim Aufschneiden der Beutel wird deutlich, dass die Teeblätter noch sehr gut zu sehen sind – hier hat vermutlich wenig bis keine Zersetzung stattgefunden, mutmaßen die beiden GS-agri-Mitarbeiter. Das Bodenleben ist also – wie erwartet – eher mager bis nicht existent.
So geht es weiter
Die zwölf ausgegrabenen Beutel sollen jetzt noch gewogen werden, außerdem soll der pH-Wert des Bodens bestimmt werden. „Wenn dort viele Pilze leben, spricht das für einen tiefen pH-Wert. Bakterien mögen eher einen höheren pH–Wert. Sand beispielsweise hat einen pH-Wert von 5,5 bis 6“, erklärt Pelk.
Das Wiegen dient der Tea-Bag-Index-Methode. Mit diesem wissenschaftlich anerkannten Verfahren wird bestimmt, wie schnell Bodenorganismen Organisches abbauen. Die Zersetzungsrate ist ein Indikator für die biologische Aktivität im Boden. Allerdings sehen die beiden hierbei ein Problem. Denn alle Beutel sind schwerer geworden, weil sie im Boden feucht geworden sind oder noch Dreck an ihnen haftet.
Die Forschungsobjekte werden deswegen getrocknet und dann nochmal gewogen. So soll ein aussagekräftiges Ergebnis entstehen. Die Daten aus Schneiderkrug liefern Informationen dazu, wie es um den Boden in Deutschland bestellt ist. Die Ergebnisse werden außerdem in eine europäische Datenbank eingespeist und von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die Verbesserung von Boden- und Klimamodellen verwendet.
