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Geschichte im Landkreis Cloppenburg Varrelbusch älter als angenommen

Varrelbusch - Sein 555-jähriges Bestehen hat Varrelbusch im Jahr 2018 mit einer Dorfolympiade und einer Open-Air-Party gefeiert. Doch wie es scheint, könnte Varrelbusch schon deutlich älter sein. Das jedenfalls hat der Historiker Peter Sieve aus dem Archiv des Offizialats in Vechta aus dem Güter- und Rentenverzeichnis der St.-Andreas-Kirche in Cloppenburg-Krapendorf aus dem Jahr 1463 entnommen. Die Pergament-Handschrift befindet sich im Pfarrarchiv von St. Andreas, das im Offizialatsarchiv Vechta deponiert ist.

Schlaglichter der Geschichte von Varrelbusch

1463 ist Varrelbusch in einem Güter- und Rentenverzeichnis des Kirchspiels Krapendorf erwähnt worden. Zu dieser Zeit werden drei Höfe für Varrelbusch erwähnt. Bis zum Ende des 30-jährigen Krieges werden immer wieder diese drei Hofstellen erwähnt, allerdings sind sie nach der langen Kriegszeit weitgehend verarmt oder sogar verwüstet.

Nach 1700 wuchs die Bevölkerung für abgehende Söhne und durch das Aufkommen der Heuerlingswesen allmählich an.

1750 zählte Varrelbusch bereits 53 Einwohner in acht Familien.

1891 wurden Moor und Heide, die bis dahin gemeinschaftliches Eigentum waren, auf die zu der Zeit wirtschaftenden 18 Höfe aufgeteilt. Ein Drittel jedoch verblieb beim Staat und wurde aufgeforstet.

1911 wurde ein Bethaus errichtet.

1961 wurde die Kapellengemeinde, die vormals zu St. Andreas, Krapendorf, gehörte, zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Heute gehört sie zu St. Marien Bethen.

In dem Register wird unter anderem der Zehnte von „Varle“ erwähnt, womit Varrelbusch gemeint ist. Weil man von der ersten urkundlichen Erwähnung der Bauerschaft in diesem Register ausging, wurde dieses Jahr als Geburtsstunde der Bauerschaft gefeiert. „Bei meinen Recherchen hat sich nun aber herausgestellt, dass der Ort schon mindestens 50 Jahre früher erwähnt wird, wahrscheinlich sogar schon 100 Jahre früher“, berichtet Sieve.

Zehnter aus „Varle“

Denn der Zehnte – der zehnte Teil, der als Steuer in Form von Geld oder Naturalien abgegeben werden musste – von Varrelbusch war, bevor er in den Besitz der St.-Andreas-Kirche gelangte, ein Lehen des Bischofs von Osnabrück und wird somit in deren ältesten Lehnregistern mehrfach erwähnt. Demnach wurde 1412 der Quakenbrücker Burgmann Johann von Bockraden mit dem Zehnten „to Varle“ im Kirchspiel Krapendorf belehnt. Später folgte ihm als Lehnsträger der Osnabrücker Domherr Clawes von Bockraden. Dieser hat der Osnabrücker Kirche 1446/47 den Cordula-Schrein gestiftet, der bis heute zu den Prunkstücken des Osnabrücker Domschatzes gehört. Es waren somit wohl nicht zuletzt die Einkünfte aus dem Zehnten von Varrelbusch, die den vermögenden Domherrn in die Lage versetzt haben, dieses Kunstwerk in Auftrag zu geben. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts haben dann die Kirchräte (Provisoren) der Krapendorfer Kirche den Zehnten von Varrelbusch erworben, und zwar anscheinend in einzelnen Teilen von den Erben des Domherrn, darunter von einem Bürger der Stadt Friesoythe.

Wenn es im ältesten Lehnregister der Osnabrücker Bischöfe, dem des Bischofs Johann Hoet (1350-1361), heißt, dass der Zehnte „in villa Varen“ im Kirchspiel Krapendorf an Jutta von Smerten verlehnt wurde, so habe man dies bislang naheliegenderweise auf die Bauerschaft Vahren bei Cloppenburg bezogen, erklärt Sieve. „Wahrscheinlich liegt hier aber ein Schreibfehler vor, und es ist Varrelbusch gemeint.“ Denn der Zehnte von Vahren gehörte damals dem Kloster Gertrudenberg bei Osnabrück.

Auch Vahren älter

Was Vahren anbelangt, so gibt es laut Sieve im Osnabrücker Landesarchiv ein bislang unveröffentlichtes Einkünfteverzeichnis des Klosters Gertrudenberg aus dem 13. Jahrhundert, worin der Zehnte von Vahren bereits genannt wird. „Vahren ist also seinerseits auch 100 Jahre früher erwähnt als bislang angenommen.“

Über das wirkliche Alter der Bauerschaften sagen diese Ersterwähnungen natürlich wenig aus. Was Varrelbusch betrifft, kann man annehmen, dass der dortige Zehnte schon im Besitz des Osnabrücker Bischofs gewesen sein muss, als dieser im 13. Jahrhundert die Burg Quakenbrück erbaute und die dortige Burgmannschaft mit Lehen ausstattete.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)
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