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Landwirtschaft Im Kreis Cloppenburg Wer ersetzt jetzt die Saisonarbeiter bei der Ernte?

Michael Diederich

Varrelbusch/Elsten - Einreisestopp für Erntehelfer: Das trifft viele landwirtschaftliche Betriebe in der Region, denn sie brauchen die Arbeitskräfte. Die Saisonarbeiter aus Osteuropa kommen seit Mittwoch, 17 Uhr, nicht mehr nach Deutschland. Damit soll die Corona-Pandemie eingedämmt werden.

Was bedeutet das für die Landwirtschaft?

„Gestern hatten wir noch keine Probleme, heute schon. Uns fehlen rund 50 Erntehelfer“, berichtete Andreas Döpke, Geschäftsführer vom Frischehof Döpke in Varrelbusch am Dienstag. Dort werden Erdbeeren und Spargel angepflanzt. Für zwei bis drei Monate im Jahr ist der Familienbetrieb auf Hilfe aus Osteuropa angewiesen. „Die Mitarbeiter aus Polen, die bei uns beschäftigt sind, sind zuverlässig und loyal. Einige kommen seit vielen Jahren zu uns.“

Wer ersetzt die Saisonarbeiter aus Osteuropa?

Als eine mögliche Alternative sieht Döpke Schüler, Studenten und Kurzarbeiter an. Allerdings sei dies nur kurzfristig und nicht auf Dauer eine richtige Lösung. Man müsse ja auch langfristig planen können.

Außerdem brachte der Geschäftsführer Mitarbeiter aus lokalen Firmen ins Spiel, wo gerade Produktionsstopp herrscht. Das Problem: Damit die Erntehelfer erst einmal seinen Frischehof erreichen, müsse der öffentliche Nahverkehr stärker mitspielen. „Unsere Arbeit geht meistens früh morgens, ab fünf Uhr los. Da fahren überhaupt keine Busse zu uns“, sagte der Frischehof-Leiter. Zudem fahren die Busse im Landkreis Cloppenburg zurzeit nur beschränkt – nach dem Ferienfahrplan. Bisher waren die Saisonarbeiter direkt neben dem Hof untergebracht. Zudem sei die Arbeit körperlich anstrengend und nicht jedermanns Sache, so Döpke.

Welche Folgen hat der Einreisestopp?

Kreislandvolk-Vorsitzender Hubertus Berges (Elsten) schätzt die aktuelle Situation schwierig ein: „Für die einzelnen Betriebe ist es problematisch. Auch, weil der Einreisestopp ziemlich schnell verabschiedet wurde.“ Dennoch sei es für die gesamte Landwirtschaft keine Katastrophe, da es keinen bundesweiten Ernährungsausfall geben werde.

Schüler und Studenten als Arbeiter hält Berges für eine Alternative. Jedoch müsse man auch berücksichtigen, dass es keine gelernten Spargelhelfer sind. „Man schickt ja auch keine Studenten zum Frisör und lässt sie direkt Haare schneiden. Das muss man erst einmal lernen.“

Welche Änderungen wurden bereits beschlossen?

Knapp 300 000 Saisonarbeiter aus Osteuropa kommen nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes jedes Jahr als Erntehelfer nach Deutschland. Die bisherige Regelung erlaubte den Saisonarbeitern, 70 Tage sozialversicherungsfrei in einem Betrieb beschäftigt zu sein. Aufgrund der Corona-Krise weitete das Bundeskabinett die Regelung auf 115 Tage bis Ende Oktober aus.

Zusätzlich ist in der Corona-Krise die Arbeitnehmerüberlassung ohne Erlaubnis möglich. Und die Grenzen bezüglich des Hinzuverdienstes für Vorruheständler sowie Anrechnungsfreigrenzen für Bezieher von Kurzarbeitergeld werden deutlich ausgeweitet. Für Andreas Döpke besteht jedoch weiterhin Handlungsbedarf: „Die Politik muss nun etwas für uns machen.“

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