Strücklingen - Die ersten Kanus, besetzt mit Achtklässlern aus Papenburg, legen nach einer gut zweistündigen Tour wieder am Bootssteg in Strücklingen an. Die ersten sprinten zur Toilette. Peter Herrmann, Betreiber der Paddel-und-Pedal-Station, zeigt den übrigen Schülerinnen und Schülern, wie sie die Boote sauber machen können. Es ist seine letzte Saison an der Station.
Andere Prioritäten
„Ich habe gesagt, ich mache so lange, wie es mir Spaß macht“, sagt Herrmann. Und nicht bis zu seinem 70. Lebensjahr. „Ich beschäftige mich nicht so sehr damit, aber es könnte sein, das nächstes Jahr mein 70ster ist“, sagt der gebürtige Berliner. In den vergangenen zwei nicht einfachen Corona-Jahren habe der Spaß schon vor dem Saisonende ein Ende gehabt. „Und ich will mit meinem Wohnmobil losziehen und Europa erkunden.“
Zur Station war Herrmann zufällig gekommen. Er war mit seiner damaligen Partnerin ins Saterland gezogen, weil diese hier ihren Traumjob gefunden hatte. Mit seiner Internet-Agentur war er flexibel. Zufällig unterhielt er sich an PP-Station Rhauderfehn mit dem dortigen Betreiber und erwähnte, dass er eigentlich Erlebnispädagoge sei. Drei Tage später stand der damalige Leiter von Paddel und Pedal, Siegfried Kaiser, vor seiner Tür und sagte so etwas wie: „Sie wollen also die Paddel-und-Pedal-Station Strücklingen übernehmen?“ Der Rhauderfehner habe „gepetzt“, dass Herrmann jemand sei, der für die Aufgabe passte.
Doch tatsächlich sei es der richtige Job für ihn gewesen, sagt Peter Hermann. „Erlebnispädagogik ist Sozialpädagogik, da hast du mit den harten Sachen zu tun, das frisst dich auf. Du musst in der Lage sein, diese Dinge auf der Arbeit zu lassen.“ Das habe er nicht geschafft und mit 50 einen Burnout gehabt. „Hier war ich wieder an der Sache dran, es lief gut und machte mir einen Heidenspaß.“ Er entwickelte Programme für Klassen und Jugendgruppen, Sternschnuppen-Touren oder Kanu-Touren.
Bei der Planung der beliebten Deichpartie war Hermann mit dabei und als es darum ging, den Elisabethfehnkanal touristisch aufzuwerten, wurde er von der Bürgerinitiative „Rettet den Elisabethfehnkanal“ um Rat gefragt. Mit einem Freund zerbrach er sich den Kopf und entwickelte eine Möglichkeit mit dem eigenen Fahrrad auf dem Wasser unterwegs zu sein: das Rad2Kat.
Es besteht aus zwei Katamaran-Schwimmkörpern und einer Plattform auf der das Fahrrad eingespannt werden kann. „In der Corona-Zeit haben wir damit geworben: Hier ist der Abstand schon eingebaut“, sagt Herrmann.
Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin müsse Spaß an der Arbeit mit Menschen haben, Ideen und Vielseitigkeit mitbringen, sagt Herrmann. „Und man braucht zusätzliche Einnahmen. Nur mit Paddel und Pedal kommt man nicht über die Saison.“ Er selbst bot amerikanisches BBQ und andere Outdoor-Küche an und hatte viele Jahre noch einen Postdienst mit 16 Mitarbeitern.
„Kein Plan ist der Plan“
Derzeit bereitet sich Peter Herrmann – parallel zur den letzten Touren der Saison und den Übergabevorbereitungen – auf seine Reise mit seinem ausgebauten Mercedes-Lkw vor. Wo es hingeht und wie lange: „Kein Plan zu haben, ist der Plan.“
