Barßel - Der Touristikverein Erholungsgebiet Barßel-Saterland funkt SOS: „Es fehlen uns nicht nur die Kapitäne, die so einen Musikdampfer gefahrfrei durch die Gewässer fahren dürften, sondern auch das Servicepersonal an Bord“, sagt Geschäftsführer Jens Lindstädt.
Kapitäne treten kürzer
Schon seit 33 Jahren steuert Herwig Grüssing aus Barßelermoor als Kapitän den Ausflugsdampfer „Spitzhörn“ sicher durch die Gewässer. Doch der 78-Jährige möchte in Zukunft ein wenig kürzertreten. „Ich denken ans Aufhören“, sagt Grüssing. Der zweite Mann auf der Kommandobrücke ist Karl-Heinz Meyer aus Rhauderfehn. Auch er möchte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.
140 Personen finden auf dem 1990 gebauten Schiff Platz. Im vergangenen Jahr fanden 170 Fahrten statt, bei denen 8416 Besucher vom Bootshafen aus befördert wurden.
Seinen Namen verdankt die Spitzhörn einer Landzunge im Barßeler Tief.
„Vertretungskapitäne, wenn Herwig oder Karl-Heinz krank sind oder Urlaub machen, bekommen wir kaum. Derzeit hilft uns Egon Buß aus Elisabethfehn aus“, so Lindstädt. Doch auch der möchte es ruhiger angehen lassen. „Ich bin mit 74 Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Es ist Zeit etwas kürzerzutreten“, so Buß, der das Binnenschifferpatent „Kanal und Rhein‘“ besitzt. Wegen der Personenbeförderung braucht der Kapitän ein gewerbliches- und kein Sportbootpatent“, erklärt Buß. Und ergänzt: „So einen Dampfer zu fahren macht Spaß. Ganz nebenbei kann man sich an der Natur erfreuen.“
Doch der Touristikverein in Barßel hat nicht nur Sorgen um zu wenige Kapitäne. Es wird auch eng beim Servicepersonal. Schließlich wollen die Fahrgäste mit Getränken, Kaffee, Tee und Kuchen versorgt werden. Auch beim An- und Ablegen ist Hilfe gefragt. „Aber auch hier ist es schwierig, Kräfte zu finden“ so Lindstädt.
Eine, die schon seit Jahren für das Wohl der Bordgäste sorgt, ist Helga Zimmermann. „Wir brauchen dringend Hilfe, sowohl bei den Fahrten in der Woche als auch am Wochenende. Die neuen Kräfte brauchen nicht immer zu fahren. Es brauchen auch keine gelernten Kräfte zu sein. Ob Mann oder Frau ist auch egal“, sagt Zimmermann. Allerdings sollten die Personen schon ein wenig flexibel und natürlich sehr zuverlässig sein. Infrage kommen auch Schülerinnen und Schüler, die einen Ferienjob suchen.
Von Ostern bis Oktober
Die Saison geht von O bis O, also Ostern bis Oktober. So werde es nun eng, wenn die „Spitzhörn“ zu den beliebten Ausflugsfahrten weiter ablegen soll, so die Servicekraft weiter. Seeleute gebe es in Barßel und Umgebung genug. Sogar mit dem Kapitänspatent A 6 „Große Fahrt“. Doch um auf der „Spitzhörn“ als Schiffsführer hinter dem Steuerrad zu stehen, benötigt man das Binnenschifferpatent, so Lindstädt. Das sei das Dilemma. Daher geht der Hilferuf von Lindstädt an alle Seeleute mit dem entsprechenden Patent. Natürlich ist auch ein entsprechendes Gesundheitszeugnis erforderlich. „Der Job wird entsprechend bezahlt. Die Familie kann stets kostenlos mitfahren und an Bord Kaffee, Tee und Kuchen genießen“, wirbt Lindstädt.
Auch die Skipper der Wassersportvereine hoffen, dass die „Spitzhörn“ weiter fährt. Denn dadurch wird die Fahrrinne nicht verschlammt. Wer Lust hat, Kapitän oder Servicekraft auf der MS „Spitzhörn“ zu werden, kann sich beim Touristikverein in Barßel unter der Telefonnummer 04499/938080 melden.
