Sedelsberg/Thüle - Wie so viele Bereiche hatten die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie auch das Kinderhaus Sedelsberg voll erwischt. „Corona war ein Einschnitt“, sagt Detlef Franke, Leiter der Jugend- und Familienhilfe Franke, zu der die Einrichtung gehört. Gerade während des ersten Lockdowns sei es besonders hart für die Kinder gewesen, berichten Franke und Geschäftsführerin Rabea Sievers im Gespräch mit unserer Redaktion.
Keine Familienbesuche
Die Jungen und Mädchen durften nicht zur Schule, konnten nicht raus und Freunde treffen, später nur einen oder eine, und sie durften nicht zu ihren Familien. Normalerweise können sie alle 14 Tage für ein Wochenende zu ihren Eltern sowie einige Zeit während der Ferien. Das sei während des ersten Lockdowns durch das Landesjugendamt untersagt worden, erklärt Franke. Nicht nur für die Kinder sei das schwer zu verstehen gewesen, sondern auch für die Eltern. Bei den weiteren Lockdowns sei aus den Erfahrungen gelernt worden, sodass Familientreffen möglich waren.
In Gesprächsrunden haben die Mitarbeiter mit den Kindern die Corona-Regeln und -Beschränkungen immer wieder besprochen. Darüber hinaus wurde versucht, den Alltag so angenehm wie möglich zu gestalten. Während der Lockdowns und der Zeit danach seien beispielsweise viele Gesellschaftsspiele gespielt worden. Auch Tagesausflüge wurden unternommen, jedoch sei durch die Corona-Pandemie die Spontanität verloren gegangen, sagt Sievers. Ausflüge seien aufwendiger geworden, beispielsweise mit Anmeldungen im Voraus. Auch die Freizeitmöglichkeiten für die Kinder und ihr alltägliches Leben seien weiterhin eingeschränkt, ergänzt Franke. Manche Hobbys – alle Kinder müssen mindestens eins haben – seien derzeit noch nicht möglich. Auch Sportaktivitäten seien lange Zeit ausgefallen. „Von den Kindern wird viel verlangt“, sagt Franke. Sie seien in der Pandemiezeit die Schwächsten.
Auch in der Tagespflege in Thüle habe es sich bemerkbar gemacht. Die Kinder seien während des ersten Lockdown oft auf sich alleine gestellt gewesen. Mit Videokonferenzen habe man versucht, den Kontakt zu halten. Bei den ersten Treffen danach seien einige durcheinander gewesen, die sozialen Kontakte fehlten. Es habe wieder eine gewisse Eingewöhnungszeit gebraucht, berichtet Franke.
Gruppe gestärkt
Die schwierige Corona-Zeit habe aber auch Gutes im Kinderhaus gehabt. „Die Gruppe hat es total gestärkt. Die Kinder sind zusammengewachsen“, betont Sievers. Konflikte habe es nicht viele gegeben. „Die Kinder haben es klasse gemacht“, sagt auch Franke. Sie hätten sich auch vorbildlich an die zusätzlichen Corona-Regeln gehalten. Und sie hätten gewusst, dass sie sich auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen könnten. Auch das Homeschooling, bei denen die betreuenden Mitarbeiter zu Aushilfslehrern wurde, habe insgesamt gut funktioniert – auch wenn es zu Beginn viel zusätzliche Arbeit gewesen sei.
