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Studiobühne glänzt mit Stück von Brecht „Kleinbürgerhochzeit“ wird zum großen „Schandfest“

Martin Kessens
Die Trauungszeremonie wird argwöhnisch von den Hochzeitsgästen beobachtet. Überhaupt ist die ganze Veranstaltung von Missgunst

Die Trauungszeremonie wird argwöhnisch von den Hochzeitsgästen beobachtet. Überhaupt ist die ganze Veranstaltung von Missgunst

und Gehässigkeit geprägt. Martin Kessens

Cloppenburg - Nicht der Hochzeitsmarsch bildete den Auftakt der Premiere „Die Kleinbürgerhochzeit“ von Bertolt Brecht, sondern eine Solidaritätskundgebung mit dem Abspielen der ukrainischen Nationalhymne, zu der sich die mehr als 100 Zuschauerinnen und Zuschauer von den Plätzen erhoben. Doch danach nahm das Chaos seinen Lauf. Nach der Trauungszeremonie durch den Pastor (überzeugend gespielt von Klaus Lübbehüsen), der mit salbungsvollen Worten das Brautpaar in den heiligen Stand der Ehe führte, startete die eigentliche Hochzeitsfeier. Mit Sticheleien über den selbst gezimmerten Schrank des Bräutigams (spielfreudig und authentisch: Jan Nipper) und über das Ehebett feuerten sich die Hochzeitsgäste gegenseitig an, die Kleinbürgerhochzeit, aufgeführt von der Studiobühne, zu einer Farce werden zu lassen.

Nicht nur die Harmonie zwischen dem Brautpaar (die Braut, hervorragend gespielt von Melanie Müller), sondern auch zwischen dem befreundeten Ehepaar (sehr überzeugend Conny Pick und Michael Bertschik) ließ zu wünschen übrig. „Wenn du etwas halten willst, halt deinen Mund“, giftete die Freundin der Braut ihren Ehemann an, der zu einer Ansprache anhob. Der Alkohol floss, das Essen wurde serviert, und die Mutter des Bräutigams (sehr anschaulich: Ronja Deters) maßregelte ihren Sohn, den Keks nicht mit dem Messer zu schneiden, währenddessen der Vater des Bräutigams (Markus Buken) Geschichten, die niemand hören wollte, zum Besten gab. Seinen hervorragend gespielten alkoholisierten Zustand nahm man ihm ab.

„Seid mal lustig“

Die Aufforderung des Bräutigams „Seid mal ein bisschen lustig“ verpuffte, und die Schwester der Braut (glänzend: die 13-jährige Emma Gruchala) vergnügte sich derweil mit einem jungen Mann (ebenso glänzend Manuel Brockmann) bei einem Techtelmechtel. Der Brauttanz glich einem kleinen Skandal, denn den tanzten, sexuell geladen, der Bräutigam und die Freundin der Braut, begleitet vom Gitarrenspiel eines Freundes des Bräutigams (klasse: Chris Magiera), dem auch noch die Hose am kaputten Stuhl zerriss.

Harmonisch ging es eigentlich nur zwischen einem Freund des Bräutigams und der Brautjungfer (reife Leistung von Matthias Emke und Stefanie Seeger) zu. Zu allem Überfluss entlarvte die Freundin der Braut deren Schwangerschaft, und die Gäste verließen nach und nach die verunglückte Feier. Nach anfänglichem Streit und Frustration über das Hochzeitsfest (Die Braut: „Es ist zu einem Schandfest geworden“) kommt es noch zur Hochzeitsnacht im zusammenkrachenden Ehebett.

Starke Leistung

Eine außerordentliche Gesamtleistung des Ensembles, zu dem auch Anna Pick (Souffleuse), Marion Röper (Kostüme), Melanie Möller (Maske), Uli Haase (Bühnenbau), Tobias Block (Licht) und Frauke Nipper (Werbung) gehören, wurde mit langanhaltendem Applaus gewürdigt. Regisseur Dr. Hubert Gelhaus schaffte es, aus einem neu zusammengesetzten jungen Ensemble eine „Familie“ zu formen. „Es kommt nicht auf Teambuilding, sondern auf ,Family-Building an’“, sagte er. Er hat es verstanden, die Demontage der Fassade gutbürgerlicher Anständigkeit in Szene zu setzen.

Weitere Aufführungen: Dienstag, 22. März, 19.30 Uhr, und Sonntag, 27. März, 18 Uhr im Kulturbahnhof. Karten: bei der Buchhandlung Terwelp und an der Abendkasse.

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