Sedelsberg - Zahlreiche Gastronomiebetriebe in Deutschland hoffen, endlich wieder ihre Türen öffnen zu dürfen. Wegen des erneuten Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie sind diese seit Monaten geschlossen. Seine Türen auch nach Aufhebung des Lockdowns nicht mehr öffnen wird das „Butzhus“ in Sedelsberg. Das gab Inhaber Gerd Deddens (55) am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion bekannt.
„Unabhängig werden“
„Wir schließen nicht aus wirtschaftlichen Gründen“, betont Deddens. Auch wenn der Lockdown sich natürlich bemerkbar gemacht habe. Man wolle nun andere Wege einschlagen. „Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen“, sagt der 55-Jährige. Es gebe Überlegungen, die Immobilie und das Grundstück an der Neuscharreler Straße anderweitig zu nutzen, auch, um unabhängig von möglichen weiteren Pandemien, Endemien oder Epidemien zu sein. Konkretes stehe noch nicht fest, einen gastronomischen Betrieb soll es aber nicht wieder geben.
Traditionsreicher Gasthof
Mit der Schließung des „Butzhus“ verliert Sedelsberg einen traditionsreichen Gastronomiebetrieb und beliebten Anlaufpunkt im Ort. Begonnen hatte dessen Geschichte im Jahr 1907, als Gerd Deddens Ur-Großvater Johann Deddens durch das Großherzogliche Amt Friesoythe die Konzession für den Gaststättenbetrieb ausgestellt bekam. 1960 hatten die Eltern von Gerd Deddens, Heinrich „Butz“ und Hanna, dann das „Butzhus“ am jetzigen Standort an der Neuscharreler Straße – gegenüber dem alten – neu errichtet und führten es bis in die 1990er Jahre. Vor mehr als 25 Jahren stieg dann Gerd Deddens in den elterlichen Betrieb ein und übernahm diesen in vierter Generation. Vor Übernahme der Gaststätte hatte der heute 55-Jährige eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert. Im Anschluss war er bei der Firma Unland als Assistent der Verkaufsleitung und später als Reisender im Außendienst tätig.
Mehr als 25 Jahre in der Gastronomie seien ein großes Zeitfenster. Mit 55 Jahren wolle er nun etwas Neues beginnen, so Gerd Deddens. Darüber nachgedacht, den Gasthof abzugeben, habe er schon länger. „Der Lockdown aufgrund der Pandemie hat beim Loslassen geholfen“, sagt Deddens.
Vereinslokal und Partys
Danken möchte Gerd Deddens seinen Gästen. Diese seien in den vergangenen Jahren ein tolles Publikum gewesen. Ebenso möchte er sich bei den vielen Vereinen und Gruppen bedanken, für die der Gasthof Stammlokal oder Versammlungsort in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten war.
Auch Partygänger zog es in den vergangenen Jahren des Öfteren an die Neuscharreler Straße. Zuletzt stieg im Butzhus im Sommer 2019 unter anderem die „Charts-Remember-Party“ und „Rock unter den Eichen“.
Zudem hatten 23 Kegelgruppen vor der Pandemie die Bahn im Gasthof regelmäßig genutzt. Sie müssen sich nun, ebenso wie einige Sedelsberger Vereine, einen neuen Versammlungsort suchen.
Zweite Schließung
Das „Butzhus Deddens“ ist innerhalb von sechs Monaten der zweite traditionsreiche Gasthof, der im Saterland schließt. Bereits Ende September hatten Maria und Bernhard Helmke altersbedingt den Betrieb des Strücklinger Hof eingestellt und Gebäude sowie Grundstück verkauft. Der neue Eigentümer hat das Gebäude abreißen lassen und will auf dem Grundstück an der Hauptstraße in Strücklingen Häuser bauen.
