Barßel/Harkebrügge - Sie sind unüberhörbar – die musikalischen Klänge eines Dudelsacks, die immer wieder mal über das weite Areal des Bootshafen in Barßel erklingen. Auch etwas weiter weg ist die Musik noch zu hören. Nicht immer können die Menschen, die über die Uferpromenade flanieren, den Dudelsackspieler gleich ausfindig machen. Er spielt immer an verschiedenen Stellen. Einer seiner Lieblingsplätze ist der Aussichtsturm in unmittelbarer Nähe des Vereinsheimes des Fischereivereins Barßel an der Deichstraße. Dort spielt Stefan Abeln aus Harkebrügge die traditionelle Sackpfeife.
In die Musik verliebt
Der Angestellte in der Industrie hat mit dem Dudelsackspielen ein nicht alltägliches Hobby. In luftiger Höhe macht es ihm besonders viel Spaß, die Menschen mit seiner Dudelsack-Musik zu erfreuen – einfach so aus Leidenschaft und Begeisterung für das Holzblasinstrument. Aber auch auf der Landzunge unterm kleinen Leuchtturm „Roter Sand“ ist Abeln manchmal anzutreffen und natürlich in seinem Heimatort Harkebrügge. Hier kann man ihn mit seinem Dudelsack auf dem Deich entlang der Soeste spielen hören. Abeln hat sich in die Dudelsack-Musik verliebt. Einfach so. In seinen Augen gehört hierzu aber nicht unbedingt die klassische Kleidung zu tragen. Nein – er spielt aus Freude am Musikinstrument, ohne gleich einen Schottenrock umzuwerfen.
Erst vor vier Jahren hatte Abeln angefangen, das Instrument zu erlernen. „Ich habe mir das Spielen selbst beigebracht, ohne Musiklehrer. Es ist schon eine kleine Kunst für sich und es dauert schon einige Monate, um spielen zu können“, erzählt er. Die erforderliche Motivation und Geduld seien allerdings wichtige Voraussetzungen, um das Blasinstrument zu beherrschen. Bei einem Dudelsack handelt es sich um eine Sackpfeife. Es sei kein Schottensack, sondern ein „Deutscher Marktsack“, erklärt Abeln.
Die Griffe seien wie bei einer Blockflöte. Er spielt daher auch keine schottischen Lieder. Sein Repertoire ist gemischt – eher Mittelaltermusik. Aber auch Lieder wie „Was wollt ihr trinken“ oder der „Merseburger Zauberspruch“ werden von ihm gespielt. Der 32-Jährige klemmt das Instrument unter seinen linken Arm. Er nimmt die „Blowpipe“ in den Mund, atmet tief durch und füllt den „Bag“ mit Luft. Ein sanfter Druck auf den Sack genügt, um einen Dauerton auf den „Drone Stocks“ zu erzeugen.
Tägliches Training
„Man braucht schon eine kräftige Lunge, um der Sackpfeife Töne zu entlocken. Dazu ist tägliches Training erforderlich. Es gilt so lange zu pusten, bis man nicht mehr kann. Immer weiterspielen“, sagt Abeln. Um die Lunge zu stärken, rät Abeln, Ausdauerläufe zu machen. Der Junggeselle spielt nicht nach Noten. Noten lesen hat er nicht gelernt. Er entlockt dem Dudelsack die Töne aus dem Gefühl heraus. In einer Dudelsack-Band zu spielen, kommt für ihn nicht in Frage. Er spielt lieber solo und am liebsten in der Natur. Das inspiriere ihn.
„Meistens spiele ich eine halbe Stunde und mache dann eine kleine Pause“, sagt Abeln. „Bisher gefällt den Leuten meine Musik. Ich werde darauf oft angesprochen. Negative Stimmen habe ich noch nicht gehört“, freut sich der Harkebrügger Musikfreund. Auch weiterhin will er die Menschen mit seiner Dudelsack-Musik erfreuen.
