Talsperre/Landkreis Cloppenburg - „Dass ich den Halbmarathon schaffe, sehe ich noch nicht. Erstmal die zehn Kilometer schaffen“, sagt Susanne Reich-Leifeld, während sie im für sie passenden Lauftempo an den violett-blühenden Heideflächen der Thülsfelder Talsperre vorbei joggt. Die Staatsforstenerin ist am Sonntagmorgen eine von über 20 Lauf-geht’s-Teilnehmern, die an der Talsperre einen besonderen Lauf absolvieren.
Normalerweise hätte jetzt der Jever-Fun-Lauf in Schortens angestanden – und damit gleichzeitig die sogenannten Meilensteinkontrolle, in der viele Läufer der NWZ-Aktion das erste Mal die zehn Kilometer knacken. Aber in Coronazeiten läuft eben vieles anders. Und so haben die Organisatoren gemeinsam mit den Trainern Andreas Kuhlen, Jan Pundsack, Michael Landwehr und Lidia Hartmann einen Alternativ-Lauf rund um die Talsperre organisiert.
Kribbeln im Bauch
„Beim Aufwärmen war’s sehr still, vielen waren wohl doch etwas nervös“, vermutet Trainer Kuhlen. Nervös war auch Cornelia Strickling, obwohl sie verletzungsbedingt am Sonntag leider pausieren musste. „Das Kribbeln im Bauch hat man bei allen gemerkt, die waren alle sehr angespannt“, sagt die Cloppenburgerin. Anstatt mitzulaufen feuerte sie die Teilnehmer an – und lieferte eine zweite Unterstützung. Für jeden Teilnehmer hatte sie ein Lebkuchen gebacken, ihn liebevoll verziert und mit Namen versehen. „Das Team hier ist toll. Wir motivieren uns gegenseitig“, weiß Strickling von den sonntäglichen Treffen.
Sie ist schon das dritte Jahr in Folge als Teilnehmerin bei Lauf geht’s dabei. Bevor sie mit dem Laufen startete, fühlte sie sich unwohl und nicht fit, wollte mit dem Programm etwas ändern. Auch ihre Ernährung stellte sie – wie in dem ganzheitlichen Programm vorgesehen – um. In diesem Jahr würde sie gerne ihre vorherige Halbmarathon-Zeit unterbieten.
Besonders schnell ist am Sonntag Daniel unterwegs gewesen. Der Friesoyther lief zuerst in einer kleinen Vierer-Gruppe, gab dann auf den letzten zwei Kilometern richtig Gas. „Ich war heute das erste Mal über zehn Kilometer unterwegs – und dafür lief es richtig super“, freut sich der Friesoyther. Er schätzt die Dynamik der Gruppe im Programm, war vorher weniger sportlich aktiv und freute sich deswegen umso mehr über seine neue Bestzeit. Das kühle alkoholfreie Bier im Zielbereich war so absolut verdient.
Mann überrascht
Kurz nach Daniel lief Susanne Reich-Leifeld in den Zielbereich – gemeinsam mit einer anderen Sportlerin als schnellste Frau der Gruppe. Ihr Mann Jörg ist schon da, „der hat Ehrgeiz“, kommentiert seine Frau das hohe Lauftempo. Mit der Teilnahme bei Lauf geht’s habe Reich-Leifeld ihren Mann überrascht – eigentlich sei er eher derjenige, der sportlich aktiv werden wolle. „Hat Spaß gemacht“, resümiert die Cloppenburgerin. Vor der Teilnahme bei Lauf geht’s habe sie nicht geglaubt, zehn Kilometer zu schaffen – da könnte der Halbmarathon jetzt doch ein neues Ziel sein.
Zufrieden ist auch Stefan Joppich aus Neumarkhausen. Er spielte bis zum 28. Lebensjahr Fußball, machte dann, sportlich gesehen, viele Jahre nichts. „Irgendwann kam der Punkt, wo ich was tun musste“, sagt Joppich, der das Training in der Gruppe schätzt. Die Herausforderung der nächsten Wochen sei es, das steigende Trainingspensum bis zum Halbmarathon Mitte Oktober zu bewältigen.
Aber erstmal triumphieren die Läufer über den ersten Meilenstein auf dem Weg zu über 21 Kilometern. Mit der Medaille um den Hals und der Urkunde in der Hand ist die Zufriedenheit in allen Gesichtern in dieser Woche wohl lange zu sehen – zu Recht.
