Sedelsberg/Elisabethfehn - Wer schon einmal das Moor- und Fehnmuseum in Elisabethfehn besucht hat, der wird sicherlich auch die seit 2012 dort ausgestellte Moorleiche gesehen haben. Jahrzehnte lang war man bei der Leiche davon ausgegangen, dass es sich um eine Frau handelt. Erst Rechtsmediziner konnten diesen Irrtum im Jahre 2009 widerlegen.
Bis Halloween am 31. Oktober veröffentlicht die NWZ schaurige Geschichten oder Sagen aus dem Nordkreis. Im vierten Teil geht es um die 1939 in der Esterweger Dose gefundene Moorleiche.
Am 6. Mai 1961 berichtete die NWZ über den Arbeiter des Moorguts Sedelsberg, Heinrich Breer, der Ende Februar 1939 beim Torfstechen in der Esterweger Dose bei Sedelsberg auf einen menschlichen Oberschenkelknochen gestoßen war. Als er weitergrub, fand er etwas tiefergelegen dann den größten Teil des Skeletts und barg insgesamt 48 Knochen nacheinander aus dem Torf.
Alle Teile verpackt
Die Knochen lagen dicht über- und nebeneinander. „Weichteile sind nicht mehr vorhanden, nicht einmal alle Teile des Skeletts. Alle Knochenverbindungen, auch die festen Gelenke, waren gelöst; ebenso die Schädelnähte“, so der Artikel. Es wurde vermutet, dass die Knochen aus ihren Zusammenhang gelöst wurden, als sie in das Moor gerieten.
Fachleute des damals noch Staatlichen Museums für Naturkunde und Vorgeschichte in Oldenburg konnten die Moorleiche allerdings nicht mehr eingehend untersuchen. Alle Teile befanden sich bereits in eine Tüte verpackt auf dem Schreibtisch des Gutsverwalters. Das Pathologische Institut des Landes Oldenburg fand heraus, dass es sich bei der Moorleiche um eine 20 bis 40 Jahre alte Frau handelt, die etwa 1,5 Meter groß gewesen sein und ein Problem mit dem Hüftgelenk gehabt haben soll. Eine Pollenanalyse brachte zum Vorschein, dass sie vor etwa 800 bis 1000 Jahren gestorben war.
Seither war die Moorleiche, bisweilen auch die „Dame aus der Esterweger Dose“ genannt, im Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg ausgestellt. 2005 kam sie für die Zeit einer Dauerausstellung ins Moor- und Fehnmuseum. 2009 gab es dann einen Paukenschlag, als die Überreste erneut untersucht wurden.
Junge statt Frau
Die NWZ berichtete am 24. Juni des Jahres über Rechtsmediziner Klaus Püschel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zusammen mit weiteren Wissenschaftlern wurde via einer Knochenstrukturanalyse herausgefunden, dass es sich bei der Moorleiche nicht um eine Frau, sondern um einen zwölf- bis 14-jährigen Jungen, der Rechtshänder war, handelt.
Es wurde eine Computertomographie im Mikrobereich gemacht, die aufzeigte, dass der Junge erheblich gehbehindert gewesen sein muss. Beide Beine seien laut Püschel betroffen gewesen. Dadurch ergebe sich, dass der Junge nicht selber ins Moor gelangt sein könne.
Neben Püschel beschäftigte sich auch Paläopathologe Michael Schultz von der Uni Göttingen mit der Moorleiche. Laut NWZ-Bericht vom 26. Mai 2011 nahm er als Todesursache des Jungen eine Blutvergiftung in Folge einer Knochenmarkentzündung an.
Seit 2012 ist die Moorleiche wieder zurück in ihrer Heimat und als Dauerleihgabe im Moor- und Fehnmuseum ausgestellt.
