Thüle - Im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz, sicherer Lebensmittelversorgung und Preisdruck brauchen die Landwirte den Rückhalt der Politik. Aus ihrer Sicht ist die agrarpolitische Diskussion zu einseitig, wenn überwiegend von Natur-, Umwelt-, Klima-, Tier- und Artenschutz die Rede ist. Auch die Landwirtschaft selbst brauche Schutz, wie das massenhafte Höfesterben zeige.
„In wirtschaftlicher Hinsicht steht die Landwirtschaft vor der Herausforderung mit den schwankenden Preisen fertig zu werden, aber auch mit ständig steigenden Anforderungen in vielen Bereichen vor allem in der Tierhaltung und dem Tierwohl“, sagte der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg, Bernhard Suilmann, am Mittwoch während der ordentlichen Vertreterversammlung im Gasthof Sieger in Thüle. „Es darf bei allen Ansprüchen, die an die Landwirtschaft gestellt werden, nicht vergessen werden, dass es im Laufe der letzten Jahrzehnte in Fragen des Tierschutzes und auch auf allen anderen Gebieten erheblichen Fortschritt gegeben hat“, ergänzte der Geschäftsführer.
Kritik an E233-Ausbau
Des weiteren werde vom Kreislandvolkverband nicht akzeptiert, dass beim Ausbau der E233 ein Flächenabzug im Rahmen des Flurbereinigungsverfahren erfolge. „Leider werde es aber wohl so kommen. Dabei waren die Landwirte bereit, zu verhandeln“, so Suilmann. Beim Wasserschutz „Rote Gebiete“, dass sind Flächen mit einem zu hohen Nitratgehalt im Grundwasser, positionierte sich der Geschäftsführer ebenfalls: „Entweder wird die Fördermenge heruntergefahren oder es muss für die Betriebe eine Entschädigung geben. So kann derzeit eine Genehmigung nicht erteilt werden.“ Der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes, Hubertus Berges, meinte: „Der Abbau der Tierhaltung erledigt sich von selbst, wenn nichts passiert. Wir sind die Letzten, die dann das Licht ausschalten.“
Als positiv bewertete Berges den Niedersächsischen Weg. Hierbei würden Naturtschutz und Landwirtschaft eingebunden, ohne das ein ganzer Berufsstand überfahren werde. „Mich stört, wenn man bei den landwirtschaftlichen Produkten beim Einkauf von ,Mindeststandard’ spricht. Wir haben immer einen Qualitätsstandard“, so Berges. Mehr Tierwohl zu fordern sei leicht. Um die Finanzierung werde aber gestritten. Die Tierhaltung müsse in die Lage versetzt werden, den Tier- und Umweltschutz zu entsprechen, aber trotzdem wettbewerbsfähig zu bleiben. „Doch wenn die Anstrengungen beim Einkaufen an der Ladentheke nicht ausreichend honoriert werden, muss die Finanzierung halt anderweitig abgesichert werden“, so Berges. Damit Verbraucher auch in Zukunft gute und erschwingliche Lebensmittel aus deutschen Landen genießen können, müsse sich die Wertschöpfung für Landwirte wieder verbessern und transparent werden. „Der Lebensmitteleinzelhandel macht sich die Taschen voll“, so der Vorwurf des Vorsitzenden.
Mehrere Ehrungen
Zum Thema „Versorgungssicherheit für Verbraucher und Planungssicherheit für die Landwirtschaft vor dem Hintergrund höherer Anforderungen an die Tierhaltung und steigender Inflation“ sprach der Fraktionsvorsitzende der FDP im Deutschen Bundestag Christian Dürr während der Versammlung, bei der es auch Ehrungen gab. So wurde Christoph Lüken, ehemaliger Ortslandvolkvorsitzender in Löningen, mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Für den Einsätz in ihren Ortsverbänden wurden geehrt: Theo Wilken (Cloppenburg), Georg Böckmann (Emstek) und Berthold Hachmöller (Sevelten).
