Bösel - Die Bilanz an der Kreuzung Garreler Straße/Schäferstraße/Jägerstraße: 20 Unfälle in fünf Jahren, zehn davon mit Personenschaden. 14 Personen wurden leicht, eine schwer verletzt. Meistens wurden Fehler beim Abbiegen gemacht. „Und die vielen Beinahe-Unfälle sind dabei noch gar nicht erfasst“, wie CDU-Ratsmitglied Andre Brunemund bei einem Ortstermin am Donnerstagnachmittag anmerkte. Die CDU Bösel drängt auf eine Entschärfung der Kreuzung.
Trotz Tempo 50
Nicht viel gebracht haben die Tempo-50-Schilder, die seit Ende März nach einer Entscheidung der Verkehrskommission des Landkreises Cloppenburg aufgestellt wurden. Zwei von drei Unfällen in diesem Jahr haben sich trotz der neuen Schilder ereignet. Zuletzt gab es einen Zusammenstoß am Sonntagabend vor knapp zwei Wochen mit vier Verletzten. Die Polizei ermittelt gegen einen Transporterfahrer, der schon durch Bösels Ortskern gerast sein soll.
„Ob hier Schilder stehen, ist nicht kriegsentscheidend“, sagte Bösels Bürgermeister Hermann Block und hat vom Treffpunkt auf dem Feuerwehr-Parkplatz gleich ein Beispiel parat: „Gucken Sie mal hier“, sagt er und zeigt auf einen 30-Tonnen-Kipplaster, der mit deutlich mehr als Tempo 50 in den Ort reinrauscht. „An die Vernunft der Autofahrer haben wir genug appelliert. Das bringt nichts.“
CDU-Fraktionschef Ludger Beeken, der zu dem Treffen eingeladen hatte, würde sich einen Kreisverkehr für die unfallträchtige Kreuzung wünschen. Doch da konnte sein Bürgermeister ihm gleich vorrechnen: viel zu teuer. „Für einen Kreisverkehr ist Platz, aber finanziell ist das nicht umsetzbar.“ Das Land Niedersachsen werde – wie bei dem neuen Kreisverkehr an der St.-Cäcilia-Kirche – die günstigste Variante wählen: eine Ampelanlage. Wenn die Kommune dann einen Kreisverkehr bauen wolle, bekomme sie vom Land die fiktiven Kosten einer Ampel erstattet. Schätzungsweise 25 000 bis 30 000 Euro. Planungs- und Bauzeit für einen neuen Kreisverkehr? Circa drei Jahre, schätzt Block. Und die Kosten würden sicher 1,5 bis zwei Millionen Euro betragen, ohne Grunderwerb. Das könne sich Bösel nicht leisten.
Andere Lösungen
Auch andere Lösungen werden bei dem Treffen kurz diskutiert: Bodenwellen sind nur in Tempo-30-Zonen erlaubt. Tempo 30 bis zum Ortsausgang, um den Verkehr zu bremsen? Geht nicht, weil die 30-er-Zone innerorts bereits die maximal zulässigen 700 Meter lang ist, erläutert der CDU-Landtagsabgeordnete Lukas Reinken. Außerdem rechtfertige es die Bebauung nicht, die Geschwindigkeit so weit herabzusetzen.
„Dann wäre die schnellste Lösung eine Ampel“, fasst Ludger Beeken die Diskussion zusammen. Das sei zwar städtebaulich nicht so toll, ein Kreisverkehr sei immer vorteilhafter, wenn man fließenden Verkehr haben wolle, sagt Block: „Aber wenn wir nicht in der Kostenträgerschaft sind, ist das immer die Lösung.“ Hier wollen Block und Reinken zunächst auf dem „informellen Weg“ bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Geschäftsbereich Lingen anfragen.
Messpunkte finden
Und nebenbei erwähnt Block auch, der Landkreis Cloppenburg prüfe gerade, ob rund um die Kreuzung nicht Messpunkte für Geschwindigkeitsmessungen der Polizei eingerichtet werden könnten. „Wir werden auch unsere Geschwindigkeitsanlagen aufstellen und verdeckt messen, wie schnell die Autos hier unterwegs sind“, sagt Block.
